Bereits Anfang 2020 wurde mit einem Workshop von PVR und HPA im Kloster Scheyern mit der Erstellung eines Pastoralkonzeptes begonnen. Der Prozess mußte aufgrund der Corona-Pandemie leider abgebrochen werden.
Im Jahr 2024 wurde zusammen mit Pfarrer Merkle mit der Erstellung eines Pastoralen Leitbildes begonnen. Die Entwicklung fing mit einem Einkehrtag an und erfolgte anschließend in mehreren Workshops.
19./20. Januar 2024 Aschau am Inn
16. März 2024 St. Stephanus, Hohenbrunn
13. April 2024 St. Otto
19. Oktober 2024 St. Albertus Magnus
26. April 2025 St. Magdalena
25. Oktober 2025 Keferloh
Das Pastorale Leitbild wurde in der nachstehenden Version am 3. Februar 2026 vom Pfarrverbandsrat verabschiedet.
Ikone (Detail) im griech.-orthodoxen Kloster über dem Jakobsbrunnen bei Nablus, Westjordanland
In mehreren gemeinsamen Workshop-Tagen haben sich die Mitglieder des Pfarrverbandsrates Vier Brunnen – Ottobrunn in der Wahlperiode 2022-2026 zusammen mit Vertretern der Kirchenverwaltungen bzw. des Haushalts- und Personalausschusses mit der Frage eines gemeinsamen Leitbildes und einer Vision für die Zukunft beschäftigt.
Als Grundlage dafür diente insbesondere der biblische Text aus dem 4. Kapitel des Johannesevangeliums, in dem die Begegnung Jesu mit der samaritischen Frau am Jakobsbrunnen geschildert wird.
Brunnen waren immer schon Orte, die lebenswichtig waren (Wasserquellen). Jeder ging ganz selbstverständlich dorthin, und dadurch wurden sie zu Orten der Begegnung und des Austausches. Wie in den biblischen Brunnengeschichten sehen wir auch unseren Pfarrverband als eine Gemeinschaft, die sich um verschiedene historisch geprägte „Brunnen-Orte“ versammelt.
So wie Brunnen zu unterschiedlichen Zeiten errichtet wurden, unterschiedlich gebaut wurden und unterschiedlich aussehen, so sind auch die Pfarreien und Kirchen unseres Pfarrverbands zu unterschiedlichen Zeiten errichtet worden und unterschiedlich geprägt – von den mehr oder weniger tausendjährigen Orten Hohenbrunn, Putzbrunn, Grasbrunn und Keferloh bis zu den modernen Pfarrgemeinden Ottobrunns, welche erst im 20. Jahrhundert entstanden sind. Dementsprechend unterschiedlich ist auch die Bevölkerung in diesem Raum strukturiert, von ländlich und landwirtschaftlich geprägten Gebieten bis hin zu den großstädtischen Siedlungsbereichen des sogen. Münchner „Speckgürtels“.
Der aktuelle Pfarrverband Vier Brunnen – Ottobrunn wurde am 1. März 2019 durch Zusammenlegung der bereits bestehenden Pfarrverbände Vier Brunnen (St. Magdalena Ottobrunn, St. Stephanus Hohenbrunn und St. Stephan Putzbrunn) und Ottobrunn (St. Otto und St. Albertus Magnus) errichtet. Der daraus entstandene große pastorale Raum stellte alle Pfarreien vor die Herausforderung, sich neu zu orientieren und sich auf die Suche nach einem gemeinsamen Verständnis zu machen. Der deshalb angestoßene Prozess, ein Pastoralkonzept zu entwickeln, wurde leider durch die Corona-Pandemie ausgebremst. Mit den Wechseln in der Leitung des Pfarrverbands wurde in den Jahren 2023 und 2024 die Dringlichkeit eines zukunftsfähigen Konzeptes neu bewusst und dementsprechend der Prozess mit neuem Elan wiederaufgenommen.
Laut Schematismus leben im Pfarrverband aktuell rund 11.400 Katholiken [Stand 01/26] in einer Gesamtbevölkerung von ca. 40.000 Einwohnern. Die Katholiken verteilen sich wie folgt auf die verschiedenen Pfarreien:
St. Otto, Ottobrunn: 2386
St. Magdalena, Ottobrunn: 3583
St. Albertus Magnus, Ottobrunn: 1579
St. Stephanus, Hohenbrunn: 1066
St. Stephan, Putzbrunn: 2784.
