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Diözesanrat der Katholiken

Demokratisch gewählte Vertretung des Kirchenvolkes.
Der Diözesanrat repräsentiert mehr als 125.000 ehrenamtlich in Katholikenräten, Verbänden und Initiativen aktive katholische Frauen und Männer.

Konsum - Politik - Lebenskunst. Christliche Lebensstile als Impulse gesellschaftlicher Transformation

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Seit jeher gewinnt der christliche Glaube seine Überzeugungskraft nicht allein durch Worte und dogmatische Lehren, sondern durch die Art und Weise, wie  Christinnen und Christen leben. Der Lebensstil ist authentischer Ausdruck dessen, was uns wirklich wichtig ist. Schöpfungsverantwortung zeigt sich darin, wie wir mit den Dingen, Mitmenschen und Mitgeschöpfen umgehen, wie wir einkaufen, essen und uns bewegen.

Die Enzyklika Laudato Si’ macht viele konkrete Vorschläge für nachhaltige Lebensstile, die nicht den Geist eines „Weniger“ an Lebensqualität atmen, sondern die Rückkehr zu einer Freude an einfachen Dingen – hin zu einer Naturverbundenheit und zu einer Kultur der Aufmerksamkeit. Ein solcher ökosozial verantwortlicher Lebensstil verbindet die Fähigkeit zum Genuss mit der Distanz gegenüber Verschwendung. Schöpfungslust statt Umweltfrust ist die Grundstimmung einer christlichen Ökologiebewegung.
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Über Umwelt- und Sozialbilanzen hinaus geht es ihr um ein anderes Verständnis von gutem Leben: Reichtum und Freiheit sind nach christlicher Auffassung nicht an der Menge von Besitzständen zu messen, sondern an der Fähigkeit, sich an den kleinen Dingen zu freuen, sie zum Wohl des Nächsten zu gebrauchen, sie zu teilen und zu erhalten. Achtsamkeit, Freundschaft und Zeitwohlstand sind Kriterien von einem Glück, das dem christlichen Menschenbild entspricht. Wer davon weiß, was er nicht braucht, lebt besser und zufriedener. Jeder Bürger und jede Bürgerin kann zum  Beispiel täglich durch eine „Politik mit dem Einkaufskorb“ mitentscheiden, was und wie produziert wird. Verbraucherverhalten ist millionenfache Abstimmung mit dem Geldbeutel. Wer ökologische, fair gehandelte oder regionale Produkte bevorzugt und dem Konsumrausch entsagt, befindet sich im subversiven Widerstandskampf gegen die sanfte Gewalt dauernder Wunscherzeugung und Manipulation durch Werbung. Er wandelt sich vom „Ver-braucher“ zum „Fair-braucher“.
Konsumentenverantwortung ist die neue revolutionäre Kraft der Zivilgesellschaft. Darauf hat bereits die Enzyklika „Caritas in veritate“ gesetzt (Nr. 37-51) und dies entfaltet Papst Franziskus in Laudato Si’ in Verbindung mit dem aus Lateinamerika kommenden Konzept des „buen vivir“ (Nr. 22f.,26f., 50-55, 109, 112, 123, 160-164, 171 etc.). Das Neue an dieser Tradition ist, dass Konsum hier nicht als bloße Privatsache verstanden wird, sondern als kulturelle Basis für die Veränderung der Politik. Damit die Macht der Verbraucher gesellschaftlich wirksam wird, muss Information über Konsumprodukte transparenter gestaltet werden, muss der Einkauf konsequent nach ökosozialen Kriterien organisiert werden (z. B. haben die Kirchen allein in Deutschland im Bereich der Lebensmittel ein  Einkaufsvolumen von einer Milliarde Euro im Jahr). Politisches Christentum wird sich wesentlich darin bewähren müssen, dass Christinnen und Christen  hier ihre Macht durch ein auf Suffizienz ausgerichtetes Handeln erkennen und dieses gemeinschaftlich gestalten sowie institutionell verankern. Dann können christliche Lebensstile zu einer subversiven Kraft für das ökosoziale Wohlstandsmodell der Zukunft werden.
Markus Vogt klein







Prof. Dr. Markus Vogt

Lehrstuhl für Christliche Sozialethik, LMU München