WILLKOMMEN IM PFARRVERBAND WAAKIRCHEN-SCHAFTLACH

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21. Mai 2020, Christi Himmelfahrt Evangelium: Mt 28,16-20

Als man in Waakirchen Häuser neben die Sparkasse bauen wollte, sagten viele als Argument dagegen: Da wird ja der Blick zur Kirche verstellt.
Das ist natürlich richtig, aber beim Laufen und Spazierengehen fällt mir auf, dass jedes Gebäude in irgendeiner Weise die Sicht verstellt. Das ist völlig normal. Wir Menschen sind dran gewöhnt, dass es Mauern gibt, Zäune und Hecken, die uns die Sicht nehmen. Das ist normal, und es ist in Ordnung. Grenzen gehören zum Leben dazu.

Christi Himmelfahrt ist das Fest der Entgrenzung. Himmelfahrt bedeutet, dass Christus die Grenzen des Irdischen überwindet. Er lebt – jenseits von Zeit und Raum – um immer für uns da zu sein. Freilich ist das Bild von einem Christus, der nach oben schwebt, nur eine symbolische Vorstellung, denn wir wissen längst, dass der Himmel nicht einfach ein Raum über dem Sternenhimmel ist. Aber es birgt auch eine tiefere Wahrheit.

Reinhard Mey hat das wunderbare Lied geschrieben: Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein. Wenn man aus dem Flugzeug auf die Erde schaut, sieht man wie wir die Erde, nur wird unsere Sicht nicht durch Mauern, Zäune und Hecken eingeschränkt. Wir sehen eine Landschaft ohne Grenzen. Raumfahrer erzählen, wie kostbar, wertvoll und verletzlich ihnen unser Planet aus der Weite des Weltalls erschienen war.

So glaube ich, dass es manchmal gut tut, die Perspektive zu ändern. Einen anderen Blickwinkel einzunehmen. Dann entdecken wir, dass unsere Grenzen und Begrenzungen, die für uns so unüberwindlich und wichtig scheinen, ihre Bedeutung verlieren. Welche Grenzen können wir abbauen? Wo können wir Vorurteile hinterfragen und ggf. korrigieren. Wie können wir uns in einen anderen Menschen hineinversetzen, um sein Handeln zu verstehen, bevor wir es verurteilen? In den katholischen Gottesdiensten wird heute gebetet: „Gib uns durch diese heilige Feier die Gnade, dass wir uns über das irdische erheben und suchen, was droben ist.“ (Gabengebet der Messfeier) So können wir unseren Beitrag leisten.

Ihr Pfarrer Stephan Fischbacher