Inspirierend, informativ, kostenlos: Die Ehevorbereitungskurse des Erzbistums Die Themen reichen von der Gottesdienstgestaltung bis zur Paarkommunikation

Noch sechs Monate, dann stehen beide endlich vor dem Altar und trauen sich. Sie heiraten. Mit Gottes Segen. Als Tanja Anfang des Jahres nach längerer Zeit wieder einen Gottesdienst besucht und zwischen Arbeits- und Vorbereitungsstress kurz durchschnaufen kann, kommt sie ins Grübeln. 
Paar, in Vorfreude auf Hochzeit
Die Vorfreude auf die Hochzeit ist zwar riesig, aber viele Fragen sind im Vorfeld noch offen. Der Ehevorbereitungskurs des Erzbistums hilft, sie vorab zu klären.
Die 33-jährige Grundschullehrerin fragt sich, ob die anstehende Hochzeit nur eine große Feier mit Freunden und Verwandten wird – oder ihr doch mehr bedeutet? Was ändert sich für sie als Paar, dass sie sich vor dem Altar das Ja-Wort geben? Wie kann der Gottesdienst persönlicher gestaltet – und wie können Verwandte und Freunde dort stärker eingebunden werden? Und können sie mitten in der Corona-Pandemie eine solche Feier im nächsten Jahr überhaupt durchführen? Beim Traugespräch macht sie der Seelsorger auf die freiwilligen Angebote des Erzbistums zur Hochzeits- und Ehevorbereitung aufmerksam, die von erfahrenen Pastoralreferenten, Kommunikationstrainern und Psychologen als Kursleiter durchgeführt werden. Für die Paare selbst sind die Kurse kostenlos, da sie aus Kirchensteuermitteln gefördert werden (nur das Mittagessen im Gasthaus muss selbst bezahlt werden). Angeboten werden:
 
  • „Wir trauen uns“: Ganztägige Ehevorbereitungskurse (meist samstags);
  • „Ehe bauen“: eineinhalbtägige Ehevorbereitungskurse (freitagabends und samstags);
  • „Du bist ein Segen für mich“: Wochenendseminare an besonderen Orten, mit viel Zeit für Gespräche, Kreativität und religiöse Fragen.  keiner Religion angehört. Diese Kurse werden in Zusammenarbeit mit Bildungshäusern wie dem Petersberg und Benediktbeuren angeboten; hier gehört auch immer ein Pfarrer zum Referententeam, mit dem u.a. ausführlich die Frage besprochen werden kann, wie im Traugottes-dienst und im späteren Eheleben die Sehnsucht nach dem Segen Gottes zur Sprache kommen und gelebt werden kann.  
  • Wer möchte, kann sich auch im Hochseilgarten oder im Kanu auf dem Kochelsee auf das Abenteuer Ehe vorbereiten – im Wochenendkurs „Ehevorbereitung – einmal anders“.
Darüber hinaus bietet das Erzbistum Kurse für evangelisch-katholische Paare an – und für solche, bei denen einer der Partner keiner Religion angehört. 

Tanja und Stephan melden sich für den Tageskurs „Wir trauen uns“ an, von dem rund 50 im Jahr angeboten werden – und werden am Ende positiv überrascht sein, was sie dort alles zu hören bekommen.
Ihre Geschichte teilen sie mit vielen Paaren, die sich dort anmelden: Seit fünf Jahren sind sie zusammen, seit drei leben sie glücklich in München zusammen. Mit Mitte 30, nach dem Studium und ersten Berufsjahren, fühlen sie sich bereit dazu, das Sakrament der Ehe einzugehen und in den nächsten Jahren eine Familie zu gründen. Nachdem ihnen auch ihre Eltern ständig in den Ohren liegen, wollen sie den nächsten Schritt gehen.
 

Die Themen reichen vom Gottesdienst bis zur Konfliktbewältigung

An einem Samstag im November treffen sie sich morgens um 9 Uhr mit fünf anderen Paaren im Gemeindehaus in Moosach. Drei davon sind etwa gleichalt und noch kinderlos, eines ist Ende 20, eines hat mit Anfang 20 gerade seine Ausbildung beendet und bereits ein Kind. Eine solche Zusammensetzung sei typisch, verrät Kursleiter Markus Reischl. Der 45-jährige verheiratete Vater von zwei Kindern hat Theologie studiert und war rund 20 Jahre als Pastoralreferent in einer Freisinger Pfarrei tätig. Seit zehn Jahren ist er für die Ehevorbereitung- und -begleitung im Erzbistum tätig, seit Anfang 2020 leitet er die Familien- und Erwachsenenpastoral.
Im gut gelüfteten Tagungsraum ist ein Stuhlkreis aufgebaut, mit ausreichend Platz zwischen den Paaren und dem Leiter. In der Mitte stehen Blumen, ein buntes Tuch ist auf dem Boden ausgebreitet. Nach der Begrüßung und Vorstellungsrunde möchte Markus Reischl zunächst wissen, warum sie sich überhaupt zu diesem Kurs angemeldet haben und was sie sich davon versprechen. Die Antworten reichen wie bei Tanja von praktischen Tipps und Anregungen für die Hochzeit bis zu einer noch intensiveren Vorbereitung, um in ihrer Ehe den Segen Gottes entdecken zu können.  
Folgende Themen erwarten sie:
 
