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Pfarrei Mariahilf München Au

Mariahilfplatz11, 81541 München, Tel. 089 - 651 28 66, E-Mail: mariahilf.muenchen@ebmuc.de

Kolping

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150 Jahre Kolpingssfamilie München-Au

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Stimmt - das Gruppenbild eines Vereins auf der Titelseite des Pfarrbriefes: Das ist mehr als ungewöhnlich! Aber das darf und in diesem Fall muss es auch sein. Das Bild soll mehrere Botschaften in die interessierte und geneigte Öffentlichkeit transportieren:
1) Die Kolpingsfamilie München-Au feierte ihren 150. Geburtstag - und das musste in angemessenem Rahmen gefeiert werden.
2) Auch wenn die Kolpingsfamilie München-Au scheinbar unscheinbar in der Kirchengemeinde Mariahilf ist - wie Sie sehen werden, gibt es sie noch...! Und was sie macht und in Zukunft machen wird und will, versucht dieser Artikel zu beschreiben.
3) Das Anliegen von Adolph Kolping ist heute genauso aktuell wie früher. Seine Werte zu vertreten, ist heute genauso notwendig wie damals. Und um ihn und seine Arbeit zu ehren, war die Anschaffung und Enthüllung seiner Statue in der Mariahilfkirche ein wichtiges Anliegen des Vereins und zugleich absoluter Höhepunkt der Geburtstagsfeier und den Festlichkeiten.
Adolph Kolping, als viertes Kind am 8.12.1813 in Kerpen geboren, wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf, machte eine Lehre und arbeitete bis 1832 als Schuhmachergeselle im erlernten Beruf. Schon auf der Gesellenwanderschaft lernte er die Armut der Handwerksgesellen kennen.
Später, während seines Theologiestudiums (von 1841 bis 1842 studierte er auch in München), lernte er Wilhelm von Ketteler kennen, den späteren Erzbischof von Mainz, und diskutierte mit ihm die drängenden sozialen Fragen seines Jahrhunderts. Nach Empfang der Priestenueihe 1845 arbeitete er in Elberfeld und wurde wieder mit großer Verarmung, elenden Lebensverhältnissen, Unwissen, geistiger Verwahrlosung und Perspektivlosigkeit der Gesellen und Jugend damals konfrontiert. Mithelfen, die Soziale Frage seiner Zeit zu lösen, das wurde nun zu seiner
Lebensaufgabe. 1847 übernahm er einen schon vorher gegründeten katholischen Gesellenverein (ursprünglich ein Gesellenchor,
von einem Lehrer gegründet) und begann, die Gesellen des Vereins auf
ihrer Wanderschaft sozial A) unterstützen, machte Bildungsangebote
und sorgte für familiären (Kolping nennt seine Gesellenhospize,,Familienhäuser") und religiösen Halt der Mitglieder. Familienhäuser waren zugleich Bildungsort, Ort der Krankenpflege, Ort religiöser Unterweisung und Ort der Geselligkeit. Auf eigenen Wunsch nach Köln versetzt, gründete er dort mit sieben Handwerksgesellen
am 6. Mai 1849 den Kölner Gesellenverein. 1851 schloss er die im Rheinland entstandenen Vereine zum,,Rheinischen Gesellenverbund" zusammen. Später nannte sich dieser ,,Katholischer Gesellenverein".
Aus ihm entstand dann später das uns heute bekannte lnternationale
Kolpingwerk. ,,Als Sozialreformer gab Adolph Kolping seinem Werk das geistige Konzept, als Seelsorger die religiöse Mitte, als Publizist die öffentliche Wirkung. Sein Werk....war die praktische Antwort auf die Soziale Frage seiner Zeit. So wurde er zum Wegbereiter der katholischen
Sozialbewegung und zugleich zum Vorläufer der Katholischen Soziallehre. Am 27.1A.1991 wurde Adolph Kolping durch Papst Johannes Paul ll. in Rom selig gesprochen (zitiert aus der Broschüre: ,,Gebete und Liedtexte: Adolph Kolping").
Die Gedanken von Adolph Kolping verbreiteten sich in ganz Deutschland sehr schnell, schon 1851 wurde in München der Katholische Gesellenverein München Mitte gegründet. ln Giesing und der Au waren viele Handwerksbetriebe und wohnten viele Gesellen, die Armut war groß. So war es folgerichtig, dass am 10.01.1869 in Giesing im Gasthof
