Der Pfarrverband Glonn im Dekanat Ebersberg

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Die Filialkirche Mariä Himmelfahrt in Frauenreuth Patrozinium: Maria Himmelfahrt - 15. August

Zum Kirchensprengel gehören die Orte Frauenreuth und Mattenhofen, sowie  die Weiler Hafelsberg, Überloh und Reisenthal. Frauenreuth selbst dürfte auf dem Boden des Klosters Tegernsee, das 1098 ausschlaggebend für die Gründung des Klosters Dienramszell war, gegründet worden sein. Bis zur Sekularisation sind es noch fünf Höfe auf das Obereigentum dieses Klosters zurückzuführen. Ein Tuffplattengrab aus der späten Merowingerzeit zeugt von der frühen Besiedlung. Reuth kommt von roden. Erst später wurde aus Reuth Frauenreuth. Die zunnehmend Wallfahrt zur Muttergotteskirche war hierzu sicher der Anlass. Eine erste bekannte urkundliche Erwähnung des Ortes datiert mit 1130.
Schon 1315 wird „Raeut“ als Glonner Filialkirche genannt. Eine Glocke mit, mit der Aufschrift „Grueßt seitst tu Maria“, kann auf das Jahr 1350 datiert werden. Für diese Zeit ist also schon die Wahllfahrt anzunehmen. Pfarrer Renzelhauser, von 1486 – 1513 Glonns Pfarrer, stiftet in Frauenreuth ein Frühmeßbeneficium. Damit wird die Bedeutung dieser Filialkirche heraus gehoben. Seit 1538 bis in unsere Zeit sind dann für Frauenreut Kooperatoren aufgezeichnet. Aber auch die um 1500 entstandene Madonna, die in den Kunstdendkmälern Oberbayerns als „hervorragende Schönheit“ gelobt wird, zeugt von der Bedeutung der Kirche. Das Andachtsbild mit Muttergottesdarstellung und Hymnus, das um 1689 vom Augsburger Kupferstecher Johann-Kaspar Gutwein geschaffen wurde, zeugt von der Bedeutung der Wallfahrt. Die Kirche dieser Zeit war gotisch und mit einem Spitzturm versehen. Auf einem der zahlreichen Votivbilder in der Kirche gibt es noch eine Abbildung davon. 1676 wird diese Kirche als baufällig bezeichnet.  Notdürftige Reperaturen retten das Bauwerk ins nächste Jahrhundert.
Schon 1699 wurde ein Kostenvoranschlag für einen Neubau eingereicht. Eine Genehmigung von 1702 wird Anlass für den Baubeginn gewesen sein. Den Grundstein hatte der in Anzing ansässige Churfürstliche Rat Anton Benno Höger gelegt. Dies lässt auf eine Stiftung Högers schließen, denn wie der Glonner Chronist Pfarrer Niedermair (1875-1956) schreibt:  „Nachdem sie abgebrochen war, soll ein Kaufmann, der ein Kauffahrteischiff auf dem Meere besaß, im Falle einer glücklichen Zurückkunft von einer Seereise den Bau der Kirche in Frauenreuth gelobt haben“. Auch eine Votivtafel von 1697 der Bürgersfrau Maria-Eva Häringerin, mit einer Madonna, die der in Anzing ähnlich ist, lässt auf  die Anzinger schließen. Der Bau wird von Maurermeister Thomas Mayr aus Grafing ausgeführt. Nur der untere Teil des Turmes stammt von der gotischen Vorgängerkirche. Ein Tonnengewölbe aus Ziegel überspannt Langhaus und Chor. Auch anderer Handwerker stammen nicht aus dem Glonner Bereich. Das Gemälde des Stephanusaltars stammt gar vom Münchner Hofmaler Harrath.  Auch die Stuckierung wahrscheinlich eine Miesbacher,  lässt auf einen wohlhabenden Spender schließen.
Am 18. Juni 1707 wird die Kirche von Fürstbischof  Johann-Franz Eckher geweiht. Gleichzeitig hält er für die umliegenden Pfarreien die Firmung. Auch in Münster ist der Bischof bei dieser Gelegenheit tätig. Er weiht die „große Turmglogge“ der Höhenrainer, die hierfür eigens nach Münster zu bringen war. Nachdem das Altargemälde von Harrath für 1709 datiert ist, ist davon auszugehen, dass die Innenaustattung bei der Einweihung noch nicht ganz fertig war. Auch der Turm soll erst 1723 vollendet worden sein. Eine Besonderheit der Frauenreuther Ausstattung ist eine „Gerichtsmühle“. Auf einem Gemälde dargestellt bringen die Gläubigen ihre Sünden in Säcken auf dem Rücken tragend zu göttlichen Müller. Eine Darstellung die im Oberbayerischen Raum nicht allzu häufig vorkommt und von der Entstehung her ins frühe 18. Jahrhundert passt.
Die Wallfahrt zur Muttergottes aus Frauenreuth ist, besonders am „Frautag“ (15.8.), ein Ereignis für die ganz Umgebung. Es kommen derart viele Leute, so dass auch der Wirt von Höhenrain in Frauenreuth sein Geschäft macht. 1859 am „Frautag“ ist zum Beispiel von 1500 Personen die Rede, die in Frauenreuth die Sakramente empfingen. Zehn Gottesdienste sind nötig und eine „Dult“ mit rund 10 Kramerständen wird abgehalten. Den Aufzeichnungen der Glonner Musikkapelle Diemer entnehmen wir, dass in Frauenreuth der Kirchweihtanz üblich war. Bis zum behördlich eingeführten „Allaweltskirta“ (3. Sonntag im Oktober) war in Frauenreuth der Kirta um Maria Geburt (8.9.). Angeblich weil der Glonner Pfarrer die Beichtaushilfen nicht mehr einlud, ging die Frauenreuther Wallfahrt in den Sechzigerjahren des 18. JH zurück.
1872 gestaltete man das Kircheninnere im Nazarenerstil um. Mit 11000 Gulden war dies veranschlagt. Allein 7000 kamen aus Spenden. Erst um 1962 entledigte man sich dieses ehemals zeitgemäßen Schmuckes wieder. Der Glonner Kirchenmaler Helmut Knorr konnte Gott sei Dank anhand eines Votivbildes von 1743 den ursprünglichen Zustand des Altares wieder herstellen. 1972, 1976, 1978 und 1992 wurde unter Pfarrer Schneider die statische Sicherung sowie die Innen- und Aussenrenovierung der Kirche durchgeführt.
Heute zeugen nur noch die vielen Votivtafeln von der früheren Wallfahrt zur Gottesmutter nach Frauenreuth. Ein paar Bittgänge haben sich aus früherer Zeit erhalten. 2007 konnte das 300-jährige Weihejubiläum gefeiert werden. Dass die Originalkupferplatte des Gutweinstiches von 1690 wieder der Kirche zugeführt werden konnte ist ein unverhofftes aber würdiges Jubiläumsgeschenk. Anlässlich des Jubiläums bedankten sich die Frauenreuther mit einer Votivtafel bei ihrer Gottesmutter. Die vorher letzte datiert von 1828. 
Weitere Informationen: „300 Jahre Kirche Frauenreuth“.
Erhältlich in der Kirche oder beim Glonner Pfarramt.
verfasst von Johann Obermair