Maria Himmelfahrt, Allach - Sankt Martin, Untermenzing

  

Wort zum Sonntag in Corona-Zeiten


Dritter Sonntag im Jahreskreis, den 24. Januar 2021 Evangelium: Mk 1, 14–20

„Kommt her, mir nach!“ - Jesus trifft die vier Fischer mit seinem Ruf mitten ins Herz. Sofort lassen sie alles liegen und stehen, ändern ihr Leben radikal und folgen Jesus nach. Und auch nach Jesu Tod gab es durch die Jahrhunderte hindurch Männer und Frauen, die alles aufgegeben haben, um dem Ruf Jesu zu folgen. Der Heiligenkalender ist voll davon.

Doch warum haben sie sich alle darauf eingelassen?

Im Markusevangelium steht direkt vor der Berufung der ersten Jünger, dass Jesus nach Galiläa gegangen ist und verkündet hat: „Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um und glaubt an das Evangelium!“ Gut möglich, dass die vier Fischer das gehört haben und dass in ihnen dadurch die Sehnsucht nach der heilenden Nähe Gottes geweckt wurde. Die Einladung Jesu, ihm zu folgen, bietet ihnen nun die Möglichkeit direkt zu erleben, wie die Nähe Gottes, seine Liebe zu den Menschen aussieht.

Jesu Versprechen, dass das Reich Gotts nahe ist, ist an alle gerichtet. Jeder und jede soll Gottes Liebe erfahren und Gottes Nähe spüren. Denn die Nähe Gottes verändert jeden Menschen, der sich auf sie einlässt. Gottes Liebe zeigt, was wirklich wichtig ist und wie erfülltes Leben gelingen kann. Die Jünger Jesu lassen sich darauf ein, erleben selbst, wie die Liebe Gottes sie verändert und tragen die Botschaft Jesu nach seinem Tod in alle Welt.

Und wer wird heute von Jesus angesprochen und eingeladen, mit ihm zu gehen, um die heilende Nähe Gottes kennen zu lernen?

Jeder und jede von uns! Sie auch! Und das spüren Sie oder wissen es sogar. Sonst würden Sie wahrscheinlich gar nicht Texte wie diesen lesen, Sie nehmen sich ja jetzt die Zeit dafür. Vielleicht gehen Sie auch, so wie ich, am Sonntag in einen Gottesdienst, weil das ein besonderer Ort der Gottesbegegnung ist.

Doch unter der Woche, sind die Tage meistens gut gefüllt mit Beruf, Haushalt und so weiter. Im Alltag fällt es mir oft schwer, die Einladung Jesu zu hören. Aber sobald es mir gelingt, inne zu halten, sei es für einige Augenblicke mittendrin im Tagesablauf oder bewusst am Abend, dann kann ich Gottes Spuren auch im Alltag entdecken. Dann kann ich sehen, was Gott mir zeigen will.

Zum Beispiel wenn ich nach einem Gespräch die Freude darüber spüre, wie gut und bereichernd es war. Dann merke ich: Gott war dabei. Oder wenn ich hinaus vors Haus gehe, die frische Luft einatme und die Natur wahrnehmen kann. Dann kommt es vor, dass ich dankbar werde für diese Erfahrung, dankbar, dass es diese Natur gibt. Und die Dankbarkeit verbindet mich dann mit Gott, dem Schöpfer der Natur.

Jeder und jede von uns macht seine eigenen Erfahrungen. Denn Gott hat uns viele solcher Spuren gelegt. Er zeigt sich auf verschiedene Weisen in unserem Leben, oft ganz unscheinbar in kleinen Dingen. Je mehr ich Gottes Spuren entdecke und je mehr ich mich davon inspirieren und mitnehmen lasse, desto mehr wird es mich verändern. Es wird mich verändern, weil ich mich von Gottes Liebe berühren lasse.

Wer sich auf Gottes Nähe einlässt, wird mit der Zeit entdecken, wie man mit den jeweils eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten Gottes Liebe weitergeben kann, so wie es eben gerade geht. Vieles, vermutlich das Meiste wird im Kleinen geschehen. Im Umgang mit den Nachbarn, den Kollegen, den Menschen, denen man begegnet. Oder bei anderen alltäglichen Handlungen, z.B. wenn man die Einkaufsgewohnheiten überdenkt. Alles, was wir aus der Liebe heraus machen, und sei es noch so unscheinbar, wird seine Wirkung haben.

Und so ruft Jesus auch heute jeder und jedem zu: „Kommt her, mir nach!“

Ihr Wolfgang Krauß, Diakonatsbewerber in Ausbildung
Krauss, Wolfgang, Diakonatsbewerber in Ausbildung