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Erzbistum legt Jahresabschluss 2018 und Haushalt 2019 vor

Generalvikar Beer: „Dass wir weniger werden, ist kein Naturgesetz“
Herausforderungen der Zukunft mit neuen Formen der Präsenz und Kommunikation begegnen
Finanzpressekonferenz 2019
Stiftungsgeschäftsführer S. Fritz, Generalvikar P. Beer, Finanzdirektor M. Reif. © Kiderle
München, 11. Juli 2019. Das Erzbistum München und Freising hat seinen Jahresabschluss und Lagebericht 2018, den Haushalt 2019 sowie Jahresabschlüsse, Lageberichte und Haushalte weiterer wichtiger Rechtsträger im Erzbistum vorgelegt. Die Rechnungslegung erfolgte wie seit dem Jahr 2015  gemäß den Vorgaben des Handelsgesetzbuches (HGB).
 
Der Generalvikar des Erzbischofs von München und Freising, Peter Beer, machte bei der Finanzpressekonferenz am Donnerstag, 11. Juli, in München deutlich, dass der prognostizierte Rückgang von Mitgliedern die Kirche dazu aufrufe, ihren Sendungsauftrag noch ernster zu nehmen und neu auf die Menschen zuzugehen und in der Gesellschaft zu wirken: „Die Herausforderung der nächsten Jahre wird sein, eine Gesamtstrategie zu entwickeln, um mit einer hohen Qualität in Seelsorge, Bildung, im gemeindlichen Leben wie auch im Dienst am Nächsten möglichst viele Menschen zu erreichen.“ Beer bekräftigte: „Dass wir weniger werden, ist schließlich kein Naturgesetz.“
 
Dementsprechend gelte es, die finanziellen Mittel nicht allein zur Bewahrung des Bestehenden und Althergebrachten zu verwenden, sondern auch, „um auf neue Weise pastoral und kommunikativ präsent zu sein, die Bedürfnisse der Menschen aufzugreifen und Angebote zu machen, die auch Menschen erreichen, die wir verloren haben oder bislang noch nicht erreicht haben“, so der Generalvikar. Beer verwies auf weiterentwickelte Konzepte der Seelsorge oder neue Nutzungsmöglichkeiten für einzelne Klöster, wo Gottesdienste, Ausstellungen, Konzerte, Gesprächsforen und Vorträge, Workshops oder Themenwochenenden ein breites Angebot schaffen und Traditionen in neuer Gestalt in die Zukunft führen könnten. Dies seien nur Beispiele für „Formen der Präsenz, der Kommunikation, auch der Kulturarbeit, der Pastoral in einem übergreifenden Sinn, mit der wir Menschen für unseren Glauben begeistern wollen“.
 
Vor diesem Hintergrund sei es umso entscheidender, verantwortlich und zukunftsorientiert mit den finanziellen Mitteln umzugehen, sagte Beer: „Die aktuellen Zahlen dürfen uns nicht darüber hinwegtäuschen, dass angesichts der Komplexität der Herausforderungen die Mittel begrenzt sind und ein einfaches Weiter-So, ergänzt um neue Angebote, nicht möglich ist. Wir müssen immer das Gesamte im Blick behalten und darüber nachdenken, wo wir Schwerpunkte setzen können oder auch Ressourcen anders eingesetzt werden müssen.“
 
Bilanz
 
Die Bilanzsumme des Erzbistums beträgt rund 3,493 Milliarden Euro. Sie hat sich zum 31. Dezember 2018 gegenüber dem Vorjahr um 125 Millionen Euro erhöht.
 
Das in der Bilanz der Erzdiözese abgebildete Vermögen umfasst im Wesentlichen Sach- und Finanzanlagen. Die Sachanlagen belaufen sich auf eine Höhe von rund 1,33 Milliarden Euro (plus 20 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr). Den größten Anteil haben mit rund 1,2 Milliarden Euro die bebauten und unbebauten Grundstücke.
 
