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Kardinal Marx: Christliches Zeugnis ist Fundament für respektvolles Miteinander

Erzbischof kündigt regionale Gesprächsforen zum produktiven Umgang mit unterschiedlichen Meinungen und Ängsten in der Gesellschaft an
München, 18. Juli 2018. Angesichts der zunehmenden Polarisierung und Emotionalisierung gesellschaftlicher Debatten hat Kardinal Reinhard Marx regionale Gesprächsforen im Erzbistum München und Freising angekündigt. „Wir wollen ein Beispiel geben: Wie können wir lernen, mit unterschiedlichen Meinungen in der Kirche und der Gesellschaft umzugehen und in die Gesellschaft positiv hineinzuwirken?“, sagte der Erzbischof von München und Freising beim Jahresempfang des Erzbistums am Mittwoch, 18. Juli, in München. Es gehe darum, mit der existierenden Vielfalt und bestehenden Unterschieden in einer freien und offenen Gesellschaft respektvoll umzugehen: „Das christliche Zeugnis ist ein Fundament für ein respektvolles Zusammenleben“, erklärte Marx.
 
In den Gesprächsforen, für die nun ein Konzept erarbeitet werde und die in der zweiten Jahreshälfte beginnen sollen, könnten auch Ängste, Sorgen und Nöte zur Sprache kommen. Es müssten aber auch Antworten auf die drängenden Probleme gefunden werden: „Die Ängste dürfen nicht stehen bleiben. Wer Ängste verschärft oder produziert, ist nicht in der Linie der Heiligen Schrift“, betonte der Kardinal. Auch in der Sprache dürften Emotionen nicht überhand nehmen, warnte Marx: „Sprache darf die Emotionalisierung nicht verschärfen.“  
 
Bei der Suche nach Antworten auf die Herausforderungen der Zeit dürfe „der Blick für das Ganze“ nicht verloren gehen, forderte Kardinal Marx. Gerade Papst Franziskus lade dazu ein, „nicht wegzuschauen, sondern von den Rändern, von den Schwachen und den Elenden her zu schauen“. Auch die Kirche habe nicht auf alle Fragen eine Antwort, aber sie könne und müsse im gesellschaftlichen Diskurs die Frage stellen: „Habt ihr die richtige Blickrichtung? Seid ihr eigentlich bei den richtigen Problemen?“ In der Migrationsdebatte etwa könne es nicht darum gehen, Wege zu finden, damit „Europa zur Festung“ werde, sondern um eine globale Wahrung der Menschenrechte und Menschenwürde sowie um Sicherheit für alle Menschen: „Es ist mir ein Rätsel, wie jemand glauben kann, dass die Welt immer sicherer wird, wenn wir immer mehr Geld für Waffen ausgeben.“
 
Marx bekannte in seiner Ansprache auch, dass für ihn persönlich in den vergangenen Jahren „die ökumenische Leidenschaft immer größer“ geworden sei: „Die Zukunft der Kirche wird eine ökumenische sein. Von dieser grundsätzlich ökumenischen Perspektive, die uns zusammenführt, lassen wir uns nicht abbringen.“
 
Rund 600 Vertreter aus Kirche, Gesellschaft und Politik nahmen an dem traditionellen Jahresempfang des Erzbischofs von München und Freising und des Diözesanrats der Katholiken der Erzdiözese im Kardinal-Wendel-Haus in München-Schwabing teil. Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) und Staatsministerin Ilse Aigner (CSU) sprachen Grußworte. Musikalisch gestaltet wurde der Empfang von dem Duo „Brothers in Jazz“. (ck/gob)