"Das Thema Demokratie ist eng verzahnt mit dem christlichen Menschenbild" Der München-O-Mat gibt Orientierung für die Kommunalwahl

Am 8. März wird in unserem Erzbistum gewählt. Um besonders Jung- und Erstwählern Orientierung zu geben, hat der BDKJ München den München-O-Mat entwickelt, ein digitales Tool nach dem Vorbild des Wahl-O-Mat, das am 4. Februar veröffentlicht worden ist und Positionen mit denen der Parteien vergleicht. Darüber sprachen wir mit Vorständin Sabrina Böck.
 
Das BDKJ-Redaktionsteam für den München-O-Mat
Das BDKJ-Redaktionsteam des München-O-Mat
Frau Böck, wie sind sie zu Ihrem Ehrenamt gekommen?

Sabrina Böck: Zum BDKJ bin ich einfach durch Engagement in der Pfarrei gekommen. Dabei habe ich irgendwann die überpfarrlichen Strukturen kennen gelernt und habe Sachen gefunden, die mich interessiert haben. Zuerst war das die Gottesdienstvorbereitung für die Holywood-Gottesdienste . Dann habe ich die Gebietsarbeit kennen gelernt, fand das spannend und war vier Jahre lang Gebietssprecherin. 2022 habe ich mich entschlossen, dass ich gerne im Vorstand aktiv werden möchte.

Sie haben den München-O-Mat entwickelt, ein Online-Tool, das vor allem Erstwählern Orientierungshilfe geben möchte für die Kommunalwahl am 8. März 2026. Wie sind sie zