Maria Himmelfahrt, Allach - Sankt Martin, Untermenzing

  

Wort zum Sonntag in Corona-Zeiten


Kommt mit … und ruht ein wenig aus.

Es ist das passende Sommer-Urlaubsevangelium, das wir an diesem Sonntag hören. Am vergangenen Sonntag hat Jesus seine Jünger ausgesandt. Nun kommen sie zurück, versammeln sich bei Jesus, berichten ihm und werden zur Erholung eingeladen.

Normalerweise passt es wunderbar in unseren Jahresablauf. Die meisten Familien sitzen praktisch schon auf gepackten Koffern. In der Schule sind alle Proben geschrieben und es ist Zeit für die große Pause der Sommerferien. In den Pfarreien und Betrieben bricht die große Ruhe aus und selbst die Presse zelebriert ihr „Sommerloch“ in dem einfach gar nichts los ist ...
Aber seit Corona ist alles anders. Viel zu lange sind wir schon ausgebremst. Vielen steht der Sinn gar nicht nach ausruhen, sondern sie wollen endlich wieder etwas erleben, endlich wieder feiern, endlich wieder unter Menschen sein, endlich wieder leben.

Aber eigentlich geht es in diesem Evangelium gar nicht so sehr um die Ruhe. Zumindest enthält es ziemlich viele Verben der Aktivität: die Apostel versammeln sich, berichten, sollen kommen, sei fahren ab und als sie ankommen ist gerade nix mit Ruhe, sondern Jesus lehrt, hat Mitleid …
Beim Evangelisten Markus ist das heutige Evangelium der Auftakt zur Erzählung von der Brotvermehrung, die wir am kommenden Sonntag hören werden und der Schwerpunkt liegt weniger auf der Erholung als auf der Sammlung: Die Jünger versammeln sich. Zunächst äußerlich, aber Jesus ruft sie an einen einsamen Ort, dass sie sich auch innerlich sammeln.

Dann kommt die Volksmenge dazu, innerlich zerstreut wie Schafe ohne Hirten. Jesus „lehrte sie lange“ damit sie sich innerlich sammeln und eine „Herde“ werden können. So werden sie bereit für das kommende Wunder der Brotvermehrung.

Ob uns allen ein „Wunder der Brotvermehrung“ bevorsteht weiß ich nicht. Vielleicht hat ja diese Zeit der Pandemie auch ihre positiven Seiten. Aber in jedem Fall brauchen wir dazu diesen Aspekt der inneren Sammlung: Den Blick auf Jesus und auf den Kern dessen, was in unserem Leben wirklich zählt. Sonst plätschern unsere Feste in der Oberflächlichkeit dahin und führen gerade nicht zur wirklichen Begegnung mit Menschen und zu dem echten Leben, nach dem wir uns alle sehnen. 

Ich wünsche Ihnen allen ein „gesammeltes“ Wochenende
Ihr Pfarrer Martin Joseph