St. Michael

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Die Innenausstattung

Man erwartet in den Barockkirchen flutende Räumlichkeit, reiche Stuck- und Farbenzier. In Reisach erleben wir eine Zucht und Klarheit dieser Epoche, wie sie den meisten unbekannt ist. Ein vollkommen geschlossener Raum öffnet sich uns, der sich gesammelt und in sich maßvoll vor uns aufschließt. Seltene Herbe in der Betonung des Architektonischen, kräftegeladene Spannung in der Deckenwölbung; deren Gurtbogen ohne architektonische Aufgabe. Verinnerlichende und harmonische Räumlichkeit zeichnet diese Kirche aus. Doch ist es keine Gedankenarmut und keine Nüchternheit, die uns hier entgegentritt, sondern gestaltete und geformte "mâzze", edle Zucht, von der die höfischen Sänger des Mittelalters sprachen. In die weitende Höhe schneiden hohe Rundbögen der Fenster über den vier Nebenaltären ein. Die gleiche Form besitzt die Bogenöffnung zum Chor und zur Orgelempore. Zu diesem gleichgearteten Rhythmus tritt die wohltuende Räumlichkeit der tief ausgehöhlten Wölbung am Ende der großen Tonne in Nord und Süd. Restlose Symmetrie, ruhige und klare Disposition, innere Verhaltenheit und Ausgeglichenheit der Kräfte sprechen uns immer wieder an. Die Altäre stehen in Nischen, umrahmt von Pilastern oder Säulen. Diese Gestaltung erinnert an frühen Klassizismus, an österreichische Prägung, sie ist nicht altbairisch und bringt einen nicht ganz gelösten Akzent in den Raum. Er ist für Gunetzrhainer charakteristisch. Auf das durchlaufende, konstruktiv wichtige Gebälk stellt Gunetzrhainer an den Fensterlaibungen Vasen, die mit feiner Berechnung in das Licht gerückt sind. Jetzt fällt uns auf, dass die Lichtquellen insgesamt sehr hoch liegen, dass alle Altäre in leichtem Dunkel stehen (der Chor ist nur indirekt belichtet!), dass die sich meisterhaft ins Licht emporwölbende Decke im Gegensatz besonders hell und hoch erscheint. Unter diesen Umständen ist der Verzicht auf Altargemälde in den vier Nebenaltären erklärbar: die Relief-Plastiken an den Altären erzielen bei dieser Lichtführung stärkere Kontraste, die Architektur und Kräftegeladenheit vertragen keine bürgerliche Malerei, der hoch emporsteigende Raum verdrängt sogar die gewohnten seitlichen Altarfiguren und ersetzt sie durch die jeden Nebenaltar begleitenden Säulen. Auf kantigem, hochgewähltem Unterbau stehen sie in der Höhe des Altaraufbaues, setzen sich in den Vasen fort - bis uns an der Decke ein sorgsam aufgetragenes Grauweiß entgegenleuchtet.