  • Die (Mit-)Gestaltung der kirchlichen Trauung;
  • „Was hat Gott mit unserer Partnerschaft zu tun?“ – das Ehesakrament;
  • Partnerschaftliche Gestaltung der Beziehung – Erwartungen und Wünsche an den anderen;
  • Der Umgang mit Konflikten und Streit in der Beziehung;
  • Zärtlichkeit und Sexualität;
  • Mit Kindern leben – das Thema „Verantwortete Elternschaft“. 

„Viele sind positiv überrascht von der Begegnung mit der Kirche“

Kirchgang, für Hochzeit geschmückt
Anschließend sprechen sie über den Ablauf der kirchlichen Trauung, die Bedeutung der einzelnen Elemente, die Grundsätze des Ehesakraments und warum die Ehe auch für die Kirche etwas Besonderes ist – Dinge also, die bei den langen Vorbereitungen für die Hochzeitsfeier schon mal in Vergessenheit geraten können. An dieser Stelle versucht er, das Thema Glauben und Kirche bewusst zu machen und die Frage zu klären, wie man die Ehe christlich leben kann. „Die Kirche hat ähnliche Interessen wie die Paare selbst – Beständigkeit, Treue, Vertrauen und Verlässlichkeit“, erklärt Markus Reischl. „Manche Teilnehmer sind positiv überrascht von der Begegnung mit der Kirche in diesen Kursen, das ist vielen von ihnen nicht mehr bewusst. Viele sind dankbar dafür, dass sie alles noch einmal erklärt bekommen.“
Als Nächstes breitet der Leiter Karten mit insgesamt 20 Begriffen vor ihnen aus, um ein „Ehehaus“ zu bauen. Bei diesem beliebten Baustein sollen sich die Paare Gedanken über ihre Erwartungen an die Ehe machen. Sowohl Tanja als auch Stephan wählen jeweils fünf Karten aus, darunter die Begriffe „Einander alles verzeihen“, „Gemeinsam beten“, „Liebevoll und zärtlich sein“, „Ein Leben lang die Treue halten“ und „Dem Partner Freiheit lassen“. Die Paare sprechen für sich die einzelnen Punkte durch und gewichten sie. Anschließend sollen sie aus den zehn Karten ihr „Ehehaus“ bauen – mit Grundmauern, Decken, Dachstuhl, Balkon etc.
Bei der anschließenden „Hausbesichtigung“ stellen sie den anderen ihr Haus vor und erklären kurz, warum sie sich genau für diesen Aufbau entschieden haben. Tanja ist erleichtert: Sie waren sich schnell einig, dass Treue, Zärtlichkeit und das gemeinsame Gebet das Fundament ihrer Ehe bilden sollen. Nur die Freiheit ist für sie der hübsche „Balkon“, während sie für ihn eine tragende Wand bedeutet. Ob das zum Problem werden kann, werden sie wohl erst in einigen Jahren wissen.
 

Konkrete Kommunikation statt abstrakte Vorwürfe

Paar im Gespräch, vor Glasscheibe
Nach einer kurzen Kaffee- und Verschnaufpause steht der Programmpunkt „Kommunikation in der Ehe“ an. Nach der Einführung in wichtige Kommunikationsgrundsätze für Partnerschaften wie
  • Ich- statt Du-Botschaften;
  • Konkrete Ansagen statt Allgemeinplätze verwenden und mit Beispielen aus dem Alltag unterfüttern;
  • Worte für die eigenen Gefühle finden
versuchen sie, das Gehörte in kleinen Übungen zu vertiefen und zu verinnerlichen. So sollte Tanja Postkarten-Motive beschreiben, die Stephan nicht sehen durfte. Wie wichtig – und schwierig – Kommunikation ist und wie schnell es auch unter Partnern zu Missverständnissen kommen kann, die sich gut kennen, zeigte sich daran, dass er sich fast alle Motive anders vorgestellt hatte. Ganz anders.  
 
