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Maria Himmelfahrt, Allach - Sankt Martin, Untermenzing

  

Wort zum Sonntag in Corona-Zeiten


Dreifaltigkeitssonntag, den 7. Juni 2020 Joh 3, 16–18

dreifaltig
Dreifaltig
sollen wir uns unseren Gott vorstellen. Der eine Gott offenbart sein Wesen in drei Personen: Vater, Sohn und Heiliger Geist.

Kaum eine andere Glaubensaussage hat so sehr den Ruf „hochtheologisch“ zu sein. Tatsächlich wurde um diese Formulierung das ganze vierte Jahrhundert gerungen und gestritten. Die erste große Kirchenspaltung brach an der Frage auf, wie sich die biblische Überlieferung von Vater, Sohn und heiligem Geist in ein sinnvolles theologisches System übersetzen lässt. Dabei hat diese Botschaft einen ganz einfachen Kern:

Gott ist die Liebe

Lieben kann man nicht allein. Den Gott, der die Liebe ist, kann man sich nicht vorstellen als einsam und allein im Himmel thronend. Er ist von seinem Wesen her Gemeinschaft. Gott ist einer, aber er ist das Gegenteil von einsam.

Und deshalb will er, dass auch wir in Gemeinschaft kommen: Mit ihm und untereinander. Gott will, dass unser Leben „göttliche“ Züge annimmt. Christlicher Glaube ist deshalb mehr als religiöse Selbstversenkung. Unser Glaube treibt uns zur Gemeinschaft. Er will in der „Liebe wirksam“ werden, wie es der Apostel Paulus ausdrückt.

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Woche mit möglichst vielen „göttlichen“ Momenten.

Ihr Pfarrer Martin Joseph


Pfingsten, den 31. Mai 2020 Apg 2, 1–11; Joh 20, 19–23


heiliggeist loch
Heiliggeistloch mit schwebender Taube in Söll, Tirol (Foto: Wikipedia)
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Weihnachten erkennen wir
·      am Jesuskind in der Krippe und
·      dem Christbaum,
Ostern
·      an der Osterkerze und
·      der Statue des Auferstandenen,
aber woran erkennen wir Pfingsten?

In manchen Kirchen werden an diesem Festtag durch ein sog. Himmels-, Pfingst- oder Heiliggeist­loch in der Decke hölzerne oder blecherne Tauben langsam herabgelassen, was den auf uns Gläubige herabkommenden Geist Gottes darstellt.

Im 2. Teil seiner biographischen Erzählungen „Drei Birken: Der Lange Weg nach Haus“ berichtet Harry Gampe, wie auch er nach dem Krieg als Ministrant durch eine solche Öffnung in der Kirchendecke den Heiligen Geist in Form einer schweren Blechtaube herablassen sollte. Er hatte das zuvor schon ein paar­mal erfolgreich gemacht, als das Unerwartete, der absolute Alptraum eines Altardieners eintrat: die sicht- und - noch schlimmer - hörbare Panne! Das Seil verhakte sich unvermittelt und als Harry ver­suchte, es durch einen leichten Ruck wieder zu lösen, löste sich statt der Schnur an deren Ende der „Heilige Geist“, der daraufhin auf die Gläubigen im wahrsten Sinne des Wortes „herabfiel“ und scheppernd auf dem Stein­boden des Mittelgangs verbeult reglos liegen blieb. Ein Auf­schrei fuhr durch die verschreckte, dem heiligen Schauspiel andächtig beiwohnende Gemeinde, bevor statt einer heiligen, sich eine unheimliche Stille und brennende Schamesröte im Gesicht von Harry langsam ausbreiteten. Zum Glück war niemand verletzt worden und so konnte die Messe nach Ber­gung des symbolischen Unfallopfers ohne weitere Störung fortge­setzt werden. Wohl als Wirkung des Geistes der Liebe und Verbundenheit gab es später weder Ärger mit dem katho­lischen Pfarrer noch mit dem kommunistischen Vater. Im Gegenteil: Hier waren sich Don Camillo und Peppone augen­zwinkernd völlig einig: das hatte es gebraucht, wenn wohl auch aus vollkommen gegensätzlichen Erwägungen heraus.

So erhebend diese Geste des sichtbar herabkommenden Gottesgeistes durch eine Öffnung in der Kirchendecke auch sein mag – von der gerade erwähnten Ausnahme einmal abgesehen –, es geht auch anders: Der Geist Gottes muss nicht unbedingt nur auf diese Weise an Pfingsten vergegenwärtigt werden. Denn es gibt noch ein viel größeres und besseres Zeichen für den Heiligen Geist und das sind Sie, liebe Brüder und Schwestern: Sie, die Gemeinschaft der Gläubigen!

Wie in der Physik aus Energie Materie entsteht, sich in der Chemie aus Atomen Moleküle bilden und in der Biologie aus Molekülen Lebewesen entwickeln, so ist das Wort Fleisch und der Heilige Geist Kirche geworden, was wir Pfingsten feiern. So kann eine Pfingstpredigt auch mit den Worten beginnen: Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, liebe Gemeinde!

Jetzt fragen sich vielleicht einige: Wieso soll die Gemeinde ein sichtbares Zeichen für den Heiligen Geist ausgerechnet nur an Pfingsten sein? Die Gemeinde ist – anders als Krippe und Christ­baum, Osterkerze und Auferstandenenstatue – das ganze Jahr über anwesend. Wie kann sie da besonderes Kennzeichen für Pfingsten sein?

Darauf wäre zu antworten: Die Liebe der Eltern zu ihrem Kind ist auch ganzjährig gegenwärtig, wenn sie es zur Schule bringen, ihm bei den Hausaufgaben helfen oder etwas zu essen machen, ja sogar im Streit, aber es gibt ein besonderes Datum im Jahr, wo die elterliche Liebe ganz explizit zum Ausdruck gebracht wird: der Geburtstag. Da wird dem Kind ausdrücklich gezeigt, wie sehr es das ganze Jahr über geliebt wird.

Entsprechend verhält es sich mit Pfingsten: Zwar feiert die Gemeinde an jedem Sonntag im Laufe des Kirchenjahres mit dem Priester die Messe und ist dabei erfüllt vom Heiligen Geist, aber nur an Pfingsten feiern wir den Geburtstag der Kirche, unseren Geburtstag als einzelne Christ*innen und als Gemeinschaft der Gläubigen. Nur Pfingsten machen wir uns bewusst, wem wir unser Christ-Sein zu verdanken haben: dem Heiligen Geist und dass wir Gottes geliebte Kinder sind als einzelne und als seine kleine Gemeinde in Allach/Untermenzing wie auch als Teil der großen Weltkirche.

Und wie bei jedem Geburtstag gibt es auch Geschenke. Berthold Brecht hatte nicht Recht, als er in Ein Kinderbuch dichtete: „Pfingsten / sind die Geschenke am geringsten / während Ostern, Geburtstag und Weihnachten / was einbrachten“. Denn an Pfingsten bekommen wir die Gaben des Heiligen Geistes, wovon in Lesung und Evangelium die Rede ist. In der Lesung können die Gläubigen plötzlich in fremden Sprachen reden und im Evangelium bekommen die Jünger die Gabe der Sündenvergebung.

Wenn wir Sündenvergebung hören, denken wir an Beichtstuhl, Priester und Lossprechung. Aber diese Form der Sündenvergebung ist im Evangelium nicht gemeint. Die Vergebung der Sünden, an die dort gedacht ist, kann jedes einzelne Mitglied der „königlichen Priesterschaft“, der Gemeinschaft der Gläubigen gewähren oder auch verweigern: Wem ihr sie versagt, dem ist sie versagt, die Sündenvergebung.

Damit ist folgendes gemeint: Der Glaube ist uns nicht angeboren. Das nennt die Theologie Erbsünde. Wir werden in den Zustand der Abwesenheit Gottes hineingeboren. Denn die Liebe Gottes ist an der Welt nicht ablesbar. Wir können davon nur durch die Weitergaben des Glaubens erfahren, wenn uns also andere, Mutter und Vater, Oma und Opa, Lehrer*innen und Kommunioneltern bzw. Firmgruppenleiter*innen, Priester davon erzählen, dass wir von Gott geliebt sind. Das zu verstehen, ist kinderleicht. Denn schon ein kleines Kind kann annehmen, dass es von Gott geliebt ist, wenn wir ihm von Gott erzählen.
Die Vergebungskompetenz, die uns heute geschenkt wird, besteht also darin, dass wir Menschen zum Glauben an Gott führen. Dazu sind wir alle einzeln und in der Gemeinschaft von Jesus direkt beauftragt worden. In diesen Auftrag gehen wir auf. Denn wir verkündigen nicht nur das Wort Gottes, sondern stellen es gleichzeitig sichtbar in der Welt dar, wie die Heilige Kommunion Christus sichtbar macht, so machen wir die Liebe Gottes zu uns Menschen sichtbar. Das ist ein faszinierender und großer Auftrag, aber als Mitglieder der christlich-königlichen Priesterschaft haben wir nun einmal diese ehrenwerte Aufgabe, Menschen zum Glauben zu führen. Amen.

