Ausbildungsberuf Kirchenmaler Anspruchsvolles und abwechslungsreiches Tätigkeitsfeld

Aktuell gibt es 324 duale Ausbildungsberufe mit den wechselnden Lernorten Betrieb und Berufsschule in Deutschland. Einer davon ist der zur Kirchenmalerin und zum Kirchenmaler. Bernd Flassak bildet Jugendliche in Wolfersdorf bei Freising aus. „Wichtig ist mir die Entwicklung der sozialen Kompetenz, der Persönlichkeit, die sich mit der täglichen Leistung entwickelt“, meint der Kirchenmalermeister.
Auszubildende Mirjam Neufanger bei Restaurantionsarbeiten
Auszubildende Mirjam Neufanger bei Restaurationsarbeiten
Mirjam Neufanger hat schon immer alles mit allen Sinnen erfassen und ertasten wollen und arbeitet auch gern körperlich. Jetzt lernt die 18-Jährige den Beruf der Kirchenmalerin. „Die Ausbildung ist ein Lernprozess, klar ist nicht von Anfang an alles, was ich mache, perfekt“, erzählt sie. Die junge Frau ist derzeit eine von 23.500 Auszubildenden im Handwerk in Oberbayern in einem der 80.000 Handwerksbetriebe.

Neufanger lernt bei Bernd Flassak, Kirchenmalermeister in Wolfersdorf bei Freising. Dieser führt einen kleinen Handwerksbetrieb für Restaurierung und Farbgestaltung mit zwei Gesellen, einer Gesellin in Teilzeit und der Auszubildenden Neufanger. „Im Handwerk gibt es für jeden Menschen einen Arbeitsplatz“ meint Flassak. Seine Mitarbeiter kommen derzeit bis ins Donau Ries oder nach Niederbayern, Flexibilität ist gefragt. Zwei ehemalige Azubis haben mittlerweile selbst den Meisterbrief erhalten.
Kirchenmalermeister Bernd Flassak
Bernd Flassak
Kirchenmaler bilden eine Fachgruppe in der Malerinnung. Ein Mitarbeiter kann so unterschiedliche Arbeiten ausführen wie Wände vorbereiten, kunstvolle Bilder restaurieren, Geräte warten oder anspruchsvolle Kundengespräche führen. Alle tragen weiße Kittel, da natürlich auch staubig-schmutzige Arbeiten Teil dieses Handwerks sind. Weitere vielfältige Kenntnisse sind gefragt: Bei einem Gespräch etwa über Ursachen eines Schadenbildes oder einem älteren Gebäude benötigt man auch Kenntnisse aus Kunstgeschichte, Physik und Chemie.

Kirchenmaler ist ein zutiefst handwerklicher Beruf, doch auch hier zeigt sich der Trend zur Digitalisierung: Klimamessungen werden digital erfasst und auf dem Computer verarbeitet, Fotos werden mit der digitalen Kamera geschossen und digital bearbeitet. Informationen über Bauwerke und kunstgeschichtliche Informationen recherchieren die Mitarbeiter auch über das Internet. Selbst die Arbeitszeit der Mitarbeiter wird über eine App auf dem Handy erfasst.

"Azubis können etwas bewegen"

Azubi Neufanger empfiehlt anderen Jugendlichen, sich die verschiedenen Handwerksberufe genau anzusehen und bei Bedarf auch eine Ausbildungsstelle an einem ferneren Ort zu suchen. Sie selbst kommt aus der Nähe von Nürnberg und wohnt nur unter der Woche in Freising. Ihr Opa väterlicherseits war Kfz-Mechaniker, so hat sie schon früh Einblick in ein Handwerk gewonnen.

Flassak setzt in der Berufsausbildung auf Verantwortung und Selbstständigkeit der Auszubildenden: „Wichtig ist mir die Entwicklung der sozialen Kompetenz, der Persönlichkeit, die sich mit der täglichen Leistung entwickelt.“ Spätestens im dritten Ausbildungsjahr „merken die Azubis, sie können etwas bewegen, mitmischen, sie gehören zur Gemeinschaft“. Eine duale Ausbildung steigere das Selbstwertgefühl. Manche Azubis seien am Anfang noch vorsichtig und zurückhaltend. Durch ihre Arbeit und ihre Leistung werden sie jedoch bestätigt und merken: „Ich kann was. Sie lernen mit den Kollegen und dem Chef auf Augenhöhe zusammenzuarbeiten“, weiß Flassak aus Erfahrung. Die Entwicklung zu selbstbewussten, kompetenten Mitarbeitern ist im Handwerk Teil der Ausbildung.
Auszubildende Mirjam Neufanger
Flassak selbst lernte nach dem Abitur 1982 Kirchen-, später Theater- Bühnenmalerei. „Ich hätte studieren können, doch ein Studium war mir nicht praktisch genug.“ 1992 folgte die Meisterprüfung als Kirchenmaler, seit 1994 arbeitet er selbstständig im eigenen Handwerksbetrieb. Er ist als Experte bei der Neuordnung der Ausbildungsordnung des Berufes des Kirchenmalers auch bundesweit unterwegs gewesen und hat so viele unterschiedliche Betriebe kennen gelernt.

Für Kirchenmaler gibt es wie in jedem der über 130 Handwerksberufe viele Chancen und Entwicklungsmöglichkeiten, je nach Persönlichkeitstyp und Interesse. Ein Kirchenmaler etwa kann sich als Restaurator fortbilden, den Meisterkurs besuchen und später als Selbstständiger oder als Fachberater arbeiten. Flassak übernimmt auch Aufträge von Privatkunden – wie zum Beispiel vom Bayerischen Hof in Freising, wo er das Deckengemälde aus dem 19. Jahrhundert nach einem Wasserschaden restaurierte. Vor allem das Gestalten von außergewöhnlichen Räumen mit verschiedensten Maltechniken haben er und sein Mitarbeiter sich zur Aufgabe gemacht. Flassak ist stolz auf seine Arbeit: „Ich bin Kirchenmaler, weil es mir Spaß macht.“
Text: Gerhard Endres, Freier Mitarbeiter "Münchner Kirchenzeitung"