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Erzbistum legt Jahresabschluss 2017 und Haushalt 2018 vor

Generalvikar Beer: Gravierende Wandlungsprozesse in der Kirche solide finanzieren
Finanz-Pressekonferenz 2018
(v. l.): Stiftungs-Geschäftsführer S. Fritz, Generalvikar P. Beer, Finanzdirektor M. Reif. © Kiderle
München, 20. Juni 2018. Das Erzbistum München und Freising hat seinen Jahresabschluss und Lagebericht 2017, den Haushalt 2018 sowie Jahresabschlüsse, Lageberichte und Haushalte weiterer wichtiger Rechtsträger im Erzbistum vorgelegt. Die Rechnungslegung erfolgte wie seit dem Jahr 2015  gemäß den Vorgaben des Handelsgesetzbuches (HGB).
 
Der Generalvikar des Erzbischofs von München und Freising, Peter Beer, machte bei der Finanzpressekonferenz am Mittwoch, 20. Juni, in München deutlich, dass durch die Umstellung der diözesanen Rechnungslegung von Kameralistik auf HGB-Gemäßheit nun nicht nur die entsprechenden Instrumente für eine vorausschauende Haushaltsplanung zur Verfügung stünden. „Vielmehr ergibt sich daraus geradezu auch die Verpflichtung, eine möglichst weitgehende Zukunftsplanung für das diözesane Handeln in allen Feldern festzulegen, entlang derer sich die Vergabe von finanziellen Mitteln zu orientieren hat“, sagte Beer. Auch die Mitglieder der diözesanen Finanzgremien hätten darauf schon seit längerer Zeit verwiesen.
 
Trotz der auf den ersten Blick guten finanziellen Kennzahlen müsse sich die Erzdiözese für anstehende Herausforderungen wappnen. „Das Erzbistum befindet sich in gravierenden Wandlungsprozessen, deren Intensität und Geschwindigkeit sich aufgrund der gesellschaftlichen Entwicklungen und der damit verbundenen Veränderung der kirchlichen Situation nicht abschwächen und verlangsamen, sondern vielmehr beschleunigen werden.“ Es zeichne sich ab, dass die Organisation und Planung kirchlichen Lebens in der bisherigen Form an ihre Grenzen komme. Beer nannte als Beispiele den Mangel an pastoralem Personal, die zunehmende Komplexität und Dichte von Verwaltung und die Veränderungen in der Pfarreienlandschaft. „Einige Pfarreien schrumpfen, während andere erhebliche Zuwächse verzeichnen oder wir in neu entstehenden Stadtteilen Münchens neue Formen kirchlicher Präsenz realisieren.“ Dies fordere dazu heraus, über die Neuverteilung von Ressourcen und die Erschließung neuer pastoraler Handlungsfelder nachzudenken.
 
Beer stellte klar: „Alles unverändert weiterzuführen und Neues additiv einfach dazu zu nehmen, übersteigt die diözesane Leistungsfähigkeit.“ Er verwies darauf, dass langfristig ein signifikanter Rückgang des Kirchensteueraufkommens prognostiziert werde. Vor diesem Hintergrund sei auch zu diskutieren, wie überdiözesane Verpflichtungen wahrgenommen werden könnten. „Voraussetzung für gegenseitige finanzielle Unterstützung ist nicht nur Transparenz und Vergleichbarkeit der Rechnungslegung der Diözesen. Wir brauchen auch eine Diskussion, wie viele Mittel angesichts unterschiedlicher Aufgaben und Herausforderungen dafür wirklich bereit stehen.“ Das Erzbistum München und Freising mit seinen zahlreichen historischen Kirchen etwa hätte andere Baulasten zu schultern als Diözesen mit einem jüngeren Baubestand. Als weiteres und konkretes Beispiel nannte der Generalvikar das ehemalige Birgittinnen-Kloster von Altomünster, dessen Erhaltung und Erschließung  für die Menschen in der Region ein wichtiges Anliegen des Erzbistums sei. Einem Vermögenszuwachs von rund 10 Millionen Euro aus Klostergebäude und unbebauten Grundstücken stünden Investitionen zur künftigen Nutzung als Haus der Stille in Höhe von voraussichtlich 40 Millionen Euro gegenüber.
 
 
Bilanz
 
Die Bilanzsumme des Erzbistums beträgt rund 3,368 Milliarden Euro. Sie hat sich zum 31. Dezember 2017 gegenüber dem Vorjahr um 106 Millionen Euro erhöht.
 
