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Diözesanrat der Katholiken

Demokratisch gewählte Vertretung des Kirchenvolkes.
Der Diözesanrat repräsentiert mehr als 125.000 ehrenamtlich in Katholikenräten, Verbänden und Initiativen aktive katholische Frauen und Männer.

Reichtum an Zeit und an Gemeinschaft

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Papst Franziskus sagt in Laudato Si’: „Einzelpersonen können ihre Fähigkeit und ihre Freiheit verlieren […] und sind schließlich einem Konsumismus ohne Ethik und ohne soziales und umweltbezogenes Empfinden ausgeliefert“. Mit diesem Zitat macht Franziskus einmal mehr deutlich, dass bewusster Konsum heutzutage eine wesentliche Rolle spielt bei der Frage nach einem gesunden und nachhaltigen Lebensstil. Wenn Konsum zum Selbstzweck wird, führt dies zu innerer Unzufriedenheit. Viele Menschen merken intuitiv, dass zielloses Konsumieren jenseits von echten Bedürfnissen sie nicht erfüllt. Sie sehnen sich nach Einfachheit und nach der Konzentration auf das Wesentliche. Der Wunsch nach einem Leben, bei dem Zeit, Muße, Gemeinschaft und Kreativität mehr zählen als Besitz, bricht sich bahn.

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Wirtschaftliche Rezession und Verzicht im persönlichen Lebensstil wecken bei vielen von uns ein Unbehagen. Wer möchte schon auf Bequemlichkeiten und Dinge verzichten, die er nun schon seit Jahrzehnten überall, sofort und billig haben kann? Schließlich hat man dafür das ganze Jahr über gearbeitet und sein Leben den Regeln der Wirtschaft untergeordnet. Papst Franziskus fordert in seiner Enzyklika Laudato  Si’ nicht vordergründig zum Verzicht, sondern tiefergreifend zur Umkehr auf. Es geht um einen Paradigmenwechsel, der das ganze Leben erfasst. Der Alltag des „homo oeconomicus“ soll unter- und durchbrochen werden.

Der Theologe Johann B. Metz bezeichnete die „Unterbrechung“ als die kürzeste Definition von Religion. Auf dem Weg zur Umkehr verliert der Verzicht nicht nur den negativen Beigeschmack, sondern wird positiv als Befreiung empfunden.

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Es ist leichter, den Weg der Umkehr in einer Gemeinschaft zu gehen als allein. Auch dafür ist es nötig, die Regeln des neoliberalen Wirtschaftssystems zu durchbrechen. Danach gibt es keine Gesellschaft mehr, sondern nur noch „Markt“. So genannte soziale Netzwerke und moderne Medien fördern die „Atomisierung“ der Gesellschaft. Ganz anders sehen es die christlichen Religionsgemeinschaften. Gerade in der Katholischen Soziallehre steht der Mensch mit seiner Würde und mit seiner Personalität im Mittelpunkt. Nach den Prinzipien der Subsidiarität und Solidarität sieht sich der einzelne Mensch eingebunden in einer Gemeinschaft.

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Mit Hilfe einer Spiritualität des Alltags und eingebettet in einer Gemeinschaft kann die Umkehr des persönlichen Lebensstils gelingen. Dazu gehört das Feiern, das ebenfalls in der Enzyklika eine wichtige Rolle spielt. Feiern als Ausdruck der Dankbarkeit und der Lebensfreude, bei der niemand ausgeschlossen wird, kann man am besten in der Gemeinschaft.

Diese Sehnsucht zu spüren und ernst zu nehmen ist der erste Schritt und birgt die Chance, mit der oben genannten „Unterbrechung“ und „Umkehr“ zu beginnen. Es geht also darum, Bewusstsein und Achtsamkeit für den günstigen Zeitpunkt zu entwickeln. Kairos, so nannten antike Philosophen diesen besonderen, lebensverändernden Moment der Entscheidung, der Unterbrechung, der hin zur Umkehr führt.

Literaturtipp:
"Ich bin, weil wir sind - Tipps zur Mitgestaltung der Globalisierung" (vgl. Landeskomitee der Katholiken in Bayern, Pro Praxis 4).