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Kardinal Marx: „Versammlung ist das eigentliche Wort für Kirche“

Erzbischof von München und Freising weiht neue Kirche Sel. Rupert Mayer in Poing
Sel.Rupert Mayer, Poing
Festgottesdienst in der neuen Pfarrkirche, © Simon Ismair
München/Poing, 10. Juni 2018. Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising, hat bei der Weihe der Kirche Sel. Rupert Mayer in Poing, Landkreis Ebersberg, die Gläubigen aufgerufen, den neuen Raum mit Leben zu füllen und das Zeugnis ihres Glaubens „in die Stadt“ zu tragen. Kirchen seien Orte, die „Begegnung, Versammlung und Öffnung auf das Geheimnis Gottes“ ermöglichten, sagte der Kardinal in seiner Predigt beim Festgottesdienst am Sonntag, 10. Juni. In der „ganzen jüdisch-christlichen Tradition“ gehe es nicht um den Einzelnen, sondern „immer um das Volk Gottes“, erklärte Marx. Mit Verweis auf die ursprüngliche Bedeutung des aus dem Altgriechischen stammenden Wortes „ecclesia“ sagte Marx: „Versammlung ist das eigentliche Wort für Kirche.“ Die Gläubigen seien nun aufgerufen, „sich auf den Weg“ zu machen und dies zu bezeugen.
 
In seiner Predigt betonte Kardinal Marx die Bedeutung der sonntäglichen Eucharistiefeier. „Die Versammlung am Sonntag ist der Höhepunkt des christlichen Lebens“, so der Kardinal. Es sei „wichtig, dass wir uns versammeln“, so Marx, auch über Treffen mit Freunden oder in Vereinen hinaus. „Wir gehören auch zum Leib Christ. Das muss man sehen.“
 
In der „Geschichte des Volkes Gottes“ habe es immer wieder Diskussionen darüber gegeben, ob man „Gott ein Haus bauen“ und ob man sich ein Bild von ihm machen könne und dürfe, sagte Kardinal Marx. Eigentlich gehe das nicht, so der Erzbischof, „wir tun es trotzdem.“ Denn es gebe viele Bilder von Gott, erklärte der Erzbischof, „das seid ihr.“ Alle Menschen seien „Abbilder Gottes“. Gott zeige sich den Menschen in Jesus von Nazareth. Er sei kein Gott, dem man „Opfer bringen“, zu dem man „hingehen“ müsse, so der Erzbischof. „Gott geht mit uns. Gott will dabei sein, wo die Menschen sind.“ In Kirchen werde die „Gegenwart Christi“ deutlich. „Auch wenn wir nie ganz fertig sind mit Suchen, Zweifeln, Ängsten, hier erfahren wir: Er ist da.“
 
An die Gläubigen in der voll besetzten neuen Pfarrkirche gewandt, verwies Marx auf die „Fülle“, die „Vielfalt von Begabungen“ und die unterschiedlichen Altersgruppen der versammelten Männer und Frauen. „Schaut euch um! Macht was draus!“, rief der Kardinal den Gläubigen zu. „Jammern und Klagen“ seien fehl am Platz. Stattdessen gehe es darum, gemeinsam die neue Kirche zu einem „Herz für diese Stadt“ zu machen.
 
Die Kirche Sel. Rupert Mayer, die rund 350 Sitzplätze bietet, ist nach den Plänen des Münchner Architekturbüros Meck Architekten gebaut und dient ab der Weihe als Pfarrkirche von Poing. Sie ergänzt das Kirchenzentrum Sel. Pater Rupert Mayer, das bisher aus Kindergarten und Pfarrheim besteht und in unmittelbarer Nähe zum Bürgerhaus und zur evangelischen Kirche ein wichtiger Bestandteil des neuen Ortszentrums von Poing ist.
 
In den vergangenen Jahrzehnten ist Poing zur zweitgrößten Gemeinde im Landkreis Ebersberg gewachsen. Die bisherige Pfarrkirche St. Michael ist daher für den Bedarf der Gemeinde zu klein geworden. Sie steht weiterhin als Gottesdienstort zur Verfügung, auch der benachbarte Wohnsitz des Pfarrers wird beibehalten. Patron der Pfarrei ist weiterhin der Erzengel Michael. Die neue Poinger Kirche ist die erste Pfarrkirche, die das Patrozinium des Seligen Pater Rupert Mayer trägt. Eine Pater-Rupert-Mayer-Kapelle gibt es bereits in Haspelmoor, einem Ortsteil der Pfarrei St. Johannes der Täufer in Hattenhofen, Landkreis Fürstenfeldbruck.
 
Erst im März hatte Kardinal Marx mit der Kirche St. Josef in Holzkirchen, Landkreis Miesbach, erstmals seit zehn Jahren eine neue Kirche im Erzbistum München und Freising geweiht. Mit der Pfarrkirche in Poing wird nun erstmals seit einem Jahrzehnt eine neue Kirche geweiht, die nicht einen Vorgängerbau ersetzt, sondern als neues geistliches Zentrum an neuem Ort geschaffen wurde. (ct)

Bericht zur Weihe der neuen Pfarrkirche auf www.mk-online.de