Jesus begegnet der Samariterin am Brunnen. Er will auch uns im Pfarrverband Vier Brunnen - Ottobrunn begegnen, an jedem einzelnen dieser Brunnen und in der Gemeinschaft des Pfarrverbands. Er will uns ansprechen und mit dem Wasser des Lebens stärken.
Der Brunnen ist und war schon immer ein fester und erkennbarer Ort, zu dem alle Zugang haben, der für alle offen ist. Er lädt ein zu vielfältigen Begegnungen, zum Kennenlernen, zu Gespräch, Freude und Feiern. Hier lassen sich neue Erkenntnisse und Erfahrungen gewinnen. In unserem Pfarrverband können wir alle auf vielfältige Weise und in gegenseitiger Ergänzung zum Schöpfen und auch zum Weitergeben des Wassers beitragen, so dass an unseren „Brunnen“ auch suchende Menschen die Erfahrung machen können, mit Jesus Christus in Berührung zu kommen.
So soll unser Pfarrverband ein lebendiger Ort der Gemeinschaft werden. Wie Jesus der Samariterin wollen auch wir einander auf Augenhöhe, mit Offenheit, Toleranz und Respekt begegnen. Der Glaube an Jesus Christus, die Begegnung mit ihm, das von ihm geschenkte Wasser des Lebens verbindet und begeistert/motiviert uns. Unser Pfarrverband gibt uns einen verlässlichen Rahmen mit seinen verschiedenen Brunnen, aus denen wir Erfahrung, Sicherheit und Struktur für unser Handeln aus dem Glauben schöpfen, damit in Anlehnung an Johannes 4,14 erfahrbar wird:
„Das Wasser, das ich euch gebe, wird in euch zu einer Quelle werden, deren Wasser ins ewige Leben fließt.“
Organisation und Zusammenarbeit im Pfarrverband werden durch eine Reihe vorteilhafter Merkmale unterstützt:
Auf breiter Basis wurde im Pfarrverband dieses Leitbild erarbeitet und abgestimmt, das als Vision für die weitere Ausrichtung und für die künftigen Aktivitäten verwendet wird.
Der Pfarrverband mit seinen Pfarreien ist personell für seine seelsorgerischen Aufgaben gut aufgestellt und kann sich auf ein breites ehrenamtliches Engagement stützen. Die haupt- und ehrenamtlich tätigen Kräfte sind gut miteinander vernetzt und stimmen sich bei ihrer Arbeit untereinander ab.
Die Pfarreien des Pfarrverbands verfügen über eine gut gepflegte Infrastruktur mit vielfältig gestalteten Sakralbauten und zahlreichen Räumlichkeiten unterschiedlicher Größe und Ausstattung, die allesamt für das lebendige Gemeindeleben mit seinen Gremien, Arbeitskreisen und sozialen Aktivitäten unverzichtbar sind.
Alle Pfarreien des Pfarrverbands sind mit einem guten Fahrplanangebot per Bus bzw. per S-Bahn erreichbar und weisen Abstellmöglichkeiten für Fahrräder und Autos auf. In den einzelnen Pfarreien ist die Zugehörigkeit zum Pfarrverband erkennbar.
Die Pfarreien im Pfarrverband umfassen ein breites Spektrum aus städtisch wie ländlich geprägten Gemeindemitgliedern, auch aus verschiedenen Ländern und Kulturen. Es herrscht eine spürbar positive und offene Atmosphäre, in der unterschiedliche geistliche Strömungen erkennbar sind und respektiert werden.
In jüngster Zeit kommen sich die Pfarreien im Pfarrverband und ihre Mitglieder bewusst näher durch gemeinsame Aktivitäten, wie z.B. gemeinsame Fronleichnamsfeier, Pfingst- und Rorategottesdienste sowie unlängst die Pilgerfahrt nach Rom im November 2025, und erkennen dabei im Pfarrverband einen hilfreichen Mehrwert über die eigene Pfarrei hinaus. Das Monatsheft des Pfarrverbands und der Webauftritt vermitteln organisatorisch wie spirituell ein gutes Gefühl des Zusammenhalts sowohl innerhalb der einzelnen Pfarreien wie auch im Pfarrverband. Dies wird unterstützt durch einen eigenen Instagram-Account, der von jungen Gemeindemitgliedern ins Leben gerufen wurde.
