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Gottesdienst zum 100. Weihetag von Weihbischof Neuhäusler

Theologe und Widerstandskämpfer wurde am 29. Juni 1913 zum Priester geweiht
Kardinal Wetter feiert Messe mit noch lebenden Priestern des Weihejahrgangs 1963
München, 20. Juni 2013. Einen Dankgottesdienst in Erinnerung an den am 29. Juni 1913 zum Priester geweihten Widerstandskämpfer und ehemaligen Weihbischof des Erzbistums München und Freising, Johannes Neuhäusler, feiert Kardinal Friedrich Wetter am Namenstag Neuhäuslers, dem Fest des Heiligen Johannes’ des Täufers, am 24. Juni um 10 Uhr in der Kirche des Karmel „Heilig Blut“ Dachau, Alte Römerstraße 91. Zu diesem Anlass versammeln sich im Karmel, wo Neuhäusler bestattet ist, auch alle noch lebenden Priester des Weihejahrgangs 1963, die in diesem Jahr auf 50 Jahre Priesterweihe zurückblicken – darunter der emeritierte Weihbischof Engelbert Siebler: Sie wurden am 29. Juni 1963 durch Neuhäusler an dessen eigenem Goldenem Weihejubiläum zu Priestern geweiht. Der damalige Erzbischof von München und Freising, Kardinal Julius Döpfner, hatte nach Rücksprache mit den Weihekandidaten den von ihm sehr geschätzten Weihbischof Neuhäusler anlässlich seines Jubiläums mit der Weihe beauftragt, Kardinal Döpfner selbst assistierte bei dem Gottesdienst und nahm das Treueversprechen der künftigen Priester entgegen.

Johannes Neuhäusler, am 27. Januar 1888 in Eisenhofen bei Dachau geboren, war wegen seines Widerstands gegen das nationalsozialistische Regime von 1941 bis 1945 in den Konzentrationslagern Sachsenhausen und Dachau interniert. Nach dem Krieg zum Weihbischof ernannt, veranlasste er den Wiederaufbau der Basilika auf dem Petersberg, weihte im Rahmen des 37. Eucharistischen Weltkongresses in München die „Todesangst-Christi-Kapelle“ in der späteren KZ-Gedenkstätte Dachau und unterstützte die Gründung des Karmel „Heilig Blut“. Sein Wahlspruch lautete: „Den Armen das Evangelium verkünden“ (Lk 4,18).

Nach seiner Priesterweihe 1913 durch Kardinal Franziskus von Bettinger in Freising, der Kaplanszeit in Oberaudorf am Inn, Stationen bei der Kolpingsfamilie und dem Ludwig-Missionsverein wird Neuhäusler 1925 mit der Gründung und Leitung des Bayerischen Pilgerbüros, anschließend mit dem Ausbau des Exerzitienhauses Fürstenried betraut. 1933 ernennt ihn der damalige Erzbischof von München und Freising, Kardinal Michael von Faulhaber, zu seinem kirchenpolitischen Referenten. In dieser Funktion dokumentiert Neuhäusler die Machenschaften der Nationalsozialisten und legt gegen die zahlreichen Übergriffe der neuen Machthaber Protest ein. Nach seiner zweiten Verhaftung 1941 in München wird Neuhäusler nach Berlin ins Konzentrationslager Sachsenhausen verbracht, später in Dachau interniert. Gegen Kriegsende wird er mit anderen Sonderhäftlingen nach Südtirol verschleppt und im Mai 1945 durch die Amerikaner befreit.

Ein persönliches Gelübde aus der Zeit seiner Inhaftierung erfüllend, setzt sich Neuhäusler bereits wenige Tage nach seiner Rückkehr nach München für einen Wiederaufbau der verfallenen Basilika auf dem Petersberg ein, wo dank seines Engagements 1953 auch die Katholische Landvolkshochschule eingeweiht werden konnte. 1947 wird Neuhäusler zum Weihbischof ernannt. In Vorbereitung des 37. Eucharistischen Weltkongresses, der 1960 in München stattfindet, regt Neuhäusler eine „Sühnefeier“ auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Dachau an und lässt hierfür die „Todesangst-Christi-Kapelle“ errichten. In den folgenden Jahren unterstützt er den Aufbau des Karmel „Heilig Blut“ als „Sühnekloster“. Nach seinem Tod am 14. Dezember 1973 wird Weihbischof Neuhäusler in der Kirche des Karmel neben dem Altar bestattet. (ck)