Am Mittwoch, den 12. November, hielt Staatsminister a.D. Dr. Marcel Huber, Leiter des bayerischen Praktikterrats für Landwirtschaft, einen Vortrag über die Ergebnisse des Praktikerrats mit anschließender Diskussion. Zu Beginn begrüßte Vorsitzende des Kreiskatholikenrats Christine Schmid Dr. Marcel Huber und die zahlreichen Besucher.
Verantwortung für die Schöpfung als zentrale Aufgabe
In seinem Vortrag knüpfte Huber unmittelbar an die Enzyklika
Laudato Si’ sowie an den Sonnengesang des heiligen Franziskus an. Er erinnerte daran, dass Papst Franziskus mit eindringlichen Worten die Menschen wachrütteln wollte, um ökologische und soziale Verantwortung ernst zu nehmen.
Menschliche Eingriffe beschleunigen ökologische KrisenDer ehemalige Staatsminister machte deutlich, dass die Erde zwar seit jeher Krisen bewältigt habe, die heutigen Belastungen jedoch durch menschliche Eingriffe massiv beschleunigt würden. Besonders die menschengemachte Erderwärmung schreite in einem bislang unbekannten Tempo voran. Auch weitere Umweltprobleme wie die zunehmende Vermüllung thematisierte er. Die Biodiversität sei entscheidend für die Resilienz der Ökosysteme – doch Lebensräume schrumpften, Arten verschwänden und das ökologische Gleichgewicht gerate zunehmend aus dem Lot. Seit es den Menschen gibt, greife er in die Natur ein, heute jedoch in nie dagewesener Intensität.
Nachhaltigkeit braucht ökologische, soziale und wirtschaftliche BalanceNachhaltigkeit könne nur gelingen, wenn ökologische, ökonomische und soziale Aspekte gemeinsam gedacht würden, so Huber. Dabei dürfe es kein Gegeneinander von Landwirtschaft und Konsumenten geben. Beide seien nicht Teil des Problems, sondern Teil der Lösung.
Strukturwandel in der Landwirtschaft und seine FolgenAnhand historischer Entwicklungen zeigte Huber, wie stark sich die Landwirtschaft in den vergangenen 100 Jahren verändert hat: von einer lebensnotwendigen regionalen Versorgung über technischen Fortschritt und wachsende Weltmarktabhängigkeit bis hin zu verändertem Konsumverhalten. Die Folgen seien gravierend. Während 1949 ein Landwirt etwa zehn Menschen versorgte und Direktvermarktung selbstverständlich war, ernährt er heute rund 150 Personen. Gleichzeitig liege die Vermarktung größtenteils in den Händen weniger großer Lebensmittelkonzerne. Das Einkommen der bäuerlichen Betriebe habe mit der allgemeinen Einkommensentwicklung nicht Schritt halten können, was zu einem drastischen Rückgang bäuerlicher Familienbetriebe geführt habe.
Globale Auswirkungen moderner ErnährungsweisenAuch aktuelle Ernährungstrends blieben nicht unerwähnt. Huber wies darauf hin, dass etwa eine stark zunehmende vegane Produktpalette ebenfalls globale Auswirkungen haben könne, etwa durch veränderte Anbauflächen und mögliche Zusammenhänge mit Regenwaldabholzung.
Der bayerische Praktikerrat als Wegweiser für nachhaltige AgrarpolitikMit Blick auf Lösungsansätze stellte Huber die Arbeit des bayerischen Praktikerrats vor. In diesem Gremium arbeiten nicht nur Landwirte, sondern auch Vertreter der Landwirtschafts-, Umwelt- und Waldbesitzerverbände, des Lebensmittelhandwerks sowie der Staatsregierung zusammen.
Zu den zentralen Zielsetzungen zählen:
- der Erhalt kleiner bäuerlicher Familienbetriebe
- die Stärkung regionaler Produktion und Ernährungssouveränität
- die Anerkennung landwirtschaftlicher Ökosystemdienstleistungen
Diese Leitlinien hätten auch auf europäischer Ebene Zustimmung gefunden und sollten künftig stärker in politische Entscheidungen einfließen.
Regionale Landwirtschaft sichern – Wertschöpfung im Land haltenStrategisch falsch sei es aus Hubers Sicht, die landwirtschaftliche Produktherstellung ins Ausland zu verlagern. Auch Förderprämien müssten stärker an der tatsächlich geleisteten Arbeit ausgerichtet werden. Wenn etwa die Almwirtschaft aufgegeben werde, weil sie sich wirtschaftlich nicht mehr lohne, leide langfristig auch der Tourismus.
Konsumentscheidungen als Hebel für VeränderungZum Abschluss richtete Huber den Blick auf das persönliche Handeln. Jede Kaufentscheidung beeinflusse den Markt. Regionalität und Saisonalität seien dabei zentrale Hebel für Veränderung. Positiv hob er die Beteiligung der katholischen Kirche in Bayern am Bayerischen Blühpakt hervor, mit dem kirchliche Flächen ökologisch aufgewertet und zugleich wichtige Bildungsimpulse gesetzt werden.
Diskussion: Orientierung für Verbraucher stärkenIn der anschließenden Diskussion fanden die vorgestellten Empfehlungen breite Unterstützung. Gleichzeitig wurde darauf hingewiesen, dass Verbraucher im Supermarkt noch zu wenig Orientierungshilfen erhielten. Als positives Beispiel wurde Österreich genannt, wo regionale Produkte deutlich gekennzeichnet seien. Ein Satz brachte die Stimmung der Diskussion auf den Punkt:
„Umweltschutz ist teuer – aber kein Umweltschutz ist teurer.“ Fazit: Bewahrung der Schöpfung beginnt im AlltagDer Vortrag machte deutlich: Die Erde besitzt eine beeindruckende Fähigkeit zur Anpassung. Doch der Mensch schwächt diese Resilienz zunehmend. Die Bewahrung der Schöpfung ist keine Option, sondern eine Verantwortung – und sie beginnt nicht erst in der Politik, sondern im Alltag jedes Einzelnen.
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