Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung unseres Angebots erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen.
OK
Mehr Infos

Diözesanrat der Katholiken

Demokratisch gewählte Vertretung des Kirchenvolkes.
Der Diözesanrat repräsentiert mehr als 125.000 ehrenamtlich in Katholikenräten, Verbänden und Initiativen aktive katholische Frauen und Männer.

Vorwort

Wie wollen, wie sollen, wie müssen wir leben? Diese drei Fragen markieren das Spannungsfeld des menschlichen Miteinanders auf unserem Planeten. Jeder einzelne Mensch will „gut leben“ und sich entfalten können. Dies darf aus christlicher Perspektive aber nicht unverhältnismäßig auf Kosten anderer geschehen. Denn alle Menschen sollen entsprechend ihrer Menschenwürde und ihrer Gottebenbildlichkeit „gut leben“ können. Niemand in dieser einen Weltschicksalsgemeinschaft sollte voller Sorgen lediglich sein Dasein fristen müssen. Vielmehr sollen alle Menschen in Frieden und relativem Wohlstand die Freude über die Schönheit der Natur teilen und ihre Güter genießen können.
iStock-609439172_Imgorthand
iStock-609439172_Imgorthand
Die Ressourcen und die Möglichkeiten sind wahrlich nicht gerecht verteilt. Das ist jedoch kein achselzuckend hinzunehmendes Los eines Großteils der Menschheit. Papst Franziskus macht in seiner öko-sozialen Enzyklika „Laudato Si’“ zu Recht darauf aufmerksam, dass alles aufeinander bezogen ist (vgl. LS 92) und dass die Verantwortung vor Gott und für die Menschheitsfamilie eng mit der Bewahrung des gemeinsamen Hauses zusammenhängt. Diese Verantwortung ist subsidiär und bezieht sich nicht allein auf den Einzelnen und seinen persönlichen Lebensstil, sondern sie betrifft auch Systeme und Strukturen in Politik und Wirtschaft – im Nahbereich, wie auch im globalen Kontext. Keiner sollte sich aus seiner Verantwortung stehlen, auf welcher Ebene er auch agiert.

Jede und jeder kann seinen Beitrag leisten: „Wenn wir fähig sind, den Individualismus zu überwinden, kann sich wirklich ein alternativer Lebensstil entwickeln, und eine bedeutende Veränderung in der Gesellschaft wird möglich.“ (LS 208) Es geht dabei nicht simpel um weniger, sondern um bewusster, nicht um bloßen Verzicht, sondern um ein Mehr an Lebensqualität für alle. Eine solche Umkehr braucht einen Einsichtswandel beim Einzelnen und es braucht gesellschaftliche Rahmenbedingungen, die einen vom unreflektierten Konsumismus abgewandten Lebensstil ermöglichen und fördern (vgl. LS 204): „Die christliche Spiritualität schlägt ein anderes Verständnis von Lebensqualität vor und ermutigt zu einem prophetischen und kontemplativen Lebensstil, der fähig ist, sich zutiefst zu freuen, ohne auf Konsum versessen zu sein.“ (LS 222).
Der Kirche kommt hier eine dreifache Rolle zu: Einmischung, Anwaltschaft und Motivation. Es bedarf eines aktiven gesellschaftspolitischen Engagements. Insbesondere die kirchlichen Räte und Verbände sind zur solidarischen Weltgestaltung explizit aufgerufen. Auf der Grundlage der christlichen Botschaft ist die kirchliche Perspektive insbesondere die der Armen, der Benachteiligten und der Machtlosen – lokal, weltweit und generationenübergreifend. Die vorliegende Broschüre „Anders besser leben“ richtet sich zwar in erster Linie an die einzelnen Gläubigen in ihrer persönlichen Lebensführung, will aber gleichzeitig auch an die institutionellen Verantwortungsträger appellieren, die Anfragen an einen verantworteten Lebensstil neu zu durchdenken und so zu handeln, dass alle Menschen jetzt und künftig ein gutes Leben, ja ein „Leben in Fülle“ (Joh 10,10) haben. Unser gemeinsamer Glaube motiviert zum authentischen Einsatz für eine lebenswerte Welt. Wir alle gewinnen dabei.
Hans Tremmel







Prof. Dr. Hans Tremmel

Vorsitzender des Diözesanrats der Katholiken der Erzdiözese München und Freising