Ihr Diakon Norbert Uhlenbruck

Der 7. Sonntag der Osterzeit, 24. Mai 2020 APG 1, 12-14

In Gebet mit den Frauen

Einmütig im Gebet, zusammen mit den Frauen und mit Maria, der Mutter Jesu …

... so erzählt es die Lesung aus der Apostelgeschichte, die an diesem Sonntag trifft. Die neun Tage zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten, die Pfingstnovene, gelten als besondere Zeit des Gebets. Maria mit den Jüngern bietet die Vorlage dafür.

Der Evangelist Lukas, der uns diese Szene erzählt, wird häufig als Maler dargestellt: mit Staffelei und Pinsel in der Hand, während Maria mit dem Jesuskind ihm Modell sitzt. Eine mittelalterliche Legende erzählt, er sei ein Maler gewesen, und trifft damit in genialer Weise die Art, in der Lukas sein Evangelium schreibt. Lukas malt Sprachbilder. Wie Ikonen stellt es seine wichtigsten theologischen Themen vor. Maria mit den Jüngern in einmütiger Gebetsgemeinschaft – das ist sein Bild für die Kirche.

Vielen Menschen heute ist das Beten in Gemeinschaft eher fremd geworden. Beten ist etwas ganz Intimes, Persönliches und da ist es eher peinlich, wenn ein anderer zuhört oder zuschaut. In unserer Gesellschaft ist es inzwischen einfacher, öffentlich über sein Sexualleben zu reden als über sein Gebetsleben. Aber da verlieren wir etwas Wesentliches. Jesus empfiehlt uns auch das private, intime Gebet (Wenn du betest, geh in deine Kammer und schließ die Tür zu... Mt 6,6). Aber von ihm stammt auch das Wort „Wo zwei in meinem Namen beisammen sind, da bin ich mitten unter ihnen“ Mt 18,20. „Zwei oder drei“, das ist mindestens einer mehr als ich allein. Im gemeinschaftlichen Gebet ist uns eine Gegenwart Jesu verheißen, die ich für mich alleine nicht erleben kann. Das private, intime Gebet und das Beten in Gemeinschaft – für mich sind das wie der rechte und der linke Fuß, auf den der christliche Glaube steht. Freilich kann der Glaube eine Weile „auf einem Bein“ stehen, und in der Coronakrise blieb uns ja die letzten Monate gar nichts anderes übrig. Wie bei seinen Füßen wird auch jeder seine individuellen Vorlieben haben (Sprungbein, Spielbein, Standbein). Aber wenn auf Dauer eine der beiden Gebetsformen fehlt, dann drohen spirituelle Haltungsschäden.

Die Jünger „einmütig im Gebet, zusammen mit den Frauen und mit Maria, der Mutter Jesu“. Der Evangelist Lukas malt uns diesen Sonntag dieses Bild als Weg, wie unser Glaube gelingen kann. Als Pfarrer kann ich mich dieser Einladung nur anschließen. 

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Woche.

Ihr Pfarrer Martin Joseph

Der 6. Sonntag in die Osterzeit, der 17. Mai 2020 Joh 14, 15-21

Taufe Ikon
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

„Ungläubiges Staunen - Über das Christentum“, so lauten Titel und Untertitel eines Buches[1], das mir ein priesterlicher Freund empfohlen hat. Die Titel drücken die Erfahrung aus, die der muslimische Autor Navid Kermani machte, als er sich in die Bilderwelt des Christentums vertiefte. Zwar kein ungläubiges, dafür aber ein gläubiges Staunen befiehl mich, als ich in die heutige 1. Lesung eintauchte und dort folgenden Bericht aus der wilden, wirren Zeit der Ur-Kirche vorfand: „Samárien hatte das Wort Gottes angenommen“, aber der Heilige Geist war noch nicht auf sie herabgekommen; „sie waren nur getauft“ (Apg 8, 14–17). Ja, wie geht das denn? Das fragte ich mich. Ist das nicht völlig unmöglich!? Als Kind habe ich gelernt, dass der Heilige Geist mit der Taufe auf uns herabkommt (Apg 2, 38), so wie bei Jesus als er sich von Johannes im Jordan hat taufen lassen (Mk 1,9-11; Mt 3,16-17; Lk 3,21-22) und wie es auf Bildern[2] über die Taufe Jesu dargestellt ist: als vom Himmel herab kommende Taube. Bereits vorab ein wenig sensibilisiert für die Frage, wann wir den Heiligen Geist erhalten, war ich, weil ich noch die Geschichte über die „Taufe des Kornelius“ (Apg 10, 1-48) in reger Erinnerung hatte. Darin heißt es zum Schluss, dass dem heidnischen Hauptmann die Taufe deswegen nicht verweigert werden dürfe, weil er bereits den Heiligen Geist habe, weshalb Petrus persönlich die nachträgliche Spendung des Sakraments anordnete (Apg 10, 47+48). Hier haben wir also den biblischen Fall, dass jemand bereits vom Heiligen Geist erfüllt ist, ohne getauft zu sein. „Der Wind [=Heilige Geist] weht [einfach], wo [und offenbar auch wann] er will“ (Joh 3,8), dieser Vers aus den Evangelien bedeutet er etwa auch, dass wir den Heiligen Geist vor (wie bei Kornelius), während (wie bei Jesus) bzw. nach (wie in Samárien) der Taufe empfangen können?

Um diese Frage beantworten zu können, ist es hilfreich, sich vor Augen zu führen, dass im Neuen Testament zwischen Empfang und Erfüllt-Sein vom Heiligen Geist unterschieden wird. Entsprechend spricht Johannes der Täufer von einer Feuer- und einer Wasser-Taufe (Mt 3,11, siehe zu hierzu exemplarisch unbedingt auch Apg 19,2).

Erfüllt vom Heiligen Geist bin ich, wenn ich vor allem öffentlich entsprechend dem Gesetz Gottes, sprich dem Doppelgebot der Liebe lebe (Mk 12,28-34), was – zumindest privat und persönlich – grundsätzlich aber auch den Heiden möglich ist. Denn nach Ansicht des Apostels Paulus können diese erkennen, was Gottes Rechtsordnung vorsieht (Röm 1, 32) und ihr Leben entsprechend danach ausrichten (Röm 2, 12-16). Konkretes Beispiel hierfür war der römische Hauptmann Kornelius, wodurch es ihm möglich wurde, faktisch und öffentlich vom Heiligen Geist bereits erfüllt gewesen zu sein, als er denselben Geist nachträglich noch zusätzlich formell und offiziell durch die Taufe empfing, um so in die Gemeinschaft der Gläubigen, der königlichen Priesterschaft (1 Petr 2,9) aufgenommen zu werden.[3]

Genau umgekehrt wie bei Kornelius verhielt es sich bei den Menschen in Samárien. Sie hatten zunächst das Wort Gottes angenommen und die Taufe empfangen, sich aber noch nicht öffentlich zu ihrem Glauben bekannt, waren mit anderen Worten noch nicht erfüllt vom Heiligen Geist. Das ist in der 1. Lesung gemeint, wenn dort steht, der Heilige Geist sei – so wörtlich übersetzt – noch nicht auf sie „herabgefallen“ war. Zum freimütigen, offenen Bekenntnis kommt es erst, nachdem ihnen die beiden Apostel Petrus und Johannes, die dazu eigens aus Jerusalem angereist waren, die Hände auflegt hatten. Durch diese offizielle Bestätigung ihrer Taufe, durch diese Firmung sozusagen, erhalten sie zusätzlich noch die Vollmacht und den Auftrag, „gleichsam amtlich [quasi ex officio] den Glauben an Christus öffentlich [publice] zu bekennen“ (Thomas v. Aquin). Diese Reihenfolge – erst Taufe durch einen Priester oder wie hier in der Lesung durch den Diakon Philippus und später Firmung seitens des Bischofs bzw. wie hier in der Lesung seitens der beiden Apostel – erinnert sehr stark an die heutige sakramentale Initiationspraxis in unserer Kirche. Sie findet in der heutigen Lesung ihre biblische Begründung.

Schließlich gibt es noch den dritten Fall, den wir halb scherzhaft die „übliche Ausnahme“ nennen könnten, in der das Erfülltsein mit dem Empfang des Heiligen Geistes zusammenfällt, so wie bei der Taufe des etwa 30-jährigen Jesus. Denn so wie es sich damals bei IHM verhielt, ist es bis in unsere Tage (meist) bei der Taufe von Erwachsenen geblieben, die grundsätzlich zusammen mit der Firmung erfolgt, wobei dies dann in der Regel durch den Priester im Auftrag des Bischofs erfolgt und nicht durch Letzteren persönlich, so wie auch Johannes der Täufer kein Apostel war, so dass letztlich auch die sakramentale Spendespraxis bei der heutigen „Erwachsenentaufe“ ebenfalls eine neutestamentliche Grundlage hat.

Am Ende bleibt festzustellen, dass die Antwort auf obige Frage, wann wir vom Heiligen Geist erfüllt werden, ob vor, bei oder nach der Taufe, die ist: Alle drei Möglichkeiten bestehen! Aber gleichgültig, welche davon auf den konkreten Einzelfall zutrifft, jedes Mal ereignet sich genau das, was JESU im heutigen Evangelium (Joh 14, 15–21) seinen Jüngern zugesagt hat, nämlich das Kommen des „Beistandes“, den der Vater auf SEINEN ausdrücklichen Wunsch hin senden wird. Und das ist doch letztlich das Entscheidende, dass wir erfüllt sind vom Heiligen Geist, egal ab wann. Darüber dürfen wir uns immer wieder neu (er-) freuen!