Das in der Bilanz der Erzdiözese abgebildete Vermögen umfasst Sachanlagen in Höhe von rund 1,31 Milliarden Euro (plus 27 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr). Den größten Anteil haben mit rund 1,2 Milliarden Euro die bebauten und unbebauten Grundstücke. Der Anstieg resultiert unter anderem aus dem Kauf des ehemaligen Kapuzinerklosters in der Münchner Tengstraße (10,2 Millionen Euro) oder aus  der Fertigstellung des Neubaus im Pater-Rupert-Mayer-Schulzentrum in Pullach (8 Millionen Euro).
 
Des Weiteren sind in der Bilanz Finanzanlagen in Höhe von rund 1,465 Milliarden Euro abgebildet. Diese sind wegen Wertpapierfälligkeiten im Jahresvergleich um 64 Millionen Euro zurückgegangen.  
 
 
Gewinn- und Verlustrechnung
 
Die gesamten Erträge der Erzdiözese im Jahr 2017 betrugen rund 848 Millionen Euro (Vorjahr: 833 Millionen Euro). Davon entfallen 640 Millionen Euro auf die Kirchensteuer (Vorjahr: 590 Millionen Euro, plus 8,5 Prozent). Weitere 112 Millionen Euro (Vorjahr: 116 Millionen Euro) flossen dem Erzbistum als öffentliche Zuschüsse zu. Davon waren entsprechend dem Subsidiaritätsprinzip 67,4 Millionen Euro staatliche Zuschüsse für den Betrieb von Schulen sowie 15,5 Millionen Euro für den Religionsunterricht an staatlichen Schulen.
 
Aus den gesamten Erträgen wurden im vergangenen Jahr Aufwendungen in Höhe von 740  Millionen Euro finanziert (Vorjahr: 805 Millionen Euro). Mit knapp 300 Millionen Euro (plus 2,2 Prozent) stellte das Personal den größten Aufwandsposten dar. Seelsorge und Bildung sind personalintensive Bereiche. Auch rund 75 Prozent der regulären Haushaltszuschüsse an Kirchenstiftungen in Höhe von 102,8 Millionen Euro dienen der Deckung von Personalkosten. 
 
Das Jahresergebnis der Erzdiözese betrug im Jahr 2017 rund 115 Millionen Euro (Vorjahr: minus 68 Millionen Euro). Das Bilanzergebnis ist wie im Vorjahr ausgeglichen.
 
 
Haushalt für das Jahr 2018
 
Die Erzdiözese plant mit Erträgen in Höhe von 765 Millionen Euro, welche die geplanten Aufwendungen in Höhe von 752 Millionen Euro übersteigen. Das positive Jahresergebnis soll durch die Einstellung von zweckgebundenen Rücklagen ausgeglichen werden, so dass das Erzbistum für das Jahr 2018 mit einem ausgeglichenen Bilanzergebnis des Haushaltes plant.
 
Die Planung der Erträge aus der Kirchensteuer in Höhe von 575 Millionen Euro (plus 5,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr) erfolgt unverändert konservativ, um gegebenenfalls wie in den Vorjahren im Rahmen eines Nachtragshaushalts Mittel für notwendige Investitionen zu erhalten. Aus heutiger Sicht kann mit einem höheren Plus gerechnet werden. 
 
Größter Aufwandsposten bleiben im Jahr 2018 mit insgesamt 323 Millionen Euro die Personalaufwendungen. Zweitgrößte Position sind die gewährten Zuschüsse mit 298 Millionen Euro.
 
Im Investitionshaushalt plant die Erzdiözese insbesondere Investitionen in Gebäude. Größte Einzelmaßnahmen sind die Umgestaltung des Diözesanmuseums sowie Planungskosten für den Um- und Neubau des Kardinal-Döpfner-Hauses am Freisinger Domberg, die Generalsanierung der St.-Irmengard-Schulen in Garmisch-Partenkirchen, die Sanierung des Edith-Stein-Gymnasiums und der Neubau eines Seminargebäudes für die Katholische Stiftungshochschule in München-Haidhausen. In den IT-Investitionen ist ein Budget für die Einführung eines ERP-Systems vorgesehen, mit dem die integrierte Vernetzung verschiedener Verwaltungsbereiche erreicht werden soll.
 
 
Nachtragshaushalt
 
Die Erzdiözese hat, wie in den Vorjahren im Wesentlichen aus der Kirchensteuer, aus dem Clearingverfahren bei der Kirchenlohnsteuer und aus nicht verbrauchten Haushaltsmitteln, ein positives Bilanzergebnis in Höhe von 161,6 Millionen Euro erzielt, deren Verwendung im Sinne eines Nachtragshaushaltes von der Finanzkommission und dem Diözesansteuerausschuss beschlossen wurde. Der Überschuss wird unter anderem bereitgestellt für den Umbau des ehemaligen Kapuzinerklosters in der Tengstraße in München-Schwabing zum „Zentrum für Flucht, Asyl und Integration“ (15 Millionen Euro), zur Einführung eines integrierten IT-Systems im Erzbischöflichen Ordinariat (26,1 Millionen Euro), für Sanierungsmaßnahmen am Gebäudebestand der Altenhilfe des Diözesan-Caritasverbandes (15 Millionen Euro) oder für den Umbau des ehemaligen Ursulinen-Klosters in Landshut, das um eine Grundschule erweitert wird (29,1 Millionen Euro). Für laufende Instandhaltungsmaßnahmen an Gebäuden der Kirchenstiftungen im Erzbistum wurden Mittel in Höhe von 15 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, aus Rücklagen wurde dieser Betrag auf 20 Millionen Euro aufgestockt.
 