Das Sachanlagevermögen ist durch Zugänge in den Bereichen Immobilien, Anlagen im Bau  sowie andere Anlagen und Betriebs- und Geschäftsausstattung beeinflusst. Gegenläufig wirkten sich die planmäßigen Abschreibungen aus. Die Zugänge betreffen im Wesentlichen die Übernahme des so genannten Dominikuszentrums von der Pfarrkirchenstiftung St. Gertrud in München. Es handelt sich dabei um ein Gemeindezentrum, das aufgrund seiner Größe von der Pfarrkirchenstiftung nicht mehr genutzt und unterhalten werden konnte. Die Erzdiözese vermietet Teile der Immobilie an kirchliche Institutionen. Darüber hinaus wurde von IN VIA, dem Katholischen Verband für Mädchen- und Frauensozialarbeit München, ein Grundstück erworben, das im Gegenzug im Rahmen eines Erbpachtvertrages für ein Mädchenwohnheim an IN VIA vergeben wurde. Die Anlagen im Bau betreffen vor allem Gebäude auf dem Domberg in Freising, die Erzbischöflichen St.-Irmengard-Schulen in Garmisch-Partenkirchen und die Katholische Stiftungshochschule München.
 
Des Weiteren sind in der Bilanz Finanzanlagen in Höhe von rund 1,465 Milliarden Euro abgebildet.   

Gewinn- und Verlustrechnung

 
Die gesamten Erträge der Erzdiözese im Jahr 2018 betrugen rund 870 Millionen Euro (Vorjahr: 848 Millionen Euro). Davon entfallen 645 Millionen Euro auf die Kirchensteuer (Vorjahr: 640 Millionen Euro). Weitere 121 Millionen Euro (Vorjahr: 121 Millionen Euro) flossen dem Erzbistum als öffentliche Zuschüsse zu. Davon waren entsprechend dem Subsidiaritätsprinzip 49 Millionen Euro staatliche Zuschüsse für den Betrieb von Schulen sowie 14 Millionen Euro für den Religionsunterricht an staatlichen Schulen.
 
Aus den gesamten Erträgen wurden im vergangenen Jahr Aufwendungen in Höhe von 791 Millionen Euro finanziert (Vorjahr: 740 Millionen Euro). Mit knapp 324 Millionen Euro (Vorjahr knapp 300 Millionen Euro) stellte das Personal den größten Aufwandsposten dar. Seelsorge und Bildung sind personalintensive Bereiche. Auch ein Großteil der regulären Haushaltszuschüsse an Kirchenstiftungen in Höhe von 130 Millionen Euro (Vorjahr: 103 Millionen Euro) dienen der Deckung von Personalkosten. 
 
Das Jahresergebnis der Erzdiözese betrug im Jahr 2018 rund 99 Millionen Euro (Vorjahr: 115 Millionen Euro). Das Bilanzergebnis ist wie im Vorjahr ausgeglichen.
 
Haushalt für das Jahr 2019
 
Die Erzdiözese plant mit Erträgen in Höhe von 824 Millionen Euro, welche die geplanten Aufwendungen in Höhe von 823 Millionen Euro knapp übersteigen.

Die Erträge aus der Kirchensteuer sind mit 632 Millionen Euro (575 Millionen Euro im Vorjahr) eingeplant.  

Größter Aufwandsposten bleiben im Jahr 2019 mit insgesamt 329 Millionen Euro die Personalaufwendungen. Zweitgrößte Position sind die gewährten Zuschüsse mit 322 Millionen Euro.

