Diözesanrat der Katholiken

Demokratisch gewählte Vertretung des Kirchenvolkes.
Der Diözesanrat repräsentiert mehr als 125.000 ehrenamtlich in Katholikenräten, Verbänden und Initiativen aktive katholische Frauen und Männer.

Münchner Kirchenzeitung vom 23.06.2013

San Corbiniano

Zwei Tage nach der Fronleichnamsprozession in München machen sich gut 950 Kilometer entfernt erneut Menschen auf den Weg, um ihre christliche Überzeugung öffentlich zu machen und ihren Glauben in die Straßen zu bringen. Diesmal ist es jedoch nicht Christus selber, der in einem Schaugefäß getragen wird, sondern der Bistumspatron unserer Erzdiözese, zumindest ein sehr kleiner Teil von ihm.
Die Pfarrei San Corbiniano im römischen Stadtteil Infernetto feiert ihr dreitägiges Pfarrfest und erinnert dabei an die Weihe ihrer Kirche und an ihren Namenspatron.

Ein liturgischer Höhepunkt ist die feierliche Reliquienprozession am Samstagabend, bei der eine Figur und eben auch eine Reliquienmonstranz Korbinians mitgeführt werden. Etappen aus seinem Leben werden dadurch veranschaulicht, dass Menschen in Kostümen mitmarschieren, die charakteristisch sind für den Heiligen. Natürlich darf dabei auch der Bär nicht fehlen, der auf der zweiten Romreise des Freisinger Bischofs der Legende nach das Lastpferd der Reisegruppe gefressen hatte. Um das Gepäck nicht selber schleppen zu müssen, wurde der Bär damals kurzerhand zum Packesel umgeschult und trug brav die Last bis nach Rom. Was ist da heute naheliegender, als dass Männer in San Corbiano, die dort vielfältige Aufgaben übernehmen, sich Orsi nennen, Bären. Beim Korbiniansfest wurde allerdings deutlich, dass es darüber hinaus auch äußerst kompetente und fleißige Bärinnen und Jungbären gibt, die das Pfarreileben gemeinsam mit ihrem Pfarrer und den beiden Mitpriestern aktiv mitgestalten.

Drei Tage lang waren fünf Vertreter der Erzdiözese Teil dieser lebendigen Glaubensgemeinschaft rund um die Titelkirche von Kardinal Marx. Partnerschaft, ja Freundschaft, kann nicht von oben herab hergestellt werden. Deshalb sind die Besuche und Gegenbesuche von Menschen bei Menschen unverzichtbar. Mögen die politischen und wirtschaftlichen Probleme in den unterschiedlichen Staaten Europas momentan auch zu manchen Verwerfungen und Spannungen führen, so können derlei Begegnungen Brücken zueinander sein. Jugendaustausche, Pilgerfahrten, Sport- und Musikfeste, Partnerschaften von Schulen, Kommunen, Vereinen und eben von Diözesen bzw. Pfarreien dienen dem Frieden, der Verständigung und dem Abbau von Ressentiments und Vorurteilen. Das gilt es mit allen Mitteln zu fördern, gerade im vereinten Europa und für das vereinte Europa.

Die Gastfreundschaft, das gemeinsame Feiern und Beten in San Corbiniano haben gezeigt, dass der Glaube uns wesentlich stärker verbindet, als die Sprache und manche Mentalitätsunterschiede uns trennen.
Ob die Menschen nun aus Evry, Rom oder dem fernen Ecuador kommen, sie sollen spüren, dass auch wir es ernst meinen, wenn wir sie in unserer Erzdiözese herzlich Willkommen heißen als unsere Partner und Freunde.
Tremmel

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