Diözesanrat der Katholiken

Demokratisch gewählte Vertretung des Kirchenvolkes.
Der Diözesanrat repräsentiert mehr als 125.000 ehrenamtlich in Katholikenräten, Verbänden und Initiativen aktive katholische Frauen und Männer.

Realitätsfern und ungewollt innovativ

Kommentar zur Instruktion des Vatikan über die „pastorale Umkehr der Pfarrgemeinde"
Pfarrleitungsteam in Geisenhausen
Das Vatikan-Dokument zu Pfarreireformen hat viele enttäuscht. Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, spricht von einer „abenteuerlichen Realitätsferne“. Drei Punkte sollen hier herausgegriffen werden.

Erstens: Engagierte Laien

Das Papier ist „eine starke Bremse der Motivation und Wertschätzung der Dienste von Laien“. Diese Einschätzung stammt von dem Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode. Zugleich fragt er, „wie wir unter solchen Bedingungen neue engagierte Christen finden sollen.“ Wie realitätsblind die Perspektive der Kleruskongregation ist, bringt ein Pfarrgemeinderatsmitglied auf der Facebook-Seite des Diözesanrats zum Ausdruck: „Man kann vieles verordnen, all dies wird aber von der Realität (Personalsituation, Wunsch nach anderen Formen von Gottesdiensten) eingeholt. In vielen Gemeinden stellt sich das christliche beziehungsweise kirchliche Leben jetzt doch schon anders da. Wo wären die vielen Aktionen, wenn sich die Ehrenamtlichen zurückziehen würden. Wir Laien werden definitiv wichtiger werden in einer aktiven Kirche vor Ort.“  

Zweitens: Entscheiden oder Beraten

Ja, die sogenannten Laien nehmen in den Pfarreien vielfältige Dienste wahr. Für einige dieser Aufgaben werden sie sogar offiziell beauftragt, beispielsweise als Wortgottesdienstbeauftragte und Lektoren. Dafür finden sich in der Instruktion Anhaltspunkte, wenn es um die „niederen Weihen“ von Laien als Akolythen und Lektoren geht. Explizit grenzt sich die Instruktion aber davon ab, dass Laien an der Leitung teilhaben können. Alle Gremien werden als reine Beratungs- und Hilfsgremien angesehen, die den Pfarrer, der als Hirte idealisiert wird, unterstützen und beraten sollen. Auch das geht an der Realität vorbei. Bei uns ist staatskirchenrechtlich geregelt, dass die Vermögensverwaltungsräte, also die Kirchenverwaltungen, Mitbestimmungsgremien sind. Sie sind Entscheidungsgremien, keine Beratergremien. In abgestufter Form trifft dies auch auf die Pfarrgemeinderäte zu. Der Pfarrgemeinderat hat eine Doppelfunktion. Als Organ des Laienapostolats kann er in allen gesellschaftlichen Fragen eigenverantwortlich entscheiden und handeln, nur als Pastoralrat hat er eine beratende und den Pfarrer unterstützende Funktion.  

Drittens: Anpassungen des Rechts
Beim Lesen des römischen Dokuments ist man erstaunt, dass nur wenige biblische Quellen zitiert werden. Im Vordergrund steht die kirchenrechtliche Absicherung des Klerus, seiner Letztverantwortung und damit auch seiner Macht, mit Bezug auf das Kirchenrecht von 1983. An dieser Stelle könnte sich die Instruktion aber ungewollt als innovativ erweisen. Sie macht deutlich, dass es nicht ausreichend ist, kreative pastorale Prozesse und Projekte zu starten, wenn nicht zeitnah das Recht geändert oder angepasst wird. Dies ist der wunde Punkt, der hoffentlich durch den Synodalen Weg – und hier vor allem durch das Forum „Macht und Gewaltenteilung“ – in all seinen Konsequenzen angegangen wird. (Martin Schneider, theologischer Referent des Diözesanrats der Katholiken der Erzdiözese München und Freising)
(Quelle: mk-online.de)

                                            

Übersicht: Stellungnahmen und Wortmeldungen zur Instruktion

ZdK-Präsident Sternberg kritisiert Instruktionen der Kleruskongregation

Hiltrud Schönheit, Vorsitzende des Katholikenrats der Region München zur Instruktion aus Rom: "Fassungslos und erschrocken" sei sie nach der Lektüre gewesen, sagt sie ...

Marx: Erfahrungen der Ortskirche aufnehmen

Stellungnahme von Bischof Franz-Josef Bode zur Instruktion der Kongregation für den Klerus

Stellungnahme von Bischof Peter Kohlgraf zur aktuellen vatikanischen Instruktion

Lassen Sie sich nicht entmutigen! Ermutigende Worte des Bischofs von Magdeburg anlässlich der Instruktion der Kongregation für den Klerus

Theologe Paul Zulehner: Wer soll denn da umkehren?

Theologe Georg Essen: „Ein Papier der Hilflosigkeit“

Wortlaut: Instruktion der Kongregation für den Klerus – Die pastorale Umkehr der Pfarrgemeinde im Dienst an der missionarischen Sendung der Kirche