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Kardinal Marx warnt im Umgang mit Missbrauch vor „Unachtsamkeit und klerikalem Gehabe“

„Hinschauen, hören und Konsequenzen ziehen – das wird ein schmerzvoller Prozess“
Kardinal Marx beim Diözesanen Priestertag 2018
Kardinal Marx bei seiner Rede in der Katholischen Akademie in Bayern. (Foto: Kiderle)
München, 18. September 2018. Vor dem Hintergrund einer wissenschaftlichen Studie zum sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche in Deutschland hat Kardinal Reinhard Marx dazu aufgefordert, Haltungen zu überdenken und zu verändern. „Wie viel Unachtsamkeit, wie viel klerikales Gehabe steckt in uns?“, fragte der Erzbischof am Dienstag, 18. September, in einem Gottesdienst anlässlich des Priestertages des Erzbistums München und Freising in der Kirche St. Sylvester im Münchner Stadtteil Schwabing. Er warnte die Kirche ausdrücklich davor, Kritik am Umgang mit dem Thema beiseite zu schieben: „Wir sollten Kritik als Ermutigung begreifen, diese Aufgabe anzupacken.“
 
Die Verantwortlichen in der Kirche müssten „hinschauen, hören und Konsequenzen ziehen – das wird ein schmerzvoller Prozess“, sagte Marx, der auch Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz und Berater von Papst Franziskus ist. „Es ist nicht einfach, sich darüber auszutauschen, aber wir dürfen der Herausforderung nicht ausweichen.“ Jeder, der ein geistliches Leben führe, wisse, dass manchmal ein „toter Punkt“ komme, eine Hoffnungslosigkeit, und man sich frage, wie es mit der Kirche weitergehen solle. „Ich bin überzeugt, es kommt eine große Veränderung.“
 
Neben vielen positiven Seiten müsse man auf das „Dunkle schauen. Sünde und Gewalt ziehen sich durch die Geschichte der Kirche.“ Dies werde nun durch die neue Studie, die in der kommenden Woche bei der Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz auf der Tagesordnung steht und der Öffentlichkeit vorgestellt werden soll, neuerlich mit voller Wucht sichtbar. „Es ist zutiefst verstörend, dass Menschen innerhalb der Kirche Böses erfahren durch Menschen, die das Evangelium verkünden sollen.“
 
Marx erinnerte daran, dass Priester an Christi statt eingesetzt seien. „Es ist ein riesiger Anspruch.“ Priester seien aber nicht die „Herren des Glaubens der Menschen“, sondern die „Diener ihrer Freude, die sie ermutigen sollen“. Der Kardinal sagte, die Kirche müsse die Begabungen der Laien „noch mehr wertschätzen als bisher“. Das Volk Gottes mit seinen unterschiedlichen Begabungen sei ein „großer Reichtum“.
 
Eigentliches Thema des turnusgemäßen Priestertages war „Kirche in einer digitalisierten Welt“. Die an den Gottesdienst anschließende Tagung dazu fand in den Räumen der Katholischen Akademie Bayern statt. (kel)

Weitere Informationen zum Thema "Sexueller Missbrauch":
- Hilfe bei Missbrauch
- Prävention von sexuellem Missbrauch