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Generalvikar: Jetzt Weichen für die Zukunft stellen

Beer ruft bei Vollversammlung des Diözesanrats zu Veränderungen bei Gebäuden und Personal auf
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Oberschleißheim, 16. März 2019. Mit Blick auf geringer werdende personelle und finanzielle Ressourcen hat der Generalvikar des Erzbischofs von München und Freising, Peter Beer, dazu aufgerufen, jetzt entscheidende Weichenstellungen für die Zukunft vorzunehmen. „Wir sind nicht nur für uns verantwortlich, sondern auch für die nach uns", sagte Beer bei der Vollversammlung des Diözesanrats der Katholiken am Samstag, 16. März, in Oberschleißheim.

Eine „große Herausforderung" sei die Zukunft der zahlreichen Kirchengebäude. Es gebe „viele Orte, wo wir präsent sind", sagte der Generalvikar, „aber dieses Modell werden wir in Zukunft so nicht weiterfahren können". Die Schere „zwischen dem, was der Erhalt kostet, und dem, was in der jeweiligen Kirche passiert", klaffe bereits jetzt immer weiter auseinander. „Das bringt uns an Grenzen", so Beer: „Wir müssen uns der Tatsache stellen, dass wir, wenn wir so weitermachen wie bisher, unsere ganzen Ressourcen in die Steine stecken." Als Faustregeln für die Zukunft nannte der Generalvikar, dass Kirchen möglichst im kirchlichen Besitz gehalten und für einen kirchlichen Zweck genutzt werden sollten und dass ein Ort des Gebetes erhalten bleiben müsse. Es gebe auch einen beginnenden Austausch mit der evangelischen Kirche zu der Frage, ob Gebäude möglicherweise gemeinsam genutzt werden könnten. Dabei gehe es nicht nur um finanzielle Aspekte, sondern darum, „wie wir in einer Gesellschaft, die sich immer mehr verändert und immer vielfältiger wird, Unterschiede in Einheit leben".

Eine weitere Herausforderung sei es, kirchliche Mitarbeiter zu gewinnen und zu halten. „Ich muss Menschen ernst nehmen in ihrer Eigenverantwortung. Es kommt keiner mehr in den kirchlichen Dienst, wenn wir Loyalitätsverpflichtungen haben, die als willkürlich erlebt werden", betonte Beer. Auf Landes- und Bundesebene werde bereits daran gearbeitet, zu einem neuen kirchlichen Arbeitsrecht zu kommen. Leitgedanke dürften nicht mehr die Voraussetzungen sein, die Menschen erfüllen müssten, um bei der Kirche zu arbeiten, sondern umgekehrt, welche Ressourcen Menschen mitbrächten und im kirchlichen Dienst einbringen könnten.

Kirche müsse sich auch überlegen, wie sie beispielsweise mit homosexuell veranlagten Mitarbeitern und Ehrenamtlichen umgehen wolle, „die bei der Kirche sind, sich engagieren, sich einbringen, bei denen wir aber so tun, als gebe es sie nicht. Das kostet Glaubwürdigkeit!" Die Realität sei, dass homosexuelle Menschen als Priester und in anderen Berufsfeldern gute Arbeit machten, sagte der Generalvikar: „Man muss das benennen können, sonst verlieren wir Menschen, die sich sehr stark identifizieren, die sich einbringen wollen." Regelmäßig treffe er homosexuell veranlagte Mitarbeiter zum Austausch: „Es macht mich traurig, wenn sie zu mir sagen, sie trauen sich nicht zu sagen, wie sie veranlagt sind, weil es auch Pfarrgemeinden gibt, wo sie mit Nachteilen zu rechnen haben, weil ihre Veranlagung vorurteilsbehaftet ist." Hier müsse Kirche gegensteuern.

Beer bekräftigte die Pläne des Erzbistums, das Amt des Generalvikars zu teilen. Der künftige Generalvikar werde eher für inhaltlich-politische Überlegungen zuständig sein, für die Außenvertretung der Erzdiözese, er werde stärker moderierend tätig sein können, während der Amtschef oder die Amtschefin sich vor allem um operative Angelegenheiten und eine funktionierende Verwaltung kümmern könne. Die Pläne seien eine Möglichkeit, „eine wirklich mächtige Position aufzuteilen und ein wichtiges Amt für Frauen zu öffnen". Im Laufe des Jahres solle zunächst der neue Generalvikar gefunden, dann die Stelle des Amtschefs oder der Amtschefin besetzt werden. Für die nun laufende Erarbeitung der Stellenausschreibung lud der Generalvikar die Mitglieder des Diözesanrats zur Beteiligung ein.

Es gehe nun darum, eine gemeinsame Strategie zu erarbeiten, „die möglichst von allen getragen oder zumindest akzeptiert wird", sagte der Generalvikar. „Wir müssen zusammenführen, zusammenhalten, um weiterzukommen." Der Wille zu gestalten sei da, nun gehe es um mutige Veränderungen. „Wir glauben, dass Gott uns auf unserem Weg begleitet", so Beer. „Dann können wir, dann müssen wir zuversichtlich in die Zukunft schauen." Zur Glaubwürdigkeit der Kirche gehöre wesentlich auch, „wie wir mit Wandel umgehen: Sind wir zur Wandlung bereit, zu einer grundlegenden Wandlung, damit wir auch die Welt verwandeln können?"

Schwerpunkt der Frühjahrsvollversammlung des Diözesanrats unter dem Titel „Quo vadis, Erzdiözese?", zu der rund 170 Teilnehmer aus den Pfarrgemeinderäten und Verbänden in Oberschleißheim zusammenkamen, war die zukünftige Entwicklung der Erzdiözese München und Freising. Neben Beer informierte Monsignore Klaus Peter Franzl, Leiter des Ressorts Personal im Erzbischöflichen Ordinariat München; Armin Wouters, Leiter der Stabstelle Kommunikation, referierte unter dem Titel „Gemeinsam die Bindungskräfte erhalten". In Kleingruppen wurde anschließend diskutiert, bevor eine Podiumsdiskussion mit den drei Impulsgebern und dem Diözesanratsvorsitzenden Hans Tremmel unter dem Leitwort „Was soll bleiben und was muss sich ändern?" das Thema abschloss. Zudem berichteten Tremmel sowie der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, den Teilnehmern der Vollversammlung über aktuelle Entwicklungen. Zum Abschluss feierte Kardinal Marx in der Pfarrkirche St. Wilhelm einen Gottesdienst mit den Vollversammlungsteilnehmern sowie der Pfarrgemeinde.

Der Diözesanrat der Katholiken ist das oberste Laiengremium der Erzdiözese. In die Vollversammlung werden Vertreter der Dekanatsräte, die sich wiederum aus Vertretern der Pfarrgemeinderäte zusammensetzen, sowie Vertreter der katholischen Verbände und Organisationen entsandt. Die mehr als 200 Mitglieder des Diözesanrates treffen sich jeweils im Frühjahr und im Herbst zu ihren Vollversammlungen. (gob)