Erster Adventssonntag – 30. November
„Abwarten und Tee trinken“ klingt nach adventlicher Gemütlichkeit, nach der warmen Tasse Tee am Kaminofen. Die Worte der Adventsliturgie allerdings sprechen von Unruhe und Krieg, vom Weltuntergang. Pater Alfred Delp schreibt: „Adventliche Menschen warten nicht auf das Christkind, sondern auf die Ankunft des Herrn – und sie handeln.“ Der Advent ist die Zeit für neue Handlungsimpulse, die mich auffordern, am Reich Gottes mitzubauen, das mit Jesus angebrochen ist, aber noch nicht „fertig“ ist. Jesus braucht auch heute Mitwirkende für sein Reich. (Mt 24,29–44)
Montag – 1. Dezember
Ausgerechnet den Sohn eines römischen Hauptmanns heilt Jesus – allein durch seinen Befehl. Einen solchen Glauben hat Jesus in Israel, beim auserwählten Gottesvolk, noch nicht gefunden. Jesus hält sich nicht an die Regeln religiöser Führer und Gruppen, sondern erhört die Bitte dessen, der im Augenblick zu ihm ruft und an ihn glaubt – unabhängig von seiner Herkunft. (Mt 8,5–11)
Dienstag – 2. Dezember
Weise und kluge Menschen mögen vieles erkennen und beweisen. Dass aber im Sohn Gottes der Vater sichtbar und hörbar ist – als Brücke zu den Menschen –, ein solches Verständnis von Gott war schon zur Zeit Jesu revolutionär und provozierend. In der Advents- und Weihnachtszeit nähern wir uns diesem Wunder. Die Kinder erfassen es als Erste. Jesus ermuntert uns, sie in dieser Haltung zum Beispiel zu nehmen. (Lk 10,21–24)
Mittwoch – 3. Dezember
Jesus setzt sich mit Sündern an den Tisch, meidet die Einladung von Reichen und Angesehenen und blickt auf die, die vergessen werden oder an den Tafeln der besseren Gesellschaft nichts zu suchen haben. Tischgemeinschaft mit Jesus bedeutet teilen und teilhaben, Zeit und Talente zusammenzulegen und von dem zu profitieren, was der andere mit einbringt. Ein Bild für die Eucharistie, die Gemeinschaft ermöglicht und stärkt, die Würde und Einzigartigkeit aller Tischgenossinnen und -genossen herausstellt und im Vertrauen auf die Gegenwart Gottes hilft, den Alltag zu bewältigen und zu bereichern. (Mt 15,29–37)
Donnerstag – 4. Dezember
Wer den Willen des Vaters tut, wird in das Himmelreich kommen, weil er auf Fels gebaut hat. Adolph Kolping hat zu Lebzeiten mit großer Aufmerksamkeit die Nöte der Gegenwart erkannt und Lösungen angestrebt. Für ihn war der Glaube immer Handlungsimpuls. Er wollte vor allem jungen Menschen Heimat bieten und Sicherheit gewähren – zeitlose Werte, die bis heute im Kolpingwerk gelten. Er sagt: „Wenn viele Menschen an vielen Orten viele kleine Schritte tun, wird es in der Welt bald besser aussehen.“ (Seliger Adolph Kolping, Priester – Mt 7,21.24–27)
Freitag – 5. Dezember
Als „Sohn Davids“ ist Jesus zum auserwählten Volk Israel gesandt, das auf den Messias wartet. Als „Herr“ ist er für alle Menschen da, ohne Unterschied. Die Blinden sind Menschen mit Sehnsucht; sie wollen geheilt werden und glauben, dass der Herr es vermag. Wer eine solche Heilung erfährt, kann unmöglich schweigen, selbst wenn seine Zeitgenossen diese Heilung unterschiedlich aufnehmen. Das ist auch heute so. Sollten wir eine Erfahrung im Glauben machen, die uns erstaunt und begeistert, sollten wir nicht schweigen, sondern mutig und selbstbewusst darüber sprechen. (Mt 9,27–31)
Samstag – 6. Dezember
Eine Beileidsbekundung im Trauerfall drückt unsere Nähe aus und spendet Trost. Mitleid dagegen ist mehr. Wo Jesus Mitleid empfindet, drängt es ihn zum Handeln, und er will auch seine Jünger und Jüngerinnen handlungsfähig machen. Je mehr helfen, desto größer ist die Wirkung. Der heilige Nikolaus hat es vorgemacht. An seinem Fest erinnern wir uns daran, für andere da zu sein – wie es in einem Gebet heißt: „Christus hat keine Hände, nur unsere Hände, um seine Arbeit heute zu tun. (…) Er hat keine Hilfe, nur unsere Hilfe, um Menschen an seine Seite zu bringen.“ (Heiliger Nikolaus, Bischof von Myra – Mt 9,35–10,1.6–8)
Text: Domvikar Christoph Wittmann, Landespräses des Kolpingwerkes Bayern