Ihr Diakon Norbert Uhlenbruck

         
[1] Der Bestseller hat viel anerkennende Kritik und eine gute Bewertung mit 4,5 Sterne bei Amazon erhalten. Es ist mittlerweile in 13. Auflage im renommierten Verlag C.H. Beck erschienen. Navid Kermani lebt als freier Schriftsteller in Köln. Für seine Romane, Essays und Reportagen erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, u. a. den Kleist-Preis, den Joseph-Breitbach-Preis sowie den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.

[2] Hier anbei auf der Miniatur aus dem Hitda-Evangeliar, um 1020. Das Bild ist gemeinfrei.

[3] Menschen wie Kornelius gibt es bis in unsere Zeit. Karl Rahner, der berühmte Konzils-Theologe aus dem 20. Jahrhundert hat für diese Menschen den – etwas sperrigen – Begriff „anonyme Christen“ geprägt. Er verstand darunter Menschen, die der Kirche fernstehen, etwa weil sie einer anderen Religion angehören, ausgetreten oder Atheisten sind; Menschen, die formell keine Taufe empfangen haben oder sie ablehnen, sich aber faktisch überaus christlich verhalten. Berühmte Beispiele aus der modernen Zeit wären etwa Mahatma Gandhi, ein Hindu, Khan Abdul Ghaffar Khan als Muslim, Rosa Luxemburg, Kommunistin, der Dalia Lama als buddhistisches Oberhaupt oder der Israeli Schimon Peres, um nur einige zu nennen. Umgekehrt gibt es auch die „Taufschein-Christen“, also die Menschen, die zwar die Taufe erhalten haben und dadurch Mitglied der Kirche wurden, die sich aber überhaupt nicht christlich verhalten. Prominentestes Beispiel ist hier wohl Adolf Hitler, der katholisch war, aber sich absolut anti-christlich verhalten hat. Das Erfülltsein vom Heiligen Geist, so es sich überhaupt je eingestellt hat, kann auch wieder erlahmen, indem der Geist Gottes in uns „betrübt“ (Eph 4,30), „gedämpft“ bis völlig „ausgelöscht“ (1 Thess, 5, 19) wird. Jeder Tag will erst noch wieder christlich werden. Wir sind nicht lebendige Christ*innen ein für alle Mal. Christsein will gepflegt sein, wie eine Pflanze, sonst geht es ein.

Der 5. Sonntag in der Osterzeit, den 10. Mai 2020 Joh 14, 1-12

pilatus
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

„Was ist Wahrheit?“ So fragt Pilatus (Joh 18, 38) und Jesus antwortet im heutigen Evangelium: „Ich bin die Wahrheit“ (Joh 14, 6). Diese Wahrheit hat der römische Statthalter jedoch nicht erkannt, obwohl sie direkt vor ihm stand. Sehr dumm, könnte man/frau meinen, auf jeden Fall sehr tragisch! Aber sogar die beiden Apostel Thomas und Philippus erkennen nicht, wer Jesus ist, obwohl sie mit ihm so lange zusammen durch die Lande gezogen sind. Was alle - Pilatus, Thomas und Philippus - sehen, ist der Mensch Jesus von Nazareth mit Leib und Seele, seine Person, seine Werke und was mit ihm getan wurde. Sowohl die beiden Apostel als auch der Statthalter verstehen jedoch nicht, dass ER zugleich das WORT ist, welches zusammen mit seinem Vater die Welt erschaffen hat und nun in diese, seine Welt gekommen ist, um Kunde zu bringen (vgl. Johannes-Prolog, Joh 1, 1-18) bzw. Zeugnis abzulegen für die Wahrheit (vgl. Joh 18, 37), dass Gott Vater und Sohn ist und die Welt in dessen gegenseitige Liebe, dem Heiligen Geist, geschaffen ist. Thomas, Philippus und Pilatus sehen und hören zwar das Wort, begreifen aber dessen tieferen Sinn nicht, dass dieses Wort nämlich DIE erste und letzte Wahrheit schlechthin ist, sprich GOTT und damit die LIEBE.

Jesus war sichtbar Mensch und unsichtbar Gott. Er war beides zugleich in vollkommender Weise: Wahrer Mensch und wahrer Gott, wie das Konzil von Chalkedon es formuliert und festgestellt hat. Diese Erkenntnis durchzieht das gesamte Johannes-Evangelium wie ein roter Faden, der untrenn­bar mit Jesus Christus verknüpft wird: ER ist das Wort und die Wahrheit, das Leben und die Liebe.

Heutzutage haben wir es nicht mehr so mit DER objektiven, unumstößlichen Wahrheit. Wir können nicht mehr so naiv an sie glauben. Zuviel Missbrauch wurde mit ihr getrieben und durch den rasanten Wissenszuwachs, den wir seit der Aufklärung erleben durften, sind viele scheinbar unumstößliche Wahrheiten widerlegt und durch neue Erkenntnisse ersetzt worden. Dabei geht es keineswegs nur um die (scheinbaren Glaubens-) Wahrheiten, wie sie in der Religion vertreten wurden, dass zum Beispiel die Welt in sechs Tagen erschaffen wurde. Es geht auch um unsere alltäglichen Erfahrungs-Wahrheiten, dass zum Beispiel die Sonne sich um die Erde dreht, was sich ebenfalls als falsch erwiesen hat (Galileo) und wir uns nicht im Mittelpunkt befinden (Kopernikus). Doch damit nicht genug: Wir sind auch nicht mehr die stolzen, von der Vernunft gesteuerten, edlen Wesen, sondern stammen vom Affen ab (Darwin) und sind triebgesteuert (Freud). Alles ist ins Wanken geraten. Selbst die Zeit hört auf zu vergehen, wie wir sie täglich erleben, und zwar wenn wir mit Lichtgeschwindigkeit fliegen (Einstein).

Trotz all dieser ernüchternden, modernen Erkenntnisse verkündet die Kirche, indem sie das Evangelium vom 5. Ostersonntag lesen lässt, weiter unerschütterlich, dass Jesus nach wie vor DIE eine Wahrheit ist, die in die Welt kam. Denn ER ist nicht nur in diese Welt gekommen, er ist auch wirksam und sichtbar in dieser Welt geblieben. Mit den Worten Papst Leo des Großen ausgedrückt: „Was an Christus sichtbar war, ist übergegangen in die Sakramente“.

Anders als Pilatus, Thomas und Philippus begegnet uns Gott heute zwar nicht mehr als die Person Jesus, wohl aber in seiner Kirche, dem Volk Gottes, seinem Wort und seinem Sakrament. Wir stehen damit im Grund vor demselben Problem wie der römische Statthalter und die beiden Apostel, nämlich vor der Frage: Erkennen wir die Liebe Gottes zu uns und in der Welt, sehen wir den unsichtbaren Gott? Oder sehen wir in seiner Kirche „nur“ die sichtbare Organisation, das Erzbischöfliche Ordinariat und die Caritas, in seinen Sakramenten (die familiären Events) Erstkommunion bzw. Firmung und in seinem Wort bloß das Wort zum Sonntag? Dann haben wir IHN (noch) nicht (ganz) erkannt. Sehen wir aber durch seine Kirche, dem Volk Gottes, seinem Evangelium und seinen Sakramenten, dass ER mit seiner Liebe unter uns ist, dann haben wir IHN erkannt, wie er ist und wie ER es sich für uns gewünscht hat. Dann leben wir aus dem Geist der Wahrheit, dem Heiligen Geist (Joh 14,17; 1 Joh 5,7), der die Werke Christi fortsetzt (Joh 16,13) und in der Gemeinschaft der Gläubigen weiter wirkt und sie dazu motiviert, gegenüber der Welt unerschrocken Zeugnis für Jesus abzulegen (Joh 15,26-27), wie Jesus es seinerzeit getan hat für seinen Vater und ihre gemeinsame Liebe zu uns Menschen und allen Geschöpfen.

Ihr Diakon Norbert Uhlenbruck

Der 4. Sonntag in der Osterzeit, den 3. Mai 2020 Joh 10, 1–10

offene tuer

Offene Türen…

wünschen wir uns alle. Dass es endlich wieder aufgehen kann und die Zeit der Coronaschließungen zu Ende geht.

Wir waren es in den letzten Jahren so anders gewohnt. Offene Grenzen, offene Grünanlagen, offener Zugang zu Bildung, ärztlicher Versorgung und gesellschaftlichem Leben – das ist die Norm in unserer freiheitlichen Gesellschaft. Und wo diese Offenheit nicht eingehalten wird, ist es für uns zunächst einmal ein Skandal. Nun erleben wir plötzlich Schließungen und dass der freie Zugang verwehrt ist.

Früheren Zeiten war das durchaus geläufiger. Parks waren für die Könige. Sklaverei und Leibeigenschaft haben Jahrtausende geprägt. Noch heute können Menschen in vielen Teilen unserer Welt nur von der Freiheit träumen, die uns so geläufig ist.

