Der Pfarrverband Glonn im Dekanat Ebersberg

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Die Filialkirche St. Lambert in Adling Patrozinium Lambert - 18. September

Ortnamen mit der Endung „ing“ gehören zu den ältesten Orten.  Funde aus der Römerzeit  auf dem Adlinger Kirchplatz  zeugen von einem alten Siedlungsplatz. Die Nachkommen eines Atalo, dieser Name ist schon ab 780 belegt,  sollen dem Ort den Namen gegeben haben. Patron der Kirche ist der Heilige Lampert (Landpert/ Lantpert) , ab 937 Bischof von Freising.  Er ist der „Hausheilige“ der Aribonen. Aribo, ein Mitglied dieser Familie stirbt 783 als Bischof von Freising. Andere werden Bischöfe in Salzburg. Aribonen gründeten um 994 das Kloster Seeon, wie Adling dem Hl. Lampert geweiht. Überdies sind sie Grundherren in unserer Gegend. Auch von daher könnte das Lampertspatrozinium von Adling seinen Ursprung haben.
Die Adlinger Kirche ist sicher nicht die erste auf diesem Platz. Eine frühere wird schon unter dem 1220 verstorbenen Bischof Otto (II) von Freising erwähnt. Dieser hat seine Kapelle in Adling an Freising geschenkt. Die romanische Vorgängerkirche mit einer Holzdecke soll der Größe der heutigen entsprochen haben. Wahrscheinlich hatte sie eine Apsis.
Die jetzige Kirche ist ein spätgotischer Quaderbau (Natursteine)  mit gotischem Gewölbe mit Schlussseinen und wird in das 15. Jahrhundert datiert. Ein Baumeister ist nicht bekannt. Der Turm wurde um 1700 angebaut und mir einem Scheyrerkreuz versehen. Bei dem 1745 in die Turmkuppel eingeritzten Initialen „QVS“ könnte es sich um den Glonner Zimmerer Quirin Voglsinger handeln. Der frühbarocke Altar dürfte einen früher gotischen ersetzt haben. Dem Hl. Lampert ist der Hl. Emmeram und die Hl. Barbara zur Seite gestellt. Die „Kunstdenkmale“ gehen von „guten Holzsculpturen“ aus dem Ende des 15. Jahrhunderts, also der Kirchenbauzeit aus. Das neben dem Altar hängenden Ölgemälde Maria Verkündigung ist ein Werk von Johann-Heinrich Tischbein, dem Älteren (1722-1789). Die Widmung: „Gestiftet von der Familie Scheidhammer zum Andenken im Gebet an die gefallenen und vermißten Helden von Adling 1944“. Das Missionskreuz ist ein Werk des Alxinger Schnitzers Bittner (+2004).

Im Zuge der Säkularisation wurde die Kirche als „entbehrlich“ eingestuft und damit zum Abbruch bestimmt. Schließlich wird sie 1807 von den Adlingern für 200 Gulden gekauft. Nach mündlicher Überlieferung haben sich die Adlinger damit soweit überschuldet, dass sie am Rand des Ruins standen.      Mit dem Kauf geht die Baulast auf die Ortschaft über. Das Kirchenvermögen im Wert von 500 Gulden geht aber 1803 an die Pfarrei über. Deshalb stellen 1855 die Adlinger den Glonnern die Rechnung auf:  Sie fordern die 500 Gulden und den Kaufpreis von 200 Gulden. Glonn zahlt nicht, verspricht aber eine jährliche Zuwendung von 50 Gulden. Die Kirche bleibt damit im Eigentum des Ortes. Damit geht sie später in das Eigentum der Gemeinde Glonn über. Erst 1974 wird die Kirche von der Marktgemeinde an die Glonner Kirchenstiftung definitiv übergeben.
Noch 1933 wird die Kirchenrestaurierung  von den Adlingern finanziert. 1977 werden Dach, Turm und Fassade repariert. 1987 wird dann unter Pfarrer Schneider eine Innen- und Aussenrenovierung eingeleitet. Dabei bekommte der  Turm ein Kupferdach, die Fundamente werden saniert und Teile von alten Fresken werden freigelegt. Der Ausbau des Pflaster gibt Knochenfunde frei. Ein Zeichen das es sich hier um einen uralten Kirchplatz handelt.
Wer die Kirche besichtigen will: Konrad Stemmer, der Mesner, zeigt an den meisten Sonntagen ab 13:00 Uhr gerne „seine“ Kirche her und gibt fachkundige Auskünfte.
verfasst von Johann Obermair