Im Investitionshaushalt plant die Erzdiözese vor allem Ausgaben im Baubereich. Zu den größeren Maßnahmen zählen hier die Umgestaltung des Diözesanmuseums am Domberg in Freising (17,2 Millionen Euro), die Generalsanierung der St.-Irmengard-Schulen in Garmisch-Partenkirchen (22,9 Millionen Euro), der Neubau eines Seminargebäudes für die Katholische Stiftungshochschule München (11,2 Millionen Euro) sowie Sanierung und Umbau des Bestandsgebäudes des Studentenwohnheimes Ludwigskolleg in München (8,5 Millionen Euro). In den IT-Investitionen ist weiterhin ein Budget für die Einführung eines ERP-Systems vorgesehen, mit dem die integrierte Vernetzung verschiedener Verwaltungsbereiche erreicht werden soll.

Nachtragshaushalt

 
Die Erzdiözese hat, wie in den Vorjahren im Wesentlichen aus der Kirchensteuer, aus dem Clearingverfahren bei der Kirchenlohnsteuer und aus nicht verbrauchten Haushaltsmitteln, ein positives Jahresergebnis in Höhe von 98,6 Millionen Euro erzielt, deren Verwendung im Sinne eines Nachtragshaushaltes von der Finanzkommission und dem Diözesansteuerausschuss beschlossen wurde.
 
Der Überschuss wird unter anderem bereitgestellt für die Gesamtinstandsetzung des Dienstgebäudes der Erzdiözese in der Rochusstraße in München, das nach Fertigstellung als „Haus der Seelsorge“ genutzt werden soll (28,5 Millionen Euro). Auf dem Areal des Kirchlichen Zentrums in der Preysingstraße in München sind umfangreiche Infrastrukturmaßnahmen erforderlich. Hierfür werden Rücklagen in Höhe von 11,1 Millionen Euro gebildet. Für den Ersatzbau von Pfarrzentrum und Kindergarten sowie die Integration des Pfarrheims der Münchner Kirchenstiftung St. Thomas Morus in das Kirchengebäude wird ein Betrag von 20 Millionen Euro reserviert, für die Leitung und Steuerung von laufenden Baumaßnahmen der Kirchenstiftungen durch externe Projektdienstleister wird ein zusätzlicher Betrag von 5,3 Millionen Euro bereitgestellt.

Emeritenanstalt und Erzbischöflicher Stuhl
 

Die Emeritenanstalt sichert die Pensionen der Priester. Das Vermögen der Körperschaft beläuft sich zum 31. Dezember 2018 auf 303,6 Millionen Euro (Vorjahr: 307,3 Millionen Euro).

Der Erzbischöfliche Stuhl ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts und selbständiger kirchlicher Rechtsträger. Die Erträge dieser Körperschaft werden der Erzdiözese München und Freising zur Verfügung gestellt, die diese Mittel wiederum zur Erfüllung der mit dem Hirtendienst des Erzbischofs verbundenen Aufgaben in den Bereichen Caritas und Weltkirche verwendet. Die Bilanzsumme zum 31. Dezember 2018 beträgt 52,8 Millionen Euro (Vorjahr: 54,4 Millionen Euro). Der Rückgang gegenüber dem Vorjahr resultiert vor allem aus Abschreibungen und einer Wertberichtigung aufgrund des Übergangs des wirtschaftlichen Eigentums einer Immobilie am Freisinger Domberg auf die Erzdiözese.  

Knabenseminarstiftung und Klerikalseminarstiftung Freising

 
Das Vermögen der Knabenseminarstiftung Freising, deren Zweck insbesondere die Förderung der Studienseminare der Erzdiözese ist, beläuft sich zum 31. Dezember 2018 auf 16,4 Millionen Euro (Vorjahr 16,1 Millionen Euro), das Vermögen der Klerikalseminarstiftung Freising, die der Ausbildung der künftigen Priester der Erzdiözese dient, beträgt 108,4 Millionen Euro (Vorjahr: 108,1 Millionen Euro).
  
