St. Sebastian

Hochstift-Freising-Platz 19, 82205 Gilching, Telefon: 08105-8071, E-Mail: St-Sebastian.Gilching@ebmuc.de
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Pfarreipatron St. Sebastian

Der Patron unserer Pfarrei ist der heilige Sebastian.
Hierzu ein paar Gedanken vom Patrozinium 2009
Gemartert – überlebt – dennoch erschlagen
Weil er nicht den römischen Göttern opfern wollte wurde der kaiserliche Offizier Sebastian auf Anordnung Diokletians mit Pfeilen durchschossen.
Er erholte sich durch die Pflege einer christlichen Witwe, bekannte sich erneut zum christlichen Glauben und wurde daraufhin mit Keulen erschlagen.
„Aus Schaden wird man klug!“ – lautet ein Sprichwort. Den Glauben an Christus zu verkünden und ihn zu bezeugen war aus der Sicht Sebastians aber doch klüger, als sich falschen Göttern zuzuwenden.
Wie würde ich mich entscheiden, wenn es um Gott geht?

(rechts ein Bild von der Sebastiansfigur in unserer Pfarrkirche)
Das Leben des heiligen Sebastians

Hauptmann Sebastianus geboren in Mailand - gestorben 288 in Rom
Der Palasthauptmann Sebastian wandert auf das Armenviertel Roms zu. Die Menschen machen ihm ehrfürchtig Platz. Die Menschen wissen, Sebastian hat das ganze Vertrauen des Kaiser Diokletan. In vielen Schlachten hat er seinen Mut und seine Unerschrockenheit dem Kaiser bewiesen.
An einer Straßenecke überholt ihn einer junger Mann. Einen kurzen Moment laufen sie nebeneinander. "Der Bischof lässt dir sagen, du sollst vorsichtig sein und nicht zu einem Märtyrer werden. Du bist so für alle wichtiger!" Sebastian trägt hinter seinem Brustschild eine goldene Dose. Er ist auf dem Weg zum Gefängnis. Zwei Wachsoldaten lassen ihn passieren. Ein Hauptmann stellt sich ihm in den Weg. Der Kaiser hat allen das Betreten des Gefängnisses verboten
Sebastian lacht laut: "Das gilt doch wohl nicht für den Befehlshaber der Leibgarde. Ich kontrolliere eure Pflicht. Von den Gefangenen werde ich mir ein eigenes Bild machen. Wartet hier und lasst niemanden passieren."
So kommt Sebastian zu Gefangenen. Sie sind angsterfüllt und ermattet. Er holt die goldene Dose hervor: die Hostien. "Der Bischof lässt euch grüssen."
Sebastian hält als hoher Offizier zu den Christen. Warnt die Christen vor Verfolgung und Verhaftung. Er bringt sogar die heiligen Hostien in die Gefängnisse. Er steht zu seinem christlichen Glauben und wird zum Tod durch Erschießen verurteilt. Durch die Pfeile wird er schwer verletzt. Die Soldaten halten ihn für tot. Aber Freunde pflegen ihn im Hause einer Witwe bis er wieder gesund ist.
Sebastian tritt vor seinen Kaiser und macht ihm schwere Vorwürfe. Er prangert die schwere Christenverfolgung an.
Der aufgebrachte Kaiser lässt ihn festnehmen und in der Arena wird Sebastian, der christliche Offizier, im Jahre 288 mit Knüppeln zu Tode geprügelt.