Aber wenn die Türen offen sind, heißt das noch lange nicht, dass sie auch durchschritten werden. Wir kennen wohl alle das innere Gefühl blockiert zu sein. Ein wichtiges Gespräch sollte schon lange geführt sein, ein Anfang schon lange gemacht; einen Menschen wollten wir schon lange ansprechen – aber es ist immer noch nicht passiert. Die Angst, etwas Falsches zu sagen, die Scheu, aus sich herauszugehen oder einfach die ganz normale menschliche Trägheit schließen uns ein und sind dabei noch effektiver als jeder Coronavirus. Es ist wichtig, die Grenzen zu respektieren, die unseres Gegenübers und die eigenen. Aber oft ist es nicht der Respekt, sondern es sind Angst und Trägheit, die uns auf Distanz halten.

„Ich bin die Tür“, sagt Jesus im Evangelium dieses Sonntags. Es ist wohl das unbekannteste der sieben „Ich bin“ Worte im Johannesevanglium. Die anderen sind uns vertrauter (Ich bin der Weg, das Licht, das Brot des Lebens…).  In der geschlossenen Welt von damals mag es viel stärker geklungen haben als für uns heute. Die „cella“, der innerste Raum antiker Tempel mit der Götterstatue war für Normalsterbliche nicht zugänglich und auch der jüdische Tempel in Jerusalem hatte ein Allerheiligstes, das nur einmal jährlich der hohe Priester betreten durfte. Die Götter damals waren abgeschlossen.

Jesu Rede von Gott war ganz anders. Gott verschließt sich nicht.  Jesus verkündet einen Gott, der uns liebt als seine Kinder und der sich uns zuwendet wie ein guter Vater. Deshalb ist „Abba“ – „Papa“ Jesu liebste Gottesanrede.

Für den Apostel Paulus war „Freiheit“ deshalb ein ganz wichtiges Wort. Wir haben den freien Zugang zu Gott und das Bewusstsein, von Gott bedingungslos geliebt zu sein, schenkt die innere Freiheit, die es braucht, um sich frei in dieser Welt zu bewegen. Paulus selbst lebt aus dieser Freiheit. Seine Briefe erzählen von der Erfahrung, dass diese Freiheit stärker ist als Angst und Trägheit. „Zur Freiheit hat uns Christus befreit“ schreibt er deshalb seinen Christen in Galatien.

So wünsche ich Ihnen eine Woche, in der sich Türen öffnen – die äußeren mit der langsamen Öffnung in der Coronakrise und auch die inneren. Denn das Herz braucht keine Quarantäne. Die Osterzeit verkündet uns, dass uns Gottes Herz weit offen steht. Jesus ist die offene Tür dazu.

Ihr Pfarrer Martin Joseph

Der 3. Sonntag der Osterzeit, 26. April 2020 Joh 21, 1-14

Fischfang
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Mein Neffe aus der Wedemark bei Hannover in Niedersachsen hat die Corona-Zeit unter anderem dazu genutzt, einen Angelschein per eLearning zu machen. Die Leidenschaft fürs Fischen hat er von seinem Vater, der dieser Freizeitbe­schäftigung gerne als Ausgleich zu seiner stressigen Arbeit nachgeht und dazu seinen Sohn bereits früh und dann regel­mäßig mitgenommen hat. Ich erinnre mich noch gut an ein WhatApp-Foto, auf dem der kleine Fabio mit beiden Händen stolz einen von ihm gefangenen, riesigen Fisch hochhält. Es gibt aber auch Tage, da beißen die Fische überhaupt nicht, wie die beiden mir be­richtet haben. Im Extremfall bleibt der Eimer dann vollkommen leer; Vater und Sohn stehen dann ohne jeden Fang da.

So ist es auch den Jüngern im heutigen Evange­lium ergangen. Obwohl sie sogar gelernte Fischer, also Profis waren und sich zu siebt die ganze Nacht bemüht hatten, ging ihnen kein einziges Fischlein ins Netz. Da erscheint am Morgen, also ausge­rechnet zu der Zeit, in der sich die Fische wieder in die Tiefe zurück­ziehen, sprich: eigentlich zu spät, Jesus am Ufer und ermuntert seine Jünger, es nochmals zu versuchen. Im Grunde ein völlig absurdes Ansinnen.

Doch damit nicht genug: Sie sollen die Netze auf der „rechten“ Seite des Bootes auswerfen!? Was ist damit schon wieder gemeint? Worin besteht der fischerei-technische Unterschied, ob die Netze zur rechten oder linken Seite ins Wasser geworfen werden?[1] Jesu Ansinnen hatte folgenden Hintergrund: Im Altertum stand die linke Seite für das Dunkle, Unheilvolle; heute würde man/frau viel­leicht sagen: das Unbewusste, während die rechte Seite für das Helle, das Heil­volle steht; heute würde man/frau vielleicht sagen: das Bewusste. So betrach­tet, fordert Jesus seine Jünger schlicht auf, ihr Glück bewusst gegen alle bisherige Berufserfahrung am Tag zu ver­suchen.

Durch diese für Jesus so typisch optimistische und zugleich unkonventio­nelle Auffor­derung gehen den Jüngern die Augen auf: Bei dem unbekannten Mann am Ufer handelt es sich um den Auferstandenen, der den Jüngern nun bereits zum dritten Mal nach seinem Tod erscheint:
  1. den Emmaus-Jüngern, wo ER als unerkannte Wegbegleiter die Schrift deutet und beim Brot­teilen erkannt wird,
  2. dem ungläubigen Thomas, der sich mit den anderen Jüngern hinter verschlossenen Türen zum Sonn­tags­gottesdienst getroffen hatte und
  3. nunmehr am Ufer des Sees von Tiberias als ein zunächst unerkannter, freundlicher Ratgeber, der ungewöhnliche Tipps für den „Fischfang“ bereithält.[2]
Dabei ist „Fischfang“ hier im übertragenen Sinne gemeint. Die Jünger gehen nach all den schrecklichen Ereignissen (Kreuzigung und Tod ihres Meisters) in ihrer Heimat nur scheinbar, dem Wortsinne nach wieder ihrem alten Leben und ihrer alten Arbeit nach, so wie es Jesu gewollt hat: „Sie sollen nach Galiläa gehen, und dort werden sie mich sehen“ (Mt 28, 10). Im Grunde aber findet kurz vor dem Ende der irdischen Ver­kündigung Jesu eine Rückbesinnung auf das statt, was ER ganz zu Beginn seines öffentlichen Auftretens gesagt hatte: „Ich werde euch zu Menschen­fischern machen“ (Mk 1,17). Es geht also im tieferen Sinne beim „Fischen“ um die Aussendung und Verkündigung der Jünger. Bei dieser Art „Fischfang“ haben sie auf sein Wort hin sehr großen Erfolg: Die Netze sind zum Bersten voll, und zwar mit genau 153 Fischen.

Was hat es mit dieser merkwürden Zahl 153 auf sich? Die Exegeten sind sich nicht einig.[3] Traditionell (zurückgehend auf den Kirchenvater Hieronymus) wird in der Zahl eine Anspielung auf die 153 seinerzeit bekannten Fisch-Arten gesehen. Das würde dann bedeuten, dass die Jünger symbolisch alle Arten von Fischen gefangen, also Menschen aus allen Nationen und Rassen für den christlichen Glauben gewonnen hätten.

Für dieses Verständnis spricht weiter, dass das heutige Evangelium am See von Tiberias in Galiläa spielt, also exakt an dem Ort, wo nach Joh 6 unter aktiver Mithilfe der Jünger der HERR auf wunderbare Weise die 5.000 mit Broten und Fischen (!) gespeist hat. Daran knüpft das heutige Evangelium im Grunde an, indem ER diese große Mahlgemeinschaft im kleinen Kreis von Jüngern fortsetzt, die zuvor durch ihre Aussendung und Verkün­di­gung so viele verschiedene Menschen für Gott gewonnen hatten.

Dies aber bedeutet zugleich, dass durch das segensreiche Wirken der Apostel (= Jünger), heute der Bischöfe und Priester sowie der kleinen „Junx“ (= Minis, Ehrenamt­liche und Seelsorger) das Volk Gottes bestehend aus Menschen aller Kulturen, Schichten, Abstammungen und Bildungsgraden rund um den Globus zum eucharis­tischen Mahl gesammelt werden, dessen Mitte von damals bis heute nach wie vor Jesus ist und zu dem ER uns, die VIELEN aus aller Welt in seiner Kirche Sonn­tag für Sonntag immer wieder herzlich einlädt.

Ihr Diakon Norbert Uhlenbruck

[1] Das erinnert stark an die in den See versenkte Glocke der Schildbürger. Der Schmied hatte auf der Seite, wo sie die Glocke über Bord geworfen hatten, eine tiefe Kerbe ins Boot geritzt und seinen Mitbürgern erklärt: „Damit wir nach dem Krieg wissen, wo wir die Glocke ins Wasser geworfen haben. Sonst finden wir sie am Ende nicht wieder.“ Aber einen Schildbürger-Streich hatte Jesus hier nicht beabsichtigt.

