St. Michael

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Die Seitenaltäre und die Kanzel

Der linke Seitenaltar ist dem Schutzpatron der Kirche Christi, dem hl Josef, geweiht, den die hl. Theresia so intensiv liebte, dass ihre Verehrung für den Nährvater Jesu geradezu ein Charakteristikum des europäischen Barock wurde und die Kirche 1621 sein Fest als gebotenen Feiertag einführte. (Vgl. in Reisach die neun Josefs-Mittwoche vor dem 19. März seit 1786. Gründung der Josefs-Bruderschaft am 7. April 1893.)

Gegenüber der Schutzengelaltar. Auch dieses Altarbild ist eine Leistung. Zu diesen 3 Altären treten 4 Nebenaltäre, die in ihren Reliefarbeiten (6,88 x 3,39 m) echte Arbeiten J. B. Straubs sind, der z. B. auch in Schäftlarn diesen Verzicht auf das Altarbild vorzog. (Vgl. ähnliche Reliefarbeiten in Spanien).

Der rechte vordere Altar zeigt den zum Himmel auffahrenden Propheten Elija, "dux Carmelitarum", der mit seinen Schülern (bedeutendster: Elischa, rechts unten) in den Höhlen des Karmelgebirges (Palästina) eine Art Einsiedlerleben führte (2 Kg. 2). Um 1200 erbaute der hl. Brokard das erste reguläre Karmelitenkloster an der Elijaquelle und führte die wohl nie unterbrochene Tradition des hl. Elija und Elischa weiter. –

Der gegenüberliegende Altar, wohl der beste, schildert den wichtigen Augenblick, da Maria in einer Vision dem hL Simon Stock (+ 1265) das braune Skapulier mit großen Gnadenverheißungen übergibt. Den heiligen Personen verlieh Joh. Bapt. Straub ungemein edle Züge. Auf dem Altartisch ein sog. Prager Jesuskindlein, dessen weitverbreitete Verehrung von den Karmeliten in Prag ausging.

Der rückwärtige linke Altar schildert den Tod des hl. Albert von Sizilien (+ um 1300), eines großen Heiligen des Karmelitenordens. Engel stimmten bei seinem Leichenbegängnis die Bekennermesse (Os justi) zum Zeichen seiner Heiligkeit an. Auf dem Altartisch eine gute Sebastiansfigur.

Der letzte Altar gegenüber, besonders in der Stufenanlage ähnlich aufgebaut, war ehedem dem hl. Karmelitenbruder Avertan geweiht, jetzt der hl. Anna. Auch sie besitzt ein selten zartes und vergeistigtes Antlitz (1757). Der Kopf des hl. Joachim ist echt Straubsche Prägung. Links tritt, weit über ein Flachrelief hinausgehend, eine Frauenfigur mit der Wiege der hl. Maria hervor, ein Motiv, das der Hochaltar in Rottenbuch (vgl. Führer Nr. 8) vollplastisch zeigt. Auf dem Altartisch eine Statue, Christus an der Geißelsäule.

An die Stelle der vorderen Seitenaltäre treten rückwärts zwei ausdrucks- und stimmungsstarke Figuren: St. Cajetan und Anton von Padua, gestiftet von einem Sohn der Frau Kern-Messerer, der Anton hieß, sein Sohn Cajetan. (Die Figur des hl. Cajetan von J. B. Straub ist eine seltene Darstellung dieses Heiligen.)

Ein vornehmes Stück bildet die Kanzel, 1747. Bewusst tritt sie in der Mitte der Längsseite der Kirche hervor. Am Schalldeckel die Zehn Gebote Gottes. Den Hinweis auf das Alte Testament überragt die Krone Christi (N.T), wie in der Offenbarung von den Symbolen der vier Evangelisten getragen. Der Meister der Kanzel ist unbekannt. Das andachtsweckende Kreuz gegenüber von J. B. Straub.

Über der Eingangshalle, die die beiden Turmanlagen flankieren, ist die schön gestaltete Empore mit gutem Orgelwerk (11/24) von Georg Jann, Allkofen, 1981.