,,Zum letzten Pfennig" der,,Katholische Gesellenverein, München rechts der lsar" gegründet wurde. Erster Präses und lnitiator war der Kaplan von
Hl. Kreuz in Giesing, Jakob Rathmayr. Aus Gründen der besseren Erreichbarkeit wurde später der ,,Pilgersheimer Garten" in Untergiesing das Vereinslokal. Und weil die Vereinsmitglieder zu wenig Umsatz einbrachten, gab es Streit mit dem Wirt und man zog nochmals uffi, in die
Gastwirtschaft ,,Zt)r Ente" an der oberen Entenbachstraße. Später wurde die ,,Ente" für 18 000 Gulden gekauft und ausgebaut. Sogar die Königin von Schweden und die Grafen von Arco wurden als Spender in den Spenderlisten notiert... !
1870 versorgte der Verein Kriegsverwundete, der Vereinssaal musste dazu
vergrößert werden, über dem Lokal entstand ein Hospiz für wandernde Gesellen, und schließlich wurden auch ein Bühnenhaus und eine Kegelbahn errichtet. Spenden dafür kamen sogar vom Österreichischen
Hof. lm Bühnenhaus wurden biblische Stücke, später Bauernkomödien und Volksstücke, sogar ansPruchsvolle Schauspiele und Dramen aufgeführt.
lm 1. Weltkrieg standen viele Mitglieder an der Front, 22 davon starben oder blieben vermisst. lm Vereinsheim wurden die Kriegsverletzten gepflegt, betreut und zur Unterhaltung zu kostenlosen Theaterdarbietungen
eingeladen. ln der Nachkriegszeit konnten, trotz der sehr hohen Arbeitslosigkeit, wandernde Gesellen
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kostenlos aufgenommen und verköstigt werden. Und das, obwohl die meisten Vereinsmitglieder selbst in die Arbeitslosigkeit gefallen waren.
1933 war eine Zäsur: Der Deutsche Kolpingtag in München im Ausstellungspark wurde von den Nationalsozialisten gewaltsam gesprengt, die Mitglieder verben nicht mehr durchzuführen. ln den Bombennächten
vom 03.10.1943 stürzte das Heim zusammen und verbrannte, am 24.04.1944 wurden Saal und Bühne völlig zerstört. Das Vorderhaus konnte gerade noch gerettet werden. Trotz der Kriegszerstörungen und der daraus resultierenden Not verpflichteten sich einige Altmit glieder im Januar 1946 zum Wiederaufbau. Saal (1949), Bühne (1951) und Heim (1952) wurden provisorisch wiederhergestellt. Neue Mitglieder konnten wieder aufgenommen werden. Nach Übenivindung von Finanzproblemen und schwierigen Grundbesitzfragen und Verhandlungen mit den Behörden konnte dann das neue Jugendwohnheim für 145 Personen 1959 eingeweiht werden. Ab den neunziger Jahren gab große Veränderungen
wieder prügelt, Banner zertelzl. Die Auer Mitglie- München-Au" geworden, da auch der konnten sich zurückziehen Mädchen und Frauen der und fanden dann ihr Vereinsheim Kolping-Gemeinschaft angehören demoliert und zerstört vor; durch können. die politische Überwachung Leider fehlt der Nachwuchs,war ein geregeltes Vereinsleben. Das Haus an der Entenbachstraße wurde dem Kolping-Bildungswerk zur langjährigen
Nutzung übergeben, dle ,,Familie" musste einige interne Turbulenzen durchstehen. Die Satzung wurde zukunftsorientiert aktualisiert. Und aus dem ,,Katholischen Gesellenverein" ist die ,,Kolpingsfamilie und der Altersdurchschnitt der Mitglieder ist hoch. Trotzdem sorgt ein neuer
Vorstand, zusammen mit dem Vorsitzenden Franz Dobmeier, dafür, dass die Kirchengemeinde Mariahilf und die Auer Bürger auch künftig unterstützt werden können, wo es notwendig ist. Diese Hilfe des Vereins hoben alle eingeladenen Festgäste in ihren Reden ganz besonders hervor
und sagten Dank für die Verantwortung, die die Kolpingsfamilie Au seit 1869 im Stadtteil übernommen hat. Entsprechend plante der Vorstand auch die Feier: als Höhepunkt die Enthüllung und die kirchliche Segnung der Statue, anschließend eine Feier, aber bescheiden, in angemessener Form eben.