 
Bischof-Arbeo-, St. Antonius- und St. Korbinian-Stiftung
 
Die drei vermögensverwaltenden Stiftungen der Erzdiözese, Bischof-Arbeo-, St. Antonius- und St. Korbinian-Stiftung, erreichten im Jahr 2017 ihr vorrangiges Anlageziel der realen, das heißt inflationsbereinigten Vermögenserhaltung. „Trotz der weiterhin niedrigen Zinsen gingen die Vermögenserträge nur leicht zurück. Ihre Förderleistungen können die Stiftungen daher mindestens im Umfang der letzten Jahre an die Erzdiözese weiterführen“, erklärte der Geschäftsführer der St. Korbinian-, der St. Antonius- und der Bischof-Arbeo-Stiftung, Stefan Fritz. Im Sinne einer besseren Nachvollziehbarkeit der Mittelverwendung setzen die Gremien hierzu ein neues Antrags- und Reportingverfahren auf. Dieses soll sich vor allem an der Wirkung des Mitteleinsatzes im Sinne der Stiftungszwecke orientieren.
 
Die Stiftungen bewirtschaften ihr Vermögen im Einklang mit der kirchlichen (Sozial-)Lehre. Anlageentscheidungen erfolgen im Rahmen eines strengen Nachhaltigkeitskonzepts unter Beachtung von Aspekten der katholischen Glaubenslehre sowie allgemeiner ethischer, sozialer und ökologischer Kriterien. Dies steht im Einklang mit der Orientierungshilfe „Ethisch-nachhaltig investieren“ der Deutschen Bischofskonferenz und des Zentralkomitees der deutschen Katholiken.
 
Die Bischof-Arbeo-Stiftung hat ein Stiftungsvermögen in Höhe von rund 721 Millionen Euro (Bilanzsumme, Vorjahr: 715 Millionen Euro). Die Erträge kommen der Bildung im Erzbistum zugute. Die St. Antonius-Stiftung verfügt über ein Vermögen von rund 693 Millionen Euro (Bilanzsumme, Vorjahr: 686 Millionen Euro), ihre Erträge fließen in den Dienst am Nächsten. Die Erträge der 2015 gegründeten St. Korbinian-Stiftung mit einem Vermögen in Höhe von rund 695 Millionen Euro (Bilanzsumme, Vorjahr: 688 Millionen Euro) kommen dem gemeindlichen Leben zugute.
 
           
Emeritenanstalt und Erzbischöflicher Stuhl
 
Die Emeritenanstalt sichert die Pensionen der Priester. Das Vermögen der Körperschaft beläuft sich zum 31. Dezember 2017 auf 307,3 Millionen Euro (Vorjahr: 314,9 Millionen Euro).
 
Der Erzbischöfliche Stuhl ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts und selbständiger kirchlicher Rechtsträger. Die Bilanzsumme zum 31. Dezember 2017 beträgt 54,4 Millionen Euro (Vorjahr: 55,6 Millionen Euro).
 
 
Knabenseminarstiftung und Klerikalseminarstiftung Freising
 
Das Vermögen der Knabenseminarstiftung, deren Zweck insbesondere die Förderung der Studienseminare der Erzdiözese ist, beläuft sich zum 31. Dezember 2017 – gegenüber dem Vorjahr nahezu unverändert – auf 16,1 Millionen Euro, das Vermögen der Klerikalseminarstiftung, die der Ausbildung der künftigen Priester der Erzdiözese dient, beträgt 108 Millionen Euro (Vorjahr: 107,7 Millionen Euro).  (kel)

Hinweis:
Den Bericht zum Haushalt 2018 sowie den Jahresabschluss und Lagebericht 2017 finden Sie unter www.erzbistum-muenchen.de/finanzbericht2017.


Im Bild:
Bei der Vorstellung des Finanzberichtes 2017 und des Finanzhaushaltes informierten der Generalvikar des Erzbischofs von München und Freising, Peter Beer (Mitte), Finanzdirektor Markus Reif (r.) sowie der Geschäftsführer der St. Korbinian-, der St. Antonius- und der Bischof-Arbeo-Stiftung, Stefan Fritz (l.). (Foto: Kiderle)