[2] Johannes will damit sagen: Wir begegnen Jesus nicht nur in der Schrift (Mose und die Propheten) und dem Sakrament (Brotbrechen) wie in der Emmaus-Geschichte oder in der Liturgie (hinter verschlossenen Türen beim Sonntagsgottesdienst) und in der Gemeinschaft der Gläubigen (also der Kirche, den anderen Jünger) wie beim ungläubigen Thomas, sondern auch im Alltag zu Hause, sprich im ganz normalen Leben, dann also wenn wir nicht nur sein Wort hören und feiern, sondern auch wenn wir sein Wort tun, hier konkret in der alltäglichen direkten oder indirekten (Wort-)Verkündigung, und so neue Menschen für die Sache Jesu begeistern.

[3] Augustinus verweist dagegen darauf, dass 153 die Dreieckszahl von 17, also die Summe aller Ziffern von 1 bis 17 sei, die man zudem graphisch als gleichschenkliges Dreieck (mit je 17 Punkten an jeder Seite) darstellen könne, was auf den Gott in drei Personen, den dreifaltigen Gott verweisen würde. Der tiefere Sinn der Zahl 17 könnte aber auch darin gesehen werden, dass in Joh 20, 19-23 zehn Jünger (= die „Zwölf“ ohne Judas und Thomas), in Joh 21, 2 dagegen sieben anwesend sind. 17 ist aber auch die Summe der 5 Brote plus 12 Körbe, von denen in Joh 6 die Rede ist und laut Apg 2, 9-11 sind 17 Völker beim Pfingstereignis anwesend usw. Es könnte sich aber bei den Zahlenangeben weiterhin auch um einen Bezug auf das Alte Testament handeln, und zwar insofern als 17 und 153 jeweils einer bestimmten Buchstabenfolge entsprechen. So wird von Karavidopoulos auf Ez 47,1-12 verwiesen: „Und siehe, Wasser floss unter der Schwelle des Tempels hervor (...). Und es wird geschehen, dass Fischer an ihm [= dem Salzmeer] stehen werden: von En-Gedi bis En-Eglajim werden die Trockenplätze für Netze sein. Fische von jeder Art werden in ihm sein, sehr zahlreich wie die Fische des großen Meeres“. Die beiden Ortsnamen haben den Zahlenwert 17 (En-Gedi) und 153 (En-Eglajim). Interessant ist schließlich auch der Ansatz aus heutiger Zeit von Jürgen  Werlitz, der schreibt: „Lesen wir nun die Zahl 153 als 1 – 5 – 3 und berechnen nach dem Einersystem des Hebräischen Zahlenalphabets (System B) mit 1(00) – 5 – 3(0), ergibt sich qhl, vokalisiert qahal, also das, was griechisch zumeist mit ekklesia, aber auch mit synagoge wiedergegeben wurde (...) Setzen wir dieses gematrische Ergebnis in Joh 21, 11 ein, dann besteht der Fang der Jünger als Menschenfischer in der Gemeinschaft, der Gemeinde oder Kirche, die zusammen mit den Jüngern und dem auferstandenen Herrn das Herrenmahl feiert.“


2. Sonntag der Osterzeit (Weissen Sonntag) 19. April 2020

„Am Abend dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden bei verschlossenen Türen beisammen waren, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch!
Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, als sie den Herrn sahen.“ (Joh 20, 19-20)

 
Sich zurückziehen, selbst isolieren und Kontakte meiden. Was im Evangelium von den Jüngern berichtet wird, kennen wir in diesen Wochen auch,  wenn wir wegen Corona zu Hause bleiben und uns nicht mit anderen treffen. Das machen wir zwar vor allem aus Vorsicht, teilweise aber auch aus Angst, ganz ähnlich wie bei den Jüngern.
Doch Jesus hält den Kontakt. Allen verschlossenen Türen zum Trotz war er ganz unerwartet bei seinen Jüngern. „Friede sei mit euch!“, sagte er und vertrieb ihre Angst.
Jesus bleibt bei uns, wo immer wir auch sind. Auch wenn wir unsere Freunde und Verwandten nicht wie gewohnt treffen können und deswegen daheim sind: Er ist da und will mir meine Ängste und Sorgen nehmen. Das kann sich auch ganz konkret zeigen: wenn etwa Nachbarn Hilfe anbieten, Freunde sich per Telefon melden, Eltern und Kinder das Familienleben neu entdecken und stärker zusammenwachsen.
Und doch: Wenn man beim Einkaufen auf den Abstand achtet oder sich auf der Straße aus dem Weg geht – das ist schon ein eigenartiges Erlebnis. Diese Distanz passt nicht so recht zu unseren Erfahrungen. Es ist eine Stimmung zu spüren, die Bedrückung auslösen kann. Ängste und Sorgen können dann hochkommen und mich quasi einsperren. Doch Jesus ist bei mir und bleibt da.
Seine Nähe spüren und wahrnehmen kann ich am besten, wenn ich zur Ruhe komme. Das kann zu Hause sein, wenn ich da einen passenden Platz habe, beim  Spazierengehen oder in einer Kirche.  Als Orte des Gebetes sind die Kirchen ja wie gewohnt offen.
In den Wochen nach Ostern ist in den meisten Kirchen eine Figur des auferstanden Jesus zu sehen. Sie macht für mich besonders deutlich, dass Ostern der große Sieg Gottes ist. Das Leben siegt über den Tod. Die Wunden sind bei Jesus noch sichtbar, aber kein Schmerz mehr erkennbar.  Aufrecht steht er da. Sein Blick klar und freundlich uns zugewendet, die Hand zum Segnen erhoben.
Im Alten Testament finden wir den Segensspruch des Aaron. Dort heißt es: „Der HERR segne dich und behüte dich. Der HERR lasse sein Angesicht über dich leuchten und sei dir gnädig. Der HERR wende sein Angesicht dir zu und schenke dir Frieden.“
Dieser Segen beschreibt die Figur, wie ich finde, ziemlich gut. Vielleicht haben sich auch die Jünger an diesen Segen erinnert, als der auferstandene Jesus bei ihnen war und ihnen den Frieden gewünscht hat.
„Der Frieden sei mit euch!“,  das gilt auch für uns.
So wie Jesus den Jüngern die Angst genommen hat, will er sie auch uns nehmen.
So wie die Jünger bei ihm ihren Frieden gefunden haben, will er auch uns seinen Frieden geben.
So wie er den Jüngern nahe war, ist er auch uns nahe.
Deshalb möchte ich mir jeden Tag ein paar Minuten Ruhe gönnen, um seine Nähe und seinen Frieden zu spüren und mir bewusst zu machen. Besonders jetzt, in dieser Zeit.
 
Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Woche, in der Sie Nähe Jesu immer wieder erfahren dürfen!

Ihr Wolfgang Krauß
Krauss, Wolfgang, Diakonatsbewerber in Ausbildung

Ostermontag 13. April 2020

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Wir bleiben mit Jesus verbunden, auch wenn uns in dieser Corona-Quarantäne-Zeit kein Sakrament gespendet werden kann, insbesondere die Kommunion nicht. Wie das möglich ist, darauf antworten heute am Ostermontag die zweite Lesung und das Evangelium (Emmaus-Geschichte).

Bei der zweiten Lesung handelt es sich um das älteste neutestamentliche Zeugnis von der Auferstehung. In 1 Kor 15,1-8 wird dafür der Ausdruck „óphthe“, „er ließ sich schauen“, „er erschien“, gebraucht. Wenn uns jemand oder etwas erscheint, dann ist das mehr, als wenn uns etwas nur aufscheint. Denn eine Erscheinung ist dauerhaft, das Aufscheinende nur vorübergehend; das Erschienene ist eindeutig wahrnehmbar, das Aufscheinende gibt sich dagegen nur vage zu erkennen. Umgekehrt ist etwas, das uns von sich aus erscheint weniger als etwas, das an und für sich konkret immer schon sichtbar ist, sei es ein kleiner Stein oder ein großer Berg, den wir aber bisher nur nicht gesehen, sprich: schlicht übersehen haben. Es fragt sich vor diesem Hintergrund, warum Paulus ausgerechnet von der „ERSCHEINUNG des Auferstandenen“ spricht? Warum spricht er nicht von weniger oder auch nicht von mehr: Dass ihm und den Jüngern Jesus nach seinem Tod bloß aufgeschienen ist oder umgekehrt sie den auferstandenen Jesus deutlich gesehen haben bzw. dass ER sich ihnen sogar klipp und klar, also eindeutig gezeigt hat? Warum nur dieses mittelmäßige „Erscheinen“ des HERRN? Die Antwort darauf ist eine Frage: Wenn das Wesen des Christentums und das eine und einzige, worum es Jesus ging, der GLAUBE ist, warum sollten dann die ersten Zeugen des Glaubens vom Glauben dispensiert gewesen sein? Hätten sie IHN, den Auferstandenen, gesehen, hätten sie gewußt anstatt zu glauben; umgekehrt: wäre Jesus nach seinem Tod ihnen lediglich irgendwie aufgeschienen, hätten sie nicht glauben, sondern nur spekulieren können.