Das Mittagessen nehmen sie alle zusammen in einem nahe gelegenen Gasthaus ein und nutzen die Gelegenheit, mit den anderen Paaren ins Gespräch zu kommen.
Nach der Pause ziehen sich die Paare in eine Ecke des Raumes zurück. Denn die nächste Aufgabe ist nur für die Ohren des Partners bestimmt: Jeder soll sich Gedanken machen, was ihm am anderen besonders gut gefalle, die Ergebnisse sollen am Ende mit nach Hause genommen werden.  
Tanja ist überrascht, wie schwer es ihr fällt, ihre Liebe zu Stephan auf den Punkt und aufs Papier zu bringen. Sie sagt ihm, wie wichtig es ihr ist, dass er so fürsorglich ist und sie von Anfang an als gleichberechtigten Partner ernstgenommen hat – sowohl was den Beruf als auch was die Aufgaben im Haushalt angehen. Sie freut sich auf die gemeinsamen Kinder, möchte aber auch, dass sie sich die Aufgaben teilen. Sie hat keinen Zweifel daran, dass er das genauso sieht wie sie. Und: Sie liebt es, dass er sie immer wieder zum Lachen bringt – eine wichtige Voraussetzung für eine harmonische Ehe, findet sie.
 

„Einmal kurz durchatmen und keine Entscheidungen treffen müssen“

Am späten Nachmittag erhalten sie nochmals die Gelegenheit, mit Markus Reischl praktische Fragen zu klären und dabei von seiner langjährigen Erfahrung zu profitieren. Tanja weiß jetzt endlich, wie sie den Gottesdienst gestalten möchte, und auch für die Hochzeitsfeier selbst, die im nächste Jahr hoffentlich stattfinden kann, nimmt sie die eine oder andere gute Empfehlung mit.
Seit September 2020 werden die Ehe-Vorbereitungskurse des Erzbistums wieder regelmäßig angeboten, nach der Corona-bedingten Unterbrechung im Frühjahr und Sommer. Viele Fragen drehen sich inzwischen um solche Aspekte – wie viele Gäste sind in Zeiten von Corona überhaupt erlaubt? Welche Besonderheiten bringt die Pandemie mit sich? Welche Erfahrungen haben andere Paare in dieser Zeit gemacht? Markus Reischl und seine Kolleginnen und Kollegen der anderen Kurse stehen auch dafür bereit und versuchen, alle Fragen so gut wie möglich zu beantworten.
Am Ende fällt das Feedback der Teilnehmer auch bei diesem Kurs positiv aus – wie fast immer in den letzten zehn Jahren. „Viele Paare schätzen an unserem Angebot, dass sie mitten in der heißen Vorbereitungsphase auch mal keine Entscheidungen treffen müssen, sondern einen ganzen Tag lang Zeit für sich haben. Sie können durchschnaufen, erhalten wertvolle Impulse auch für sich als Paar, machen gute Übungen und kommen mit anderen ins Gespräch.“ Tanja und Stephan jedenfalls sind froh, dass sie diesen Tag investiert haben. Sie fühlen sich darin bestärkt, dass ihnen ihr gemeinsamer Glaube und die Kirche wichtig sind, dass sie sich aufeinander verlassen können und dass sie auf die Stürme des Alltags vorbereitet sind. Alles andere wird sich mit Gottes Hilfe schon fügen.
 
Text: Christian Horwedel, Freier Mitarbeiter

Ehevorbereitung und -begleitung
Schrammerstr. 3
80333 München
Telefon: 089 2137-1549
Fax: 089 2137-1781
Ehevorbereitung(at)eomuc.de
http://www.ehevorbereitung-muenchen.de
http://www.ehe-und-familie.info
http://www.beziehungsschule-muenchen.de

Fachbereichsleiter:
Markus Reischl, Pastoralreferent und Kommunikationstrainer

Referenten in der Ehevorbereitung und -begleitung:
Robert Benkert, Pastoralreferent und Eheberater
Elisabeth Hausa, Pastoralreferentin und Eheberaterin
Robert Seisenberger, Pastoralreferent,
Paar- und Familientherapeut

• Hochzeits- und Ehevorbereitungskurse
• Kommunikationstraining EPL für junge Paare
• Beratung u. Begleitung zum Thema kirchliche Trauung
• Beziehungsschule und Partnerschaftsvorbereitung in Schulen
und anderen Einrichtungen

Zum Kursangebot

Hier finden Sie eine Übersicht zum Kursangebot des Erzbistums zur Ehevorbereitung.

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Trau dich!

Das Erzbistum ist trotz Corona am 24.+25.10. auf der diesjährigen Hochzeitsmesse Trau dich! in München vertreten. Alle Infos gibt es hier ...

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