Die Pfarreien im Pfarrverband realisieren ein vielfältiges, gut genutztes Kultur- und Bildungsangebot und bieten Raum für vielfältige Kirchenmusik, die zu den lebendigen Gottesdiensten beiträgt, und für bemerkenswerte Aufführungen und Konzertreihen. Es besteht ein breites Spektrum von engagierten Arbeits- und Bibelkreisen, Angeboten für die Senioren, für Ministranten und Kinder, sowie zahlreiche Aktivitäten in der Ökumene und im interreligiösen Dialog.
Kinder und Jugendliche sind in den Gottesdiensten wahrnehmbar, nicht zuletzt durch viele Ministrierende. Kinder- und Familiengottesdienste werden regelmäßig angeboten und gerne besucht. Die Jugend ist sehr gut vernetzt und organisiert. Sie bietet z.B. Jugendfreizeiten, Ministranten-Zeltlager und weitere Aktivitäten an, die gerne von den Ministrierenden aller Pfarreien im gesamten Pfarrverband angenommen werden. Darüber hinaus gibt es Pfadfinderaktivitäten in einigen Pfarreien.
Die Zusammenarbeit mit Schulen und Kindergärten ist in den einzelnen Pfarreien unterschiedlich ausgeprägt.
Ein Verbesserungspotenzial besteht im Wesentlichen im Bereich der Kommunikation und Transparenz in Bezug auf Aktivitäten von Arbeitsgruppen in den einzelnen Pfarreien.
Zwar bieten Monatsheft und Internetauftritt aktuelle und detaillierte Informationen, jedoch im Wesentlichen gestützt durch Initiative und Eingaben der einzelnen engagierten Vertreterinnen und Vertreter der jeweiligen Gruppierung. Verschiedenste Aktivitäten werden meist vernetzt geplant und kommuniziert, teilweise über mehrere Pfarreien hinweg oder ökumenisch noch darüber hinaus, andere nicht minder wertvolle Aktivitäten laufen möglicherweise eher am Rande und werden im Pfarrverband kaum oder nicht wahrgenommen, z.B. im Bereich der Jugendarbeit. Manche kurzfristige Änderung im Aktivitätenplan ist nicht oder nur mühsam kommunizierbar wegen der unvermeidlichen Redaktions- und Bearbeitungszeiten.
Treten neue Mitglieder durch Zuzug in eine der Kirchengemeinden ein, sind das Monatsheft und insbesondere der Internetauftritt das Medium der ersten direkten Ansprache. Eine unmittelbare Kontaktaufnahme entsteht möglicherweise eher zufällig aus einzelner persönlicher Initiative heraus; eine besser etablierte Willkommenskultur könnte hilfreich sein, z.B. aktiv auf neue Gottesdienstbesucher zugehen, ansprechen und einladen, Umtrunk/Kirchencafé nach dem Gottesdienst, Neuzugezogene und Taufeltern/Täuflinge begrüßen.
Insgesamt könnten die grundsätzlich gut eingeführten Kommunikationsmedien Monatsblatt, Aushänge, Internetauftritt und Instagram-Account den übergreifenden Austausch noch etwas besser unterstützen und die Aktivitäten innerhalb der Pfarreien für alle transparenter darstellen, insbesondere auch die Belange und Aktivitäten der Jugend und jungen Familien.
Eines ist unseren „Brunnen“ auf jeden Fall gemeinsam: sie sind und bleiben verlässliche Mittelpunkte, die zum Zusammenkommen einladen und in ihrer unterschiedlichen Prägung einen vielfältigen Reichtum darstellen. Der gemeinsame Glaube an Jesus Christus als Quelle des Lebens verbindet die einzelnen Brunnen. Christus selber ist das lebendige Wasser, das aus den Brunnen geschöpft werden kann. Dieses soll für alle Menschen, die hier leben, gleichermaßen zugänglich sein. Daran soll sich unser zukünftiges pastorales Handeln ausrichten und für die konkrete praktische Umsetzung dieser Vision möchten wir uns alle miteinander im Pfarrverband und in den einzelnen Pfarreien einsetzen.