Es geht also um unseren christlichen GLAUBEN, um den Glauben der ersten Jünger vor rund 2000 Jahren und um unseren Glauben heute. Damals wie heute tritt Jesus in der Gemeinschaft der Heiligen, in seiner Kirche in Erscheinung, der Kirche im Kleinen (wo zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind), aber auch der Kirche auf Pfarrei- bzw. Gemeinschaftsebene (wo zusammen Gottesdienst gefeiert wird) oder auf der Makroebene (wenn der Papst in Rom auf dem Petersplatz den Segen urbi et orbi spendet). Der Glaube ereignet sich dabei nicht willkürlich und der HERR erscheint auch nicht zufällig, sondern unter ganz bestimmten Umständen, nämlich überall dort, wo sein Wort verkündet bzw. sein Sakrament empfangen wird, wo Glaube, Hoffnung und Liebe geweckt und gestärkt werden.

Unüberbietbar deutlich ist dies für uns Christen und Christinnen im Gottesdienst der Fall. Da mischt sich Jesus zunächst im Wortgottesdienst noch unsichtbar, aber bereits wirksam für den Glauben unter uns, wie ER sich zunächst auf dem Weg zum Dorf auch noch unscheinbar unter die Emmaus-Jünger gemischt hat und ER ihnen dabei den Sinn des Alten Testaments erschloss; daran unmittelbar anschließend erschien ER den Emmaus-Jüngern dann aber beim Brotbrechen, da erkannten sie IHN, wie es im Evangelium heißt. Und so wird ER noch heute von uns erst nach dem Wortgottesdienst sichtbar im heiligen Sakrament der Eucharistie.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Es findet damals wie heute im Glauben eine zweifache Begegnung mit Jesus statt: unsichtbar in seinem Wort, sichtbar im Sakrament. Beide Male handelt ER aber wirksam für uns. Dies lesen wir in der Emmaus-Geschichte und dies erfahren wir im Gottesdienst.

Wenn wir in dieser Corona-Zeit keine Eucharistie empfangen können, so sind wir doch weiterhin trotzdem in der Lage, IHN zu 100% in seinem Wort zu begegnen. Dieses Wort müssen wir nicht unbedingt in der Kirche hören, wie die Emmaus-Jünger sein Wort ja auch nicht nur in der Herberge, sondern bereits auf dem Weg dorthin gehört haben. So genügt es, wenn wir sein Wort in der gedruckten Bibel oder – ganz aktuell – im Internet nachlesen.  Doch wie auch immer: ER ist auch ohne Sakrament unsichtbar, aber wirksam bei uns und mit uns auf unserem Weg oder bei uns zu Hause, wie beschwerlich, beklemmend oder bedrückend unsere Situation auch gerade sein mag.

Ihr Diakon Norbert Uhlenbruck
Norbert Uhlenbruck, Diakon

Ostersonntag 12. April 2020

Auferstehung

Soviel Sehnsucht war selten: Dass es endlich wieder aufgeht. Dass endlich Kontaktverbote, geschlossene Schulen, isolierte Senioren und lahmgelegte Betriebe der Vergangenheit angehören und wir sagen können: „Es ist vorbei“. Dieses Ostern sehnt sich die ganze Welt nach Auferstehung und wartet darauf, dass das Leben wieder beginnen darf.

Ostern feiern wir, dass es schon begonnen hat. „Dies ist die Nacht, in der Christus die Ketten des Todes zerbrach“ heißt es im Exultet, dem alten Ostergesang der Kirche. Der Tod ist besiegt und Jesus hat uns in seiner Auferstehung den Horizont des Lebens zur Unendlichkeit aufgespannt.
So verkündet es die Bibel und das ist der Kern unseres christlichen Glaubens.

Allerdings hätten die meisten von uns es gerne etwas konkreter. Gerade in Coronazeiten tut sich der Graben zwischen biblischer Verkündigung und persönlicher Erfahrung besonders breit auf. Die Bibel klingt wie ein märchenhafter Mythos aus der Zeit, wo das Wünschen noch geholfen hat. Schließlich können wir Christen den Coronavirus auch nicht österlich wegfeiern oder wegbeten. Was bringt mir „Auferstehung“, wenn ich persönlich nichts davon spüren kann?

Mancher mag vielleicht die Damaligen beneiden, die unmittelbar dabei sein durften und so ein direktes Mittel gegen ihre Zweifel hatten. Aber gerade da lohnt es sich, die biblischen Berichte genauer anzusehen. Die ersten Reaktionen auf die Nachricht von der Auferstehung sind nicht Glaube oder Freude, sondern Furcht und Zweifel. Die Menschen damals taten sich auch nicht leichter mit dem Glauben. Mehrfach erzählen die Evangelisten, dass die Jünger und Jüngerinnen Jesus erst nicht erkannten. Die beiden Emmausjünger laufen den ganzen Tag „blind“ mit Jesus mit, bis ihnen dann erst am Abend beim Brotbrechen die Augen aufgehen. Es „brannte ihnen das Herz“, aber das können sie erst hinterher so benennen.

Ich denke, der Evangelist Lukas hat mit dieser Emmaus-Geschichte nicht nur das Erlebnis dieser beiden Jünger, sondern auch seine eigene Glaubenserfahrung und die Glaubenserfahrung seiner Gemeinde erzählt. Christsein ist ein Unterwegs-sein mit dem Auferstandenen. Er geht mit durch unsere Tage.  Aber das erleben wir nicht direkt. Manchmal kann man es erst in der Rückschau formulieren und sagen, „da ist Jesus mit mir mitgegangen, da hat er mir Halt gegeben, da hat er mich geführt“. Manchmal spüren wir es, aber oft genug werden wir „blind“ bleiben für Jesu Gegenwart. Das klare „Sehen“ gibt es für die Emmausjünger erst am Abend des Tages, wenn Jesus ihnen das Brot bricht.

So sind wir unterwegs mit unseren Sorgen, Zweifeln, Ängsten aber auch mit einer Zusage: Jesus der Auferstandene geht mit uns. Er geht mit durch die wunderschönen Sonnentage des hereinbrechenden Frühlings und durch die Schatten der Angst und Unsicherheit, die der Coronavirus hinterlässt. Aber erst wenn es einmal „Abend“ unserer Tage wird, werden wir das in aller Klarheit sehen. Einstweilen sind wir unterwegs. Die österliche Hoffnung helfe uns, dass wir uns auf unserem Weg durch keine Ketten von Sorge und Angst blockieren lassen.
 
Ich wünsche Euch fröhliche und gesegnete Ostern!
Euer Pfarrer Martin Joseph
Joseph, Martin, Pfarrer

Karfreitag 10. April 2020

Hier finden Sie die Lesungen für den Karfreitag.
„Mein Königtum ist nicht von dieser Welt.
Wenn mein Königtum von dieser Welt wäre, würden meine Leute kämpfen, damit ich den Juden nicht ausgeliefert würde.
Nun aber ist mein Königtum nicht von hier.“ (Joh 18,36)

Das ist die Antwort Jesu an Pilatus, ob Jesus denn ein König sei. Damit meint Jesus nicht, dass sein Königtum etwas Außerirdisches ist, etwa von einem anderen Planeten oder einem anderen Stern. Doch dieses Königtum ist anders, als die Königreiche dieser Welt. Es hat es noch nicht einmal nötig, um seinen König zu kämpfen!

Bei Jesu Königtum handelt es sich um eine Wirklichkeit, die mehr ist als diese Welt. Es übersteigt das, was wir mit unseren Sinnen normalerweise begreifen können. Und doch ist es real und nicht abgekoppelt von dieser Welt. Sein Kern ist die Liebe Gottes. Eine Liebe, die menschliche Vorstellungen übersteigt und alle weltlichen Maßstäbe sprengt. Um sie zu verkünden und erfahrbar zu machen, ist Jesus in diese Welt gekommen. Jesus heilte dann Kranke und gab Sündern den Mut, ihr Leben neu auszurichten. Überall dort, wo Menschen ihm gläubig begegneten, konnte die Liebe Gottes ihre Kraft entfalten und dem Leben eine neue Perspektive geben.

Die Liebe Gottes ist auch heute da. In der gläubigen Hinwendung zu Gott kann man sie entdecken. Immer, wenn man sich für ihn öffnet, kann man ihre Kraft spüren. Sie will das Fundament für mein Leben sein, sie will mich tragen und mir Richtung geben. Wenn man sich auf die Liebe Gottes einlässt, dann ändern sich auch die Maßstäbe. Werte, die die Welt für wichtig hält, verlieren an Gewicht. Beim Blick auf die eigenen Bedürfnisse erkennt man, was für ein gelingendes Leben wirklich nötig ist. Und bei den Mitmenschen sieht man besser, was sie brauchen und kann für sie mit den jeweils eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten etwas Gutes tun. Einfluss, Macht und Reichtum sind dann nicht mehr Ziele und Werte an sich, sondern wollen verantwortlich zum Wohle aller eingesetzt werden.