Bischof-Arbeo-, St. Antonius- und St. Korbinian-Stiftung
 
Die drei vermögensverwaltenden Stiftungen der Erzdiözese, Bischof-Arbeo-, St. Antonius- und St. Korbinian-Stiftung, standen im Anlagejahr 2018 vor erheblichen Herausforderungen. Die rückläufigen Kapitalmarktbewegungen kurz vor Jahresende und die nach wie vor niedrigen Zinsen übten Druck sowohl auf die Vermögens- als auch auf die Ertragsseite aus. „Unsere Anlageziele sind bewusst langfristig ausgerichtet, so dass wir Abwärtsbewegungen an den Kapitalmärkten stets auch im Kontext mit Erholungsphasen betrachten“, erklärte der Geschäftsführer der St. Korbinian-, der St. Antonius- und der Bischof-Arbeo-Stiftung, Stefan Fritz. „Nur so können wir unser Ziel erreichen, die wichtigsten kirchlichen Inhalte unabhängig von Mitgliederbestand und Kirchensteueraufkommen nachhaltig zu finanzieren“. Aufgrund der guten Vorjahresergebnisse in 2017 konnten die Stiftungen ihre Förderaktivitäten im Jahr 2018 ausbauen.
 
Die Bischof-Arbeo-Stiftung hat eine Bilanzsumme in Höhe von rund 726 Millionen Euro (mit Treuhandvermögen, Vorjahr: 721 Millionen Euro). Die Erträge kommen der Bildung im Erzbistum zugute. So wurde 2018 eine Ausschüttung von sechs Millionen Euro aus den 2017 erwirtschafteten Erträgen für den Neubau der Erzbischöflichen Franziskus-Grundschule in München-Haidhausen beschlossen. Die St. Antonius-Stiftung verfügt über eine Bilanzsumme von rund 699 Millionen Euro (Vorjahr: 693  Millionen Euro), ihre Erträge fließen in den Dienst am Nächsten. Mit 1,66 Millionen Euro wurde ein Bauvorhaben des Caritas-Seniorenheims St. Michael in München-Perlach unterstützt, an die Ebersberger Werkstätten gingen 530.000 Euro für Umbauarbeiten, 760.000 Euro flossen in den Umbau des Kinder- und Jugendhilfezentrums Haus Maria Thalkirchen, 240.000 Euro erhielt das Quartiermanagement Inntal für junge Familien, 970.000 Euro gingen an ein Bauvorhaben des Caritas-Seniorenheims St. Antonius in München-Forstenried und 582.250 Euro an ein Bauvorhaben des Caritas-Wohnprojekts Vierkirchen für Menschen mit Behinderung. Die Erträge der 2015 gegründeten St. Korbinian-Stiftung mit einer Bilanzsumme in Höhe von rund 697 Millionen Euro (Vorjahr: 695 Millionen Euro) kommen dem gemeindlichen Leben zugute. Hier wurde das Projekt eines Trauerpastoralen Zentrums am Münchner Ostfriedhof mit drei Millionen Euro unterstützt.

Alle hier dargestellten Rechtsträger bewirtschaften ihr Vermögen im Einklang mit der kirchlichen (Sozial-)Lehre. Anlageentscheidungen erfolgen im Rahmen eines strengen Nachhaltigkeitskonzepts unter Beachtung von Aspekten der katholischen Glaubenslehre sowie allgemeiner ethischer, sozialer und ökologischer Kriterien. Dies steht im Einklang mit der Orientierungshilfe „Ethisch-nachhaltig investieren“ der Deutschen Bischofskonferenz und des Zentralkomitees der deutschen Katholiken. Seit Juni 2019 gilt diese Orientierungshilfe auch für Anlagen aller Kirchenstiftungen in der Erzdiözese München und Freising. (ck)

Im Bild:
Präsentation des Geschäftsberichts der Erzdiözese München und Freising (v. l.): Stiftungsgeschäftsführer Stefan Fritz, Generalvikar Peter Beer und Finanzdirektor Markus Reif. (Foto: Kiderle)

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