Aus der Geschichte der Verehrung des Heiligen

In einem liturgischen Kalender aus dem Jahre 354 taucht der Name Sebastianus erstmals unter den Märtyrern auf. Aus derselben Zeit stammt ein Kommentar in den Psalmen des heiligen Ambrosius, in denen das Martyrium Sebastians als Vorbild dargestellt wird. Er sei in Rom den Märtyrertod gestorben und in den Katakomben vor den Toren der Stadt begraben worden.
Dies sind die historisch gesicherten Erkenntnisse über Sebastian.
Alles andere ist wohl Heiligenerzählung, oder eben Legende, die wir nicht bis in alle Einzelheiten auf ihren historischen Wahrheitsgehalt hin überprüfen können.
Dennoch: die Geschichte vom Leben, Leiden und Sterben des heiligen Sebastian hat einen wahren Kern und hat seine Verehrung durch die Jahrhunderte getragen.
Über den Katakomben entsteht im 5. Jahrhundert eine Grabkirche für die Apostel, die "ecclesia Apostolorum". Unter Papst Sixtus III. (432-440) wird in der Nähe ein Petrus, Paulus und Sebastian geweihtes Kloster gegründet.
Sebastian wird zu einem der drei Schutzpatrone Roms.
Die Verehrung Sebastians beschränkt sich schon bald nicht nur auf seinen Todesort, sondern lässt sich zur gleichen Zeit auch in Mailand nachweisen, wo er der Legende nach aufgewachsen ist.
In Ravenna gibt es außerdem ein aus dem 6.Jahrhundert stammendes Mosaik mit einer Darstellung des pfeildurchbohrten Sebastian. Seine "legendäre'' Immunität gegen die Pfeile führte auch dazu, daß Sebastian einer der bedeutendsten Schutzheiligen gegen die Pest wurde. Er sei auch gegen die Pfeile der Pest immun, war die zugrundeliegende Deutung.
Seine Verehrung verbreitete sich schnell über Italien hinaus.
Mehrere literarische Quellen schildern, wie die Sebastianusverehrung über die Alpen gekommen ist:
Im Jahre 826 hat danach Abt Hilduinus von St. Medard im französischen Soissons den Papst gebeten, einen Teil der Reliquien Sebastians nach dort zu überführen. Papst Gregor IV. (827-844) habe daraufhin den Sebastians Kopf in einen Schrein einfassen lassen und nach Soissons gegeben. Von hier aus verbreiten sich Sebastianuspatrozinien über die Diözese Köln kommend auch am Niederrhein. (...)
Im niederländischen Sprach- und Kulturraum hat Sebastian wie bei uns vornehmlich als Patron von Bruderschaften eine wesentliche Rolle gespielt. Dabei scheint hier neben der Rolle als Pestheiliger auch die Pfeil-Symbolik wichtig gewesen zu sein. Sebastian galt als Heiliger der Bogenschützen, die ihm selbst ja nach der Legende nichts hatten anhaben können. In Antwerpen, Leuven, Mechelen und einigen Städten Brabants ist diese Verbindung seit der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts nachweisbar.
Damit gewinnt die Sebastianus-Verehrung weiter Verbreitung und eine neue Facette.
Sebastian steht für mehrere Traditionen: für die Festigkeit im christlichen Glauben, den Schutz vor Pest und Krankheiten und die seit dem Mittelalter unter seinem Banner erfolgende Verteidigung von Stadt, Land und Glauben mit Pfeil und Bogen.

aus: 525 Jahre St. Sebastianus - Bruderschaft in Lobberich. Nettetal 1996
KatakombeSebastian1
St. Sebastian - Katakombe in Rom

60 Jahre St. Sebastian

Am 15. Dezember 1963 konsekrierte Weihbischof Dr. Johannes Neuhäusler die neue Gilchinger Pfarrkirche zu Ehren des hl. Sebastian. Dieser frühchristliche Märtyrer war auf Wunsch von Pfarrer Josef Hoch als Kirchenpatron gewählt worden, weil angeblich „schon 250 Jahre lang bis zum Ersten Weltkrieg“ in Gilching eine Sebastians-Bruderschaft bestanden hatte. Im Pfarrarchiv, das heute im Archiv des Erzbistums in München verwahrt ist, befindet sich ein schmaler Akt „Errichtung und Verwaltung der Sebastiani-Bruderschaft 1726 - 1738“. Demnach erfolgte deren oberhirtliche Genehmigung am 29. August 1727. Doch hatte dieser Bruderschaft schon ein Jahr zuvor Papst Benedikt XIII. einen „vollkommenen Ablass“ (Erlass zeitlicher Sündenstrafen) zum Fest des hl. Sebastian verliehen. Auch war bereits 1708 ein Bildhauer in Bruck für eine neue Sebastiansfigur entlohnt worden, da deren Vorgängerin im Spanischen Erbfolgekrieg „gänzlich verderbt“ worden war. Das deutet zumindest auf eine schon länger in Gilching währende Verehrung des hl. Sebastian hin. Sie könnte durch den Fürstenfelder Abt Sebastian Thoma (reg. 1610 - 1623) und/oder die besonders während des Dreißigjährigen Kriegs wütende Pest veranlasst worden sein. Als dann Pfarrer Michael Plöckhl (Blöckl) 1736 in die Pfarrei Unteralting wechselte, nahm er Dokumente der Gilchinger Bruderschaft samt einer Sebastiansreliquie mit. Die Gilchinger schalteten daraufhin den Freisinger Bischof ein, der schließlich unter Strafandrohung die Rückgabe verfügte. Ob diese auch erfolgte, ist nicht überliefert. Fest steht nur, dass in der Bistumsbeschreibung von 1740 für Gilching zwar die (vor 1665 errichtete) Armenseelen-Bruderschaft, nicht aber die Sebastians-Bruderschaft aufgeführt ist. Und in der Statistischen Beschreibung des Erzbistums 1880 heißt es bezüglich dieser Bruderschaft: „Sie erlosch jedoch wieder nach kurzem Bestande.“

Dr. Lothar Altmann