Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung unseres Angebots erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen.
OK
Mehr Infos

Spannende Reise durch den Körper Die Workshops des MFM-Programms begleiten Kinder und Jugendliche durch die Pubertät

In den Workshops des sexualpädagogischen Programms „My Fertility Matters“ (MFM) erfahren Mädchen und Jungen, was während der Pubertät in ihrem Körper geschieht und wie neues Leben entsteht. Die liebevoll gestalteten Kurse vermitteln Fachwissen und Werte, gemäß dem Leitwort von MFM: Nur was ich schätze, kann ich schützen.
Kopf einer Jugendlichen mit Herzen im Gesicht
Kinder und Jugendliche durch die Pubertät begleiten

Willkommen zur Zyklusshow!

Spermium plus Eizelle ist Baby. Eine einfache Gleichung, symbolisiert durch einen Luftballon, eine goldene Kugel und eine Puppe. Aber so einfach ist das nicht. Im Gegenteil. Bis ein neues Leben entsteht, muss ganz schön viel passieren. Was genau und wie das alles abläuft, erfahren an einem Donnerstagvormittag im Februar die Schülerinnen einer fünften Klasse der Erzbischöflichen Maria-Ward-Realschule in München-Nymphenburg.
 
Workshopleiterin Pauline Pleil hat auf dem Fußboden aus Tüchern, Schildern, Perlenketten und allerhand anderen Materialien eine etwa zwei Mal zwei Meter große Gebärmutter gestaltet. Die 15 Mädchen im Alter von neun bis zwölf Jahren sitzen auf Stühlen im Kreis um das gelegte Bild herum. Und schon geht’s los. Von der monatlichen Blutung ist die Rede, von der Spermienproduktion in den Hoden, von Eizellen und Eierstöcken. Wie in einem Theaterstück lässt Pleil die körperlichen Akteure und Vorgänge für die Kinder lebendig werden.

Klar, offen und unverkrampft beschreibt die 25-Jährige, was genau im Körper passiert. Sie verwendet eine bildreiche Sprache und bezieht die Mädchen immer wieder mit Fragen und kleinen Aufgaben in ihre Präsentation ein. „Wo wohnen die Eizellen?“, „Wie viele Eizellen braucht man für ein Baby?“ oder „Wer hat ‚entschieden‘, dass ihr Mädchen geworden seid?“, will Pleil von den Kindern wissen. Einige von ihnen kichern, andere halten sich verschämt die Hand vor den Mund. Aber alle verfolgen interessiert, viele auch fasziniert, was da vor ihren Augen und Ohren abläuft.

Aufklärung als Mitmach-Show statt Frontalunterricht

Workshop My Fertility Matters an Maria Ward Realschule München
MFM Workshop an Maria Ward Realschule
Der Workshop „Zyklusshow“, an dem die Schülerinnen an diesem Vormittag teilnehmen, ist ein Angebot von My Fertility Matters (MFM), dem bundesweit größten sexualpädagogischen Programm. Seit mehr als 20 Jahren begleitet es Kinder und Jugendliche durch die Pubertät. „Wir wollen die Kinder mit dem notwendigen Basiswissen ausstatten, um sie auf das großartige Wunder in ihrem Körper vorzubereiten“, sagt Gründerin und Ehrenvorsitzende Elisabeth Raith-Paula. Rund eine Millionen Schülerinnen und Schüler hat das Programm seit 1999 mit seinen Angeboten erreicht.
 
Den Erfolg des Programms führt Vorstandsvorsitzende Elisabeth Wiedenhofer auf die besondere Art der Vermittlung zurück. Denn anders als im klassischen Biologieunterricht kommen bei MFM keine Fachbücher, Diagramme oder realgetreue Zeichnungen zum Einsatz, sondern ansprechende, liebevoll gestaltete Materialien. Statt Frontalunterricht erwartet die Kinder eine interaktive Mitmach-Show. Da wird das Hormon Östrogen zur besten Freundin, das Spermium zum Spezialagenten und die Gruppe darf gemeinsam rätseln, was ein Deo mit der Pubertät zu tun hat.

„Wir vermitteln fundiertes Fachwissen mit einer emotional ansprechenden Didaktik“, erklärt Wiedenhofer. Es sei wichtig, Pubertät nicht nur in Hinblick auf ihre Gefahren und Probleme zu betrachten, sondern als etwas Großartiges, gemäß dem Leitgedanken des Programms: Nur was ich schätze, kann ich schützen.

Workshops für jedes Alter

Workshop mit Jungen zu My Fertility Matters an Schule
Entdeckungstour auch für Jungs
In vier standardisierten Workshops bekommen Mädchen und Jungen, getrennt nach Altersklasse und Geschlecht, Einblicke in das Thema Fruchtbarkeit. In der „KörperWunderWerkstatt“ setzen sich Schülerinnen und Schüler der vierten Klasse behutsam mit den körperlichen und seelischen Veränderungen während der Pubertät auseinander.

Mädchen in der fünften oder sechsten Klasse erleben in der „Zyklusshow“, was während des monatlichen Zyklus im Körper der Frau geschieht. Jungen in diesem Alter gehen im Workshop „Agenten auf dem Weg“ auf Entdeckungstour durch den männlichen Körper.

Der Workshop „WaageMut“ bringt Teenagern ab der achten Klasse neben einem fundierten Wissen zum Thema Fruchtbarkeit die Wirkungsweise und die Auswirkungen gängiger Verhütungsmethoden näher und gibt Impulse für eine gelingende Beziehung. Zu den meisten Kursen werden begleitende Vorträge für die Eltern der teilnehmenden Schülerinnen und Schüler angeboten.

Nach eineinhalb Stunden haben die Mädchen aus der Maria-Ward-Realschule gelernt, was geschehen muss, damit aus einem Spermium und einer Eizelle ein Kind entstehen kann. Später werden sie eine Traumreise durch ihren eigenen Körper machen und anschließend selbst in die Rolle von Hormonen schlüpfen und erleben, wie diese ein Mädchen zur Frau werden lassen und dafür sorgen, dass es zum ersten Mal seine Monatsblutung bekommt.

In einem ausführlichen Gespräch werden die Schülerinnen erfahren, was es mit diesem Blut genau auf sich hat, warum sie keine Angst vor „den Tagen“ haben müssen und wie Binden und Tampons verwendet werden – und können abschließend alles fragen, was ihnen zu diesem Thema sonst noch auf dem Herzen liegt.
Workshop My Fertility Matters Maria Ward Realschule München
Die Zyklusshow - emotional ansprechend
Am Ende eines langen, intensiven Vormittags sind die Mädchen, das zeigen die Auswertungsbögen, die sie anonym ausgefüllt haben, sehr zufrieden. Sie haben das Gefühl, viel über ihren Körper gelernt zu haben und ihn nun besser zu verstehen. Vor allem die Traumreise und die Art der Vermittlung haben den meisten Mädchen gut gefallen. Offenbar ist es der Leiterin gelungen, das umzusetzen, was MFM sich für alle seine Workshops zum Ziel gesetzt hat: die ganze Gruppe mitzunehmen auf eine spannende, unterhaltsame und lehrreiche Reise durch den Körper.

Text: Christina Tangerding, freie Redakteurin