Mit seiner Antwort an Pilatus zeigt Jesus auch eine Perspektive auf, die über den Tod hinaus weist. Der Verzicht auf Kampf oder eine andere Art der Befreiung aus der Gefangenschaft ergibt nur einen Sinn, weil es nach Leid und Tod weitergeht. Das wusste Jesus. Deswegen konnte er sich auf die Qualen und Schmerzen einlassen, getragen von der Liebe Gottes. Seinem Beispiel folgend konnten dann viele Christen Verfolgungen, Folter und Tod um ihres Glaubens willen ertragen. Aber auch unheilbare Krankheiten oder gesundheitliche Einschränkungen verlieren ihren Schrecken, wenn wir auf Gott vertrauen, der jeden und jede am Ende des Lebens zu sich in seine Liebe holen will. So bezeugte es auch Papst Johannes Paul II., der vor 15 Jahren am 2. April 2005 gestorben ist. In der Gelassenheit des Glaubens bewahrte er den Blick auf das Ziel des Lebens und kam so mit den gesundheitlichen Folgen des Attentats und seiner Parkinson-Krankheit zurecht.

Jesus ist am Kreuz gestorben. Für die Jünger Jesu und seine Mutter Maria ist eine greifbare Sicherheit weggebrochen. Ihr Leben hat sich verändert, ihnen bleibt nur das Vertrauen auf Gott. Auch unser Leben hat sich in den letzten Wochen ungewollt verändert. Die harten Einschränkungen des öffentlichen Lebens haben viele verunsichert. Manche sind auch alleine und einsam, weil sie kaum noch Leute treffen können und fühlen sich dadurch fast wie im Grab. Es ist wie Karfreitag und Karsamstag. Doch weil Gott mit Jesus durch den Tod gegangen ist, dürfen wir darauf vertrauen, dass Er auch mit uns geht. Denn das Königtum Jesu ist das Leben mit und durch Gott.

Ihr Wolfgang Krauß, Diakonatsbewerber in Ausbildung
Krauss, Wolfgang, Diakonatsbewerber in Ausbildung

Gründonnerstag 9. April 2020

Liebe Gemeinde!

Wie zeigen wir uns eigentlich unsere gegenseitige Wertschätzung? Die gesellschaftlichen Konventionen kennen hierfür eine ganze Reihe abgestufter Signale. Es beginnt mit einem schlichten, aber freundlichen „Grüß Gott“ oder „Mahlzeit“ an Nachbarn oder Kollegen, geht weiter über ein verbindliches Händeschütteln unter Geschäftspartnern oder von Gästen, bis hin zu einer herzlichen Umarmung von lieben Freunden oder nahen Familienangehörigen. Und wenn uns jemand ganz wichtig ist, dann bringen wir ihm oder ihr ein sorgfältig ausgesuchtes Geschenk mit, zum Beispiel ein tolles Spielzeug oder ein gutes Buch für die Nichte oder den Neffen zum Geburtstag; umgekehrt malen oder basteln die Enkelkinder auch gerne mal was für ihre Großeltern.

In der Zeit, als Jesus als Mensch lebte, war es üblich, den Gästen zur Begrüßung durch einen Sklaven die Füße waschen zu lassen. Auch wenn der Gast zu Hause gebadet hatte, so wurden die Füße in den Sandalen auf den staubigen Straßen, Plätzen und Wegen im Vorderen Orient gleich wieder schmutzig. Mit gewaschenen Füßen war es viel angenehmer, miteinander zusammen zu Tische zu liegen, dort gemeinsam zu reden und zu lachen, zu feiern und zu speisen.

Doch für Jesus war die Fußwaschung seiner Jünger noch weit mehr als nur ein Zeichen gewöhnlicher Wertschätzung gegenüber Gästen. Er wollte damit auch zeigen: Er, der Meister und Herr steht nicht über seinen Schülern. Er ist ihnen nicht fern, sondern hautnah bei ihnen. So wollte er seine enge Verbundenheit zu seinen Jüngern deutlich machen. Als Petrus das dämmerte, wollte er gleich noch mehr gewaschen werden, um mit Jesus voll und ganz verbunden zu sein. Aber Jesus sagt: „Nein!“ Es genügte, dass die schmutzigen Füße gewaschen wurden. Mehr war nicht nötig. Denn die Verbundenheit war schon längst hergestellt und sie wurde durch Jesus in seinen noch folgenden Worten und Taten (Abendmahl, Tod und Auferstehung) unterstrichen.

In der Fußwaschung spiegelt sich Jesu Art der Zuwendung zu den Menschen wider. Er hörte und schaute immer genau hin, was die Menschen konkret brauchten. Manchmal fragte er sogar ausdrücklich: Was willst du, dass ich dir tue? So fragte er beispielsweise den blinden Bartimäus (Mk 10, 46-52). Und als er die verdorrte Hand eines Mannes geheilt  hatte, gab er diesem keine weiteren Anweisungen mit auf den Weg, was nun zu tun sei, denn das sollte dieser schon selbst herausfinden (Mt 12,9-14). Als Jesus so einmal bei einem Zöllner zum Essen war, kam dieser auch tatsächlich selbst darauf, was er (weiter) zu tun hatte. Es reichte Jesu Anwesenheit und Zuwendung, mehr war nicht nötig, um Zachäus auf die richtige Spur zu setzen (Lk 19,1–10).  Man kann sagen, Jesu Zuwendung war so diskret dosiert, dass sie angenehm war und annehmbar war. Und dieses sorgfältig austarierte Maß der Zuwendung sollte den Jüngern – und damit auch uns – ein Beispiel sein.

Konkret heißt das, den anderen zunächst wahrzunehmen, so wie er ist und wie es ihm gerade geht. Wenn ich z. B. sehe, dass ein guter Freund bekümmert und traurig ist, dann darf ich ihn darauf ansprechen. Antwortet er: „Passt schon“ und geht nicht weiter auf das Gesprächsangebot ein, dann sollte ich ihn in Ruhe lassen, auch wenn ich gerne helfen würde. Er braucht das Gespräch jetzt (noch) nicht. Es wäre zu viel. Er ist (vielleicht noch) nicht so weit.
Aber er kann mein Angebot auch (später) annehmen. Dann hatte ich den richtigen Blick, dann habe ich erfasst und getan, was ihm gut tut, was für ihn gerade Not-wendend ist, nämlich ihm Zeit zu schenken, ihm zuzuhören, ihm eventuell eine neue Perspektive zu eröffnen, einen nützlichen Tipp zu geben oder eine praktische Hilfe anzubieten. Wenn er etwas davon braucht, wird er es schon sagen und annehmen.

Manchmal kann ich ganz schlicht und einfach eine winzige Kleinigkeit tun; darauf kommt es an. Ende der 1990er Jahre besuchte ein junger Mann aus Deut­schland Freunde in Osteuropa. Am Busbahnhof seines Zielortes sah er einen hungrigen Bettler. Der junge Mann hatte noch ein belegtes Brot aus seinem Proviant übrig. Das gab er dem Bettler. Dieser beäugte das für ihn unbekannte Vollkornbrot erst skeptisch, griff dann aber doch dankbar zu.

Aufeinander schauen, auf einander Acht geben, sich also gegenseitig (be-) achten. Das ist gerade jetzt während der Corona-Krise auch aktuell. Schauen, ob Nachbarn Hilfe zum Einkaufen brauchen könnten oder einfach nur einen Telefonanruf, um die Einsamkeit zu vertreiben. Mit offenen Augen und Ohren auf Mitmenschen zugehen. Das hat Jesus seinen Jüngern und uns mitgegeben. So entsteht Verbundenheit untereinander, aber auch mit Jesus.

Aufeinander schauen, aufeinander achten, füreinander da sein. So können wir die Liebe Gottes in der Welt Wirklichkeit werden lassen. Die beste und schönste Art, jemandem Zuneigung und Wertschätzung zu zeigen.

Ihr Diakon Norbert Uhlenbruck
Norbert Uhlenbruck, Diakon

Palmsonntag 5. April 2020

Palmsonntag Kartoon

Mit auf den Weg

machen wir uns in der kommenden Karwoche. Zumindest sind die Liturgien der Karwoche so gedacht. Die Gottesdienste sind konzipiert als Begleitung Jesu auf seiner letzten Lebenswoche.

Liturgisch gesehen ist diese Karwoche relativ jung. Während der ersten Jahrhunderte kannten die Christen nur die Osternacht als die „Nacht der Nächte“, in der die Gläubigen mit hineingenommen werden in den Übergang vom Tod ins neue Leben. Erst im vierten Jahrhundert hat sich in Jerusalem der Brauch herausgebildet, jeweils an den Tagen, von denen die Evangelien erzählen, den Abendmahlssaal, Golgotha und das Grab Jesu aufzusuchen. Im Nacherzählen, Nachgehen und später auch im Nachspielen der letzten Tage Jesu sollte das innere Geheimnis der Passion erfahrbar werden. Es ist wohl eine menschliche Grunderfahrung, dass nachgehen, nachspielen und nacherleben sich in unsere Seele tiefer eingraben als das bloße Wissen von noch so wichtigen theologischen Grundaussagen. Die Karwoche hat deshalb etwas von einem „liturgischen Theater“ an sich, in dem wir uns mit Jesus selbst auf die Bühne stellen.

Dieses Jahr ist es mit dem Miterleben schwieriger. Ich werde der einzige von uns sein, der in unserer Pfarrkirche die Liturgien feiert. Euch bleibt nur das Mitfeiern am Bildschirm, in Texten auf der Webseite oder im persönlichen Gebet als innerer und geistlicher Prozess. 
Aber gerade dieser Prozess, dieses geistliche „mit auf dem Weg sein“ ist dieses Jahr besonders wichtig.

