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„Soziale Marktwirtschaft ökosozial weiterentwickeln“

Katholische Laien in Bayern fragen, wie Gerechtigkeit ökologisch und sozial zu gestalten ist
Landeskomitee der Katholiken in Bayern
Augsburg, 5. April 2019. Joachim Unterländer, der Vorsitzende des Landeskomitees der Katholiken in Bayern, hat für eine ökosoziale Marktwirtschaft plädiert: „Wir müssen die Soziale Marktwirtschaft als Erfolgsmodell ökosozial weiterentwickeln“, sagte Unterländer in seinem Impuls „Wir als Akteure in einem politischen System“ zum Studienthema der Frühjahrsvollversammlung des Landeskomitees, „Lust auf Wandel – Gerechtigkeit ökologisch und sozial gerecht gestalten“, am  Freitag, 5. April, in Augsburg.
 
Es gelte, eine Balance aus ökologischen, sozialen und ökonomischen Belangen zu schaffen, forderte Unterländer. Einen Beitrag zu einem entsprechenden gesellschaftspolitischen Wandel könnten die katholische Soziallehre wie auch die stärkere Berücksichtigung eines ganzheitlichen Ansatzes leisten. „Viele Probleme, ob in der Gesundheits- oder auch Umweltpolitik, werden oft nur punktuell, nicht aber ganzheitlich und vernetzt betrachtet“, bemängelte Unterländer. Das Landeskomitee könne sich selbstbewusst als „Avantgarde des politischen Katholizismus“ verstehen und sich noch stärker in die Gestaltung der künftigen Entwicklung einbringen, die weniger oberflächlich instrumentalisiert, als inhaltlich und prozesshaft diskutiert werden müsse.
 
Pfarrer Franz Schollerer, Landespräses der Katholischen Arbeitnehmerbewegung, warnte in seinem Impuls „Wir in der Arbeitswelt“ vor der „weltweit wachsenden Ungleichheit“, einem „Hyperkapitalismus“ und einem unhinterfragten Glauben an die „Werbeversprechen“ der digitalen Industrie, wonach Technik helfe, die Beschränkung des Menschen zu überwinden. Es sei grundsätzlich zu unterscheiden zwischen einer begrüßenswerten Technik, die dem Menschen schwere körperliche Arbeit abnehme, und eher fragwürdiger Technik, etwa wenn an Algorithmen Entscheidungen und Verantwortung delegiert werde. Entscheidend sei die Frage: „Wer stellt die Regeln auf? Eine technische Elite oder alle?“, so Schollerer.
 
Renate Oxenknecht-Witzsch, Professorin für Recht an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt und berufenes Mitglied des Landeskomitees, verwies in ihrem Impuls „Wir in der Konsumgesellschaft“ auf die Verantwortung der Konsumenten. „Papst Franziskus sagt: Diese Wirtschaft tötet. Ich sage: Unser Lebensstil tötet“, so Oxenknecht-Witzsch. Das Konsumverhalten in den Industrieländern gehe zulasten ärmerer Menschen, es gelte deshalb weniger und anders zu konsumieren. „Die Zivilgesellschaft ist hier gefordert. Und das sind wir.“ Christen sollten in der Gesellschaft erkennbar sein, auch weil sie einen nachhaltigen Lebensstil pflegten, betonte Oxenknecht-Witzsch.
 
Der Vorsitzende des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Hubert Weiger, würdigte in seinem Impuls „Wir als Christen in der Gesellschaft“ die 2015 erschienene Papst-Enzyklika „Laudato Si“ und verwies darauf, dass im gleichen Jahr von der Uno-Vollversammlung die Nachhaltigkeitsziele beschlossen wurden. Deren Umsetzung fordere von jedem Christen persönlichen Einsatz. Auch Weiger bemängelte ein unreflektiertes Konsumverhalten, das auf einem falschen Wertverständnis beruhe: „,Geiz ist geil‘ – diese Mentalität tötet.“ Einen grundlegenden Wandel gibt es nach Ansicht Weigers aber nur bei den richtigen politischen Rahmensetzungen.
 
Im Anschluss an die Impulse sammelten die Teilnehmer Fragen zum Thema der Vollversammlung, die dann diskutiert werden sollten: Haben wir alternativen Strategien, um den Wandel herbeizuführen? Wie können wir die Idee der ökologischen Spiritualität aufgreifen? Wie kann der Umweltverbrauch gerecht bepreist werden? Sollen wir „Chuches for future“ ins Leben rufen? Wie kann ein anderer lustvoller Lebensstil aussehen, der nicht konsumorientiert ist? Wie gelingt es uns, stolz auf das schon Geschaffene zu sein? Wie gelingt es, dass die Politik wieder die Hoheit über die Daseinsvorsorge übernimmt? Wie gehen wir mit dem gleichzeitigen Für und Wider einzelner Handlungen um? Wie können wir einfache Grundfähigkeiten und Alltagskompetenzen – grundlegende Bildung – vermitteln? Wie können wir das Bewusstsein für den Wert des „Trinkwassers“ stärken? Wie wollen wir die Gelder der CO2-Ausgleichszahlungen investieren? Wie lernen wir und wie vermitteln wir verantwortungsvolles Handeln? Wie werden wir als katholische Akteure in diesem Themenfeld attraktiv? Wie können wir gesetzliche Vorschriften etwa im Bereich der Hygiene mit Nachhaltigkeit und Umweltschutz zusammenbringen? Die Ergebnisse aus der Diskussion dieser Fragen sollen nach der Vollversammlung in einer Stellungnahme zusammengefasst werden (ck)