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Beer: Kirche steht beim Thema Missbrauch noch am Anfang

„Das wird schmerzhaft werden, es wird sich das Gesicht der Kirche ändern"
Generalvikar Peter Beer
Generalvikar Peter Beer. (Foto: EOM/Kiderle)
Ohlstadt, 12. Oktober 2018. Der Generalvikar des Erzbischofs von München und Freising, Peter Beer, sieht die Kirche angesichts des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger vor historischen Veränderungen: „Ich bin der Überzeugung, dass jetzt die Kraft, der Mut, der Schwung, auch der Druck da ist, dass wir, jeder an seiner Stelle, in Gang kommen, um etwas zu verändern", sagte Beer bei der Vollversammlung des Diözesanrats der Katholiken der Erzdiözese am Freitag, 12. Oktober, in Ohlstadt im Landkreis Garmisch-Partenkirchen. „Der Gott der Geschichte, wenn es ihn denn gibt, hat uns kräftig in den Hintern getreten. Das war offenbar notwendig."

„Man kann es sich gemütlich machen im Zorn, in der Macht, in der Enttäuschung", warnte der Generalvikar: „Aber ich glaube, es ist jetzt die Stunde, nicht schwarz zu sehen, sondern es ist der Beginn einer neuen Zukunft. Das wird schmerzhaft werden, es werden geliebte Gewohnheiten verlorengehen, es wird sich das Gesicht der Kirche ändern, es wird eine Form von Kirche sein, die wir erst suchen müssen." Er gehe davon aus, dass die Kirche beim Umgang mit sexuellem Missbrauch erst am Anfang stehe, „nicht am Ende, nicht in der Mitte".

Die Kirche dürfe sich nicht vormachen, dass es ausreiche, aufzuklären und Missbrauchs- und Präventionsbeauftragte zu haben, so Beer: „Die Strukturen, die Haltungen, die systematischen Gründe, die sich hinter der Missbrauchsthematik und vor allem dem Umgang damit verbergen, die bestehen ja weiterhin und wirken auch in anderen Bereichen." Der Generalvikar nannte unter anderem die Tendenz, Schwierigkeiten „unter uns" zu regeln, „das Nichtglauben gegenüber den Missbrauchsopfern, das Beschwichtigen der Situation vor Ort" sowie „den schnellen Übergang von Schuld zu Barmherzigkeit, ohne Sühne, ohne Wiedergutmachung, ohne Buße. Das sind Tendenzen, da müssen wir sehr genau hinschauen und in allen Bereichen aufpassen."

Der Diözesanrat der Katholiken ist das oberste Laiengremium der Erzdiözese. In die Vollversammlung werden Vertreter der Dekanatsräte, die sich wiederum aus Vertretern der Pfarrgemeinderäte zusammensetzen, sowie Vertreter der katholischen Verbände und Organisationen entsandt. Die rund 160 Teilnehmer der konstituierenden Vollversammlung in Ohlstadt, die noch bis Samstag, 13. Oktober, dauert, wählen einen neuen Vorstand für den Diözesanrat und tauschen sich mit Stefan Vesper, Generalsekretär des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, aus. (gob)