Wenn viel auf uns einströmt, verlangsamt sich unser Zeitempfinden. „Gefühlt“ sind die Zeiten von unbeschwertem gemeinsamem Feiern, Ratschen, Sich Berühren und Umarmen schon ewig her. Bei manchen kommt es zu einem inneren Stillstand, wo alles nur um die wiederkehrenden und immer gleich klingenden Corona-Nachrichten kreist. Statt auf dem Weg zu sein, fahren die Gedanken Karussell – und das hilft niemandem.

So lade ich Sie herzlich ein, sich auf den inneren Weg zu machen. Der Palmsonntag „öffnet den Vorhang“ und gibt den Blick frei, damit wir von Zuschauern zu Mit-Erlebern werden im großen Drama der Erlösung. Die Tage vom Leiden Jesu, von Kreuz und Tod werden für uns in diesem Jahr sicher besonders plastisch. Aber das ist nicht die Endstation. Wir feiern Pascha – Übergang. Der Übergang Jesu vom Kreuz zur Auferstehung ist uns ein Vorausbild auf das, was Gott mit uns allen vorhat.

Ich wünsche Euch Gottes Segen auf diesem Weg durch die Kar- und Ostertage.
 
Euer Pfarrer Martin Joseph

Lazarus, komm heraus!

5. Fastensonntag, den 29. März 2020

Mit diesem Ruf holt Jesus im heutigen Sonntagsevangelium den verstorbenen Lazarus aus dem Grab. Es ist das siebte und letzte „Zeichen“ im Johannesevangelium. So heißt bei Johannes das, was die anderen Evangelien „Machttaten“ nennen und bei uns meist als „Wunder“ übersetzt wird.
Es geht um ein „Zeichen“ das zeigt, wer Jesus wirklich ist: „Die Auferstehung und das Leben“.

Es fällt auf, wie kurz der Evangelist diese Totenerweckung erzählt. Es ist nur dieser eine Ruf „Lazarus komm heraus“. Ansonsten ist Lazarus eher eine Randfigur. Im Kern dreht sich dieses Evangelium um die beiden Schwestern. Endlos lange beschreibt der Evangelist das Gespräch Jesu mit diesen beiden.  Es geht um Martha und Maria. Sie sind es, die eigentlich zum Leben erweckt werden.

Dabei beschreibt der Evangelist sie durchaus als gläubig: „Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben.“ Beide Schwestern bekennen dies mit dem gleichen Satz.

Aber offensichtlich gibt es für den Evangelisten einen Unterschied zwischen „Glauben“ und „Glauben“.  Es gibt eine Art von Glauben, da geht es vor allem um die eigene Welt. Gott soll sie beschützen und bewahren. Er soll Leid, Krankheit und Tod verhindern und das erwarten die Schwestern auch von Jesus, als sie ihm die Nachricht schicken: „Herr, dein Freund ist krank“. Aber Jesus reagiert auf diese Nachricht nicht wie gewünscht. Er kommt verspätet. Er verhindert den Tod des Lazarus nicht.

Auch seinen eigenen Tod am Kreuz wird er später nicht verhindern. Der, der sich an Ostern als Sieger über den Tod zeigt, siegt nicht am Tod vorbei. Auch für uns Christen gibt es keine Abkürzung, die an den Problemen des Lebens vorbeiführen würde. Glauben bedeutet für den Evangelisten an Jesus festhalten – gerade wenn alles nur noch nach Tod ausschaut - und so in eine neue Dimension von Leben geraten. Leben „im Geist“ heißt das bei Johannes. „Christen sind wie Bäume, die ihre Wurzeln im Himmel haben“ so beschreibt es ein altes christliches Bild.

In Coronazeiten ist das für manchen wohl sehr weit weg.
Wir haben wirklich genug Sorgen hier auf dieser Welt. Wie geht das weiter: mit der Gesundheit, mit dem Beruf, mit den Kindern, mit dem Geld. Schließlich können wir nicht endlos in unseren Wohnungen hocken. Es gibt sicher genug, denen fällt die Decke jetzt schon auf den Kopf.
Aber genau davon schreibt der Evangelist am heutigen Sonntag: vom alltäglichen Tod, in den wir Menschen so leicht geraten, weil wir uns so sehr festschrauben und festnageln lassen auf die Sorgen des Hier und Heute, dass wir den weiten Horizont unseres Lebens verlieren. „Lazarus komm heraus“ ruft Jesus auch uns heute zu.

In der Alten Kirche wurde das heutige Evangelium im der Taufvorbereitung verwendet. Damals war das ein langer, oft jahrelanger Weg bis zur Taufe und die Fastenzeit war für die bereits Getauften eine Weise, diesen Weg wieder zu erneuern. Die Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils hat das Evangelium von der Auferweckung des Lazarus nun wieder in die Fastenzeit gelegt. Damit wir uns wieder auf den Weg machen – auf den Weg zu neuen Horizonten unseres Glaubens.

Ich wünsche Euch allen eine gesegnete Woche,
Euer Pfarrer Martin Joseph
Joseph, Martin, Pfarrer

Blind

4. Fastensonntag, den 22. März 2020

Schauen Sie auch dauernd auf die Online-Seiten oder hören Radio, um die neuesten Entwicklungen in der Coronakrise mitzubekommen? Es mag ja Leute geben, die wollen von dem ganzen Thema nichts mehr hören und lassen es einfach auf sich zukommen. Ich aber möchte gerne wissen, was kommt, wie ich mich verhalten soll und wie lange dieser Stillstand noch dauert. Aber leider können mir das die Medien, die Politiker und die Wissenschaftler auch nicht sagen. Ob und wann die derzeitigen Maßnahmen wirklich greifen, das werden wir leider einfach abwarten müssen. Wir tappen im Dunkeln – wie die Blinden.

An diesem vierten Fastensonntag wird im Gottesdienst das Evangelium vom Blindgeborenen gelesen (Joh 9, 1-41). In der Kirche der ersten Jahrhunderte wurde dieses Evangelium im Rahmen der Taufvorbereitung verwendet und ich vermute, schon der Evangelist Johannes selbst hat seinen Text mit Blick auf die Taufe formuliert. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil wurden diese Evangelien der Taufvorbereitung auf die Fastensonntage gelegt.
In der frühen Kirche war „Erleuchtung“ eines der Worte, die für die Taufe verwendet wurden. „Blind sein“ – „sehend werden“, das war ein Bild für das Christwerden. Jesus Christus heilt von der Blindheit des Unglaubens und der Christ sieht mehr und tiefer. Im Blick auf Gott sieht der Glaubende die Welt in einem neuen Licht.

„Mehr sehen“, das würde ich mir bei der Coronakrise auch wünschen. Schließlich plagen uns alle die Fragen nach dem „warum“ und „wozu“.
Gerade in religiösen Kreisen kommen manchmal die Gedanken auf, als müssten wir eine Antwort wissen auf das „warum“. Als könnten wir Christen genau sehen, was der liebe Gott vorhat und warum die Dinge geschehen. In diesem Sinn wäre dann die Coronakrise eine Strafe Gottes für die Sünden der Menschen und unter „Sünde“ folgt dann meist das Lieblingsthema des jeweiligen Autors.

Aber ich denke, das ist ein großes Missverständnis.
„Mehr sehen“ im Sinne des frühchristlichen Wortes von der „Erleuchtung“ meint nicht ein christliches Besserwissen. Wenn uns Christus „die Augen öffnet“, dann geht es nicht um ein mehr an Wissen, sondern um den Blick auf die Menschen. Der liebevolle Blick, den Jesu auf die Menschen hat, soll auch unser Blick werden. Es geht darum, dass er uns die Augen füreinander öffnet.

Gerade in der Coronakrise hat dies ganz aktuelle Konsequenzen. Angst und Unsicherheit verführen uns gerne dazu, dass der Blick immer enger wird und die Gedanken nur noch um die Allerliebsten oder um die eigenen Bedürfnisse kreisen. Einige unserer Mitmenschen horten gerade Unmengen von Toilettenpapier oder klauen Desinfektionsmittel aus den Krankenhäusern. Der Blickwinkel Jesu ist ein anderer. Es geht darum, mit offenen Augen zu schauen, was unsere Mitmenschen gerade brauchen. So kann diese Krise eine Schule der Solidarität sein. Vielleicht haben Sie jemanden aus einer Risikogruppe in der Nachbarschaft, für den es gut wäre, wenn sie das Einkaufen übernehmen. Vielleicht hilft ein Telefonanruf, damit einem anderen die Decke nicht auf den Kopf fällt. Oder es ist einfach notwendig, dass Sie ganz ruhig zu Hause sitzen und so für niemanden zum Ansteckungsrisiko werden. Es wird sehr viele Formen geben, wie wir unser „Christ sein mit geöffneten Augen“ in dieser Coronazeit leben können. Ich wünsche Ihnen viel Phantasie dazu. Und ich wünsche Ihnen den Glauben und das feste Vertrauen, dass uns Jesus auch in diesen Krisenzeiten nicht aus seinen liebevollen Augen verliert.

Ihr Pfarrer Martin Joseph