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Diözesanrat der Katholiken

Demokratisch gewählte Vertretung des Kirchenvolkes.
Der Diözesanrat repräsentiert mehr als 125.000 ehrenamtlich in Katholikenräten, Verbänden und Initiativen aktive katholische Frauen und Männer.

Nachhaltigkeit als grundlegende Orientierung

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Es gibt Worte, die machen, einmal eingeführt, erstaunliche Karrieren. Zu diesen Worten gehört auch der Begriff „Nachhaltigkeit“. Vor den 1980er Jahren nahezu unbekannt, gibt es heute kaum einen Geschäftsbericht, kaum eine politische Rede oder ein Positionspapier, die ohne Betonung der Nachhaltigkeit des Anliegens oder Tuns auskommen. Ob dabei jedoch immer gemeint ist, was ursprünglich damit verbunden war, ist durchaus zu bezweifeln.

Folie 12
Eingeführt in die politische Debatte wurde der Begriff 1987 durch den Abschlussbericht der von der UN eingesetzten World Commission on Environment and Development „Our common future“ (sog. Brundtland-Bericht). „Sustainable development“ – nachhaltige Entwicklung – wird dort definiert als „eine Entwicklung, die die Bedürfnisse der jetzt Lebenden befriedigt (insbesondere die Grundbedürfnisse der Armen dieser Welt, denen oberste Priorität eingeräumt werden sollte), ohne die Fähigkeit künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen.“ Ausgehend von den grundlegenden menschlichen Bedürfnissen wird mit dem Begriff „nachhaltig“ also insbesondere die Sorge um die Sicherung der Lebensgrundlage aller aktuell und zukünftig auf dem Planeten lebenden Menschen, die Chance aller auf ein gutes Leben, in den Blick genommen. Als ‚Erfinder’ der Nachhaltigkeit gilt allerdings Hannß Carl von Carlowitz (1645-1714), Leiter des sächsischen Oberbergamts in Freiberg und gläubiger Protestant. In seinem bahnbrechenden forstwirtschaftlichen Lehrbuch „Sylvicultura oeconomica“ (wörtl. haushälterischer Waldbau) von  1713 definiert er Nachhaltigkeit als eine Nutzung des Waldes, die  kontinuierlich und beständig erfolgt und den Baumbestand nicht zerstört sondern gleichbleibend erhält. Ganz elementar geht es bei der Rede von der Nachhaltigkeit also von Anfang an darum, ein bestimmtes System (den Wald, den Planeten Erde, …) so zu nutzen, dass es mit dem Potential einer gleichbleibenden Nutzung erhalten bleibt.

Nachhaltigkeitsdreieck
Nachhaltigkeitsdreieck, © planspielagentur.de/W. Kämpfe
Wie ist das aber konkret umzusetzen? Im Nachhaltigkeitsdiskurs hat sich hier in den letzten Jahren das so genannte „Drei-Säulen-Modell“ oder auch „Nachhaltigkeitsdreieck“ durchgesetzt: Bei jeder Entscheidung müssen sowohl die Auswirkungen für die soziale (globale und intergenerationelle) Gerechtigkeit, die Konsequenzen für die ökonomische Sicherheit wie auch der Erhalt des ökologischen Gleichgewichts beachtet und miteinander in Ausgleich gebracht werden. Das Bild des Dreieckes macht dabei die Verbundenheit der drei Aspekte deutlicher. Allerdings stellt sich hier die Frage, ob ökologische Ressourcen tatsächlich in gleicher Weise ersetzbar sind wie soziale oder ökonomische Ressourcen oder ob die Aufrechterhaltung eines ökologischen Gleichgewichts, das stabile Lebensbedingungen auf der Erde ermöglicht, nicht einen Korridor beschreibt, der die Umsetzung wirtschaftlicher und sozialer Ziele eindeutig begrenzt. In eine ähnliche Richtung geht auch die Kritik, die solchen Konzeptionen von Nachhaltigkeit ein zu hohes Maß an Vertrauen in die Steuerbarkeit natürlicher Prozesse durch den Menschen und in die Fähigkeit zum immer effizienteren Umgang mit Ressourcen vorwirft. Eine Nachhaltigkeitskonzeption, die den Vorrang der ökologischen Tragfähigkeit des Ökosystems der Erde in den Vordergrund stellt, muss daher neben Methoden der Effizienzsteigerung immer die Höhe des Ressourcenverbrauches insgesamt berücksichtigen. Das kann angesichts der aktuellen Lage der Menschheit und des Planeten nur die Forderung nach einem materiell genügsameren Lebensstil insbesondere in den Ländern des globalen Westens beinhalten (siehe Beiträge gutes Leben und Herausforderungen). Nicht umsonst verweist auch Papst Franziskus in der Enzyklika Laudato Si’ deutlich auf Aspekte christlicher Spiritualität, die auf ein „Weniger ist mehr“ zielen (siehe Beitrag Schöpfungsspiritualität).

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Auch die Erzdiözese München und Freising hat sich im Jahr 2015 Nachhaltigkeitsleitlinien gegeben: www.erzbistum-muenchen.de/umwelt. 
Deren diözesanweite Konkretisierung und Umsetzung wird im Projekt Umweltmanagement koordiniert. 

Weiterführende Hinweise

Online-Lexikon der Nachhaltigkeit

Aus dem Wald in die Welt - Die Geschichte der Nachhaltigkeit, hg. vom bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (2017) - das Heft kann hier bestellt werden.