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Obwohl das Jubiläum tatsächlich erst am 10.01 .2019 gewesen wäre, wählte der Vorstand den 9. Dezember 2018 für den Festakt aus, gerade einmal einen Tag nach der Geburt Kolpings (im Jahr 1813, s.o.).Mit einem großen Bannereinzug der geladenen Gäste begann die kirchliche Feier. Kolping-Diözesanpräeses Monsignore Christoph Huber zelebrierte den Festgottesdienst. Konzelebranten waren Monsignore Rainer BÖck, Stadtpfarrer Michael Schlosser, Pfarrer im Ruhestand Leonhard Huber und Diakon Ernst Heil. lm Mittelpunkt der Feierlichkeit standen die Enthüllung und Segnung der Statue von Adolph Kolping. Geschnitzt wurde sie von Holzschnitzer Ferdinand Stuflesser aus St. Ulrich im Grödnertal (Südtirol), Matthias Hornsteiner hat sie gefasst. Die Statue wurde vom Kolping-Vorsitzenden Franz Dobmeier enthüllt.
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Kolping-Diözesanpräses Monsignore Christoph Huber segnete die Statue.
Der Festgottesdienst wurde musikalisch vom verstärkten Chor der Mariahilfkirche unter der Leitung von Frau Heim ganz hervorragend musikalisch mitgestaltet. Karlheinz Brunner, Diözesanvorsitzender des Kolpingverbandes im Erzbistum München und Freising, überbrachte dem Vorsitzenden Franz Dobmeier noch in der Kirche eine Ehrung des Diözesanverbandes. Etwas überrascht und sprachlos nahm dieser die Ehrung vor der in der Kirche versammelten Gemeinde entgegen.
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Mit einem großen Bannerumzug (19 Fahnen) ging es nach dem kirchlichen Festakt zur weltlichen Feier über den Mariahilfplatz ins Gasthaus ,,Ayinger in der Au" in den sehr festlich eingedeckten und auch weihnachtlich geschmückten Festsaal. Dort übernahm Herr Stadtpfarrer Schlosser die Moderation. Zunächst durften sich die Festgäste dem köstlichen Mittagessen zuwenden. Anschließend hielt der Vorsitzende, Franz Dobmeier, vor ca. 120 geladenen Gästen die Begrüßungsrede. Ihm folgten vom Bundesvorstand aus Köln Reinhold Padlesak (Leitung Kommission ,,SozialpolitiU Soziale Selbstverwaltung"), er brachte eine Ehrung für die Kolpingsfamilie München-Au und für den Vorsitzenden mit. Anschließend sprachen Alfred Maier vom Kolping- Bildungswerk und Karlheinz Brunner vom Diözesanverband.
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Herr Dobmeier ehrte Herrn Stadler für 65 Jahre und Frau Rohwedel für 25 Jahre Mitgliedschaft. Frau Messerer wurde als neues Mitglied begrüßt.
Frau Luise Müller, Schriftführerin und Vorstandsmitglied, überreichte dem Vorsitzenden dann im Namen des Vorstands und aller Familienmitglieder einen Geschenkkorb als Dank und Anerkennung für seine in den letzten Jahrzehnten geleistete Vorstandsarbeit. Abschließend durften sich die Festgäste intensiv dem Kaffee und Kuchen und interessanten Gesprächen hingeben. Die für die weihnachtliche Bedürftigenspeisung aufgestellte Spendenbox fand übrigens regen Zuspruch! Für die Barspenden und die weiteren eingegangenen SpendenÜberweisungen bedanken wir uns ganz herzlich bei den Spendern!
Die Kolpingsfamilie München-Au ist vielfältig mit Mariahilf verbunden: Organisation und Finanzierung von Berggottesdienst und Adventssingen, Mithilfe bei den Pfarrfesten und bei der F1üchlingsarbeit, finanzielle Hilfe für Kinder, Jugend und Ministranten, Mitarbeit bei Faschingsfesten, Organisation von Bildungsfahrten und Ausflügen, die Liste ist lang, und die Unterstützung läuft jeweils im Hintergrund ab und wird von der Öffentlichkeit kaum bemerkt. Der aktuelle Vorstand versucht, diese Hilfe auch in Zukunft leisten zu können und damit Verantwortung für die Auer Bürger und die Gemeindemitglieder in Mariahilf zu übernehmen. Ohne Nachwuchs wird dies künftig sehr schwer werden. Und der Altersdurchschnitt in der Kolpingsfamilie ist sehr hoch....! Hetfen bedeutet Arbeit und Zeitaufwand - trotzdem würden wir uns freuen, Menschen begrüßen zu dürfen, die an unserer Vereinsarbeit Gefallen finden. Ganz besonders würden wir uns über lnteressierte aus der Pfarrei St.Franziskus freuen - schließlich lag ja eines der Vereinsgasthäuser einmal auf jetzigem
Franziskusgebiet. Wir freuen uns auf Sie!

Martin Schmolke, Kassier KolpingsfamiIie München-Au