Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung unseres Angebots erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen.
OK
Mehr Infos

Marx ruft zu „anständigem Wahlkampf“ in Bayern auf

Ansprache bei Vollversammlung des Diözesanrats in München-Haidhausen
Logo Diözesanrat
München, 14. Oktober 2017. Mit Blick auf den bevorstehenden bayerischen Landtagswahlkampf hat sich Kardinal Reinhard Marx besorgt über den Stil der politischen Auseinandersetzung gezeigt. „Natürlich muss ich sehen, dass die Auseinandersetzungen schärfer werden, dass die Sprache härter wird und dass die Spannungen auch innerhalb der Parteien größer werden“, sagte der Erzbischof von München und Freising bei der Vollversammlung des Diözesanrats der Katholiken der Erzdiözese am Samstag, 14. Oktober, im Salesianum in München-Haidhausen.
 
In dieser Hinsicht beunruhige ihn auch die Situation im österreichischen Wahlkampf. „Unser Nachbarland gibt kein gutes Bild ab. Ich kann nur hoffen, dass wir bei den für Bayern so wichtigen Landtagswahlen einen anständigen Wahlkampf erleben und dass in ordentlicher Weise um den richtigen Weg gestritten wird.“ Die Kirche werde ihre Positionen einbringen, beim Einsatz für die Armen, Schwachen, Flüchtlinge, für den Lebensschutz. „Das Christliche ist nicht identisch mit dem Konservativen.“ Es gehe um Veränderung und Fortschritt im christlichen Sinn, nicht nur um die Verteidigung des Martinsumzugs. „Das Christliche ist größer, als dass es auf eine Tradition festgelegt werden könnte.“
 
Als Thema nannte der Kardinal, der auch Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz ist, auch ein Zuwanderungsgesetz. „Zu meinen, wir holen die klügsten Köpfe aus den armen Ländern und die anderen bleiben am besten zu Hause, das ist zu kurz gegriffen.“ Politik müsse umfassender denken und eine „integrierte Entwicklungs-, Außen- und Einwanderungspolitik entwickeln“, betonte der Erzbischof. Mit Blick auf die Diskussion um den Familiennachzug von Flüchtlingen mahnte er zur Besonnenheit: „Es geht nicht darum, dass alle ihre Familien mitbringen, sondern es geht um die, die länger hier sind. Es ist doch nicht abzusehen, wann der Krieg in Syrien endet.“ Die Frage habe „eine große humanitäre Bedeutung“.
 
Marx mahnte zu einem besonnenen Umgang mit dem Islam. Er wisse um die Ängste vieler Menschen, er erhalte Briefe, in denen der Islam als Ursache für das Erstarken populistischer Parteien genannt und den Bischöfen eine unklare Haltung vorgeworfen werde. „Unsere klare Haltung ist: Jeder ist zuerst als Mensch zu sehen, ja, wir können zusammenleben. Ich bin nicht naiv, aber die Alternative zu einem friedlichen und toleranten Zusammenleben hieße Krieg und Ausweisung.“
 
Zufrieden zeigte sich der Kardinal mit dem zu Ende gehenden Reformationsgedenken. Es sei deutlich geworden, „dass Christen bei aller Verschiedenheit zusammenstehen und man uns auch nie wieder auseinanderbringen kann“. Nun gelte es, weitere Schritte in der Ökumene zu gehen, „substantiell zu einer Einheit mit Verschiedenheiten“. Mit Blick auf die Gründung von Pfarrverbänden in der Erzdiözese sagte Marx, es gebe im Augenblick keine Notwendigkeit, diese Strukturen noch einmal zu diskutieren: „Jetzt geht es darum, unsere Arbeit zu tun. Wir haben einen bestimmten Stand erreicht, und das sollten wir jetzt inhaltlich füllen.“
 
Die rund 180 Teilnehmer der Vollversammlung befassten sich insbesondere mit der Zukunft des Ehrenamts. Auf dem Programm stand neben dem Arbeitsbericht des Erzbischofs auch eine Ansprache des Vorsitzenden Hans Tremmel. Zum Abschluss feierten die Teilnehmer gemeinsam mit Kardinal Marx Gottesdienst in der benachbarten Pfarrkirche St. Wolfgang. Der Diözesanrat der Katholiken der Erzdiözese München und Freising ist die höchste Vertretung der Laien in der Erzdiözese. (gob)