“Hab keine Angst!“ - Gedanken zu den Tagesevangelien für die Woche vom 4. April bis 10. April 2021

NGO-Mitarbeiter verteilen Brot an Flüchtlinge im Lager von Eleona.

Ostersonntag - 4. April

Es ist ein Widerspruch, Ostern zu feiern, und auf der anderen Seite Flüchtlinge abschieben zu wollen. Für uns Christen gilt: Es ist unmöglich, den Auferstandenen berühren zu wollen und gleichzeitig Menschen in Not von sich wegzuhalten. Nein, es geht nur Hand in Hand: Um dem Auferstandenen zu begegnen, müssen wir bereit sein, auch einem Flüchtling in die Augen zu schauen und ihn in den Arm zu nehmen. (Joh 20,1–9)
 

Ostermontag - 5. April

Für uns alle ist es eine Versuchung, unter uns bleiben zu wollen. Wir müssen aber hinaus. Auf dem Weg werden uns wie den Emmaus-Jüngern die Augen aufgehen. Besonders dann, wenn wir die, die am Wegesrand liegen, nicht übersehen: die Verwundeten, die Vertriebenen, die Alleingelassenen, die Kranken. Wenn wir das Brot mit ihnen brechen, werden uns die Augen aufgetan und wir werden in ihnen den Auferstandenen erkennen. (Lk 24,13–35)
 

Dienstag - 6. April

„Hab keine Angst! Fürchte dich nicht! Ja, nicht einmal vor dem Tod.“ In diesen wenigen Worten könnte man die ganze Osterbotschaft zusammenfassen. Aber nicht als einen Imperativ. Sondern als eine Gewissheit, dass durch Jesu Auferstehung alles Dunkle unseres Lebens bis hin zum Tod seinen Schrecken verloren hat. Diese Gewissheit werden wir umso mehr gewinnen, je mehr wir selbst die von Not und Angst Gebeutelten in unsere Arme nehmen. (Mt 28,8–15)
 

Mittwoch - 7. April

Als ich Leiter des Münchner Priesterseminars war, habe ich die jungen Männer ermuntert, sich mit Kopf und Verstand mit dem Glauben auseinanderzusetzen. Im Laufe meines Lebens ist mir aber immer mehr das Herz wichtig geworden. Nur mit einem kühlen Blick von außen werden wir niemals dem Auferstandenen begegnen. Lassen wir wie Maria von Magdala unser Herz vorangehen. Dann wird auch unser Verstand folgen. (Joh 20,11–18)
 

Donnerstag - 8. April

Nicht enden wollende Skandale scheinen der Kirche den Todesstoß zu versetzen. Alle Mittel, diesem Prozess etwas entgegenzustellen, wirken vergeblich. Worauf sollten wir dann zurückkommen? So simpel es klingt: Es wird nicht gehen ohne die Freude, von der die Jünger nach Jesu Auferstehung erfüllt waren. Nur eine Kirche der Freude, der Einfachheit und der Barmherzigkeit wird überleben. Weil sie so die Kirche Christi ist. (Lk 24,35–48)
 

Freitag - 9. April

Im heutigen Evangelium erkennen die Jünger Jesus, als er das Brot mit ihnen bricht. Der Ökumenische Patriarch Athenagoras bemerkte einmal zur Zukunft der Kirche: „Der Kelch und das Brotbrechen – eine andere Lösung gibt es nicht“. Wenn das stimmt, müssten wir dann nicht alle Sorgfalt auf die Feier der Eucharistie legen? Wenn es wahr ist, dass es nur die Lösung im Brotbrechen gibt, sollte man jene nicht zu sehr an der Kirche herumdoktern lassen, denen das Brotbrechen fern ist. ( Joh 21,1–14)
 

Samstag - 10. April

Auch uns muss der Glaube schon einmal durch Mark und Bein gegangen sein. Vielleicht ist die Voraussetzung für all das wie bei Maria von Magdala das verletzte Herz, das geschundene Leben. Warum sollte sich einer, dem alles in dieser Welt gegeben ist, von Jesus anrühren lassen? Wer aber den Auferstandenen liebt, weil er ihn wieder auf die Beine gestellt hat, den wird es zu denen drängen, die jetzt seine Liebe brauchen: zu den benachteiligten Menschen in unserer Gesellschaft. (Mk 16,9–15)

Monsignore Rainer Boeck
Text: Monsignore Rainer Boeck, Diözesanbeauftragter für Flucht, Asyl, Migration und Integration im Erzbistum München und Freising, entnommen aus Münchner Kirchenzeitung vom 4. April 2021, Nr. 14

 
Einen ausführlichen Impuls zum jeweiligen Tagesevangelium hören Sie im Münchner Kirchenradio (MKR) montags bis freitags gegen 12.50 Uhr in der Sendung „München am Mittag“, samstags und sonntags zwischen 12 und 15 Uhr sowie zwischen 19 und 22 Uhr in der Sendung „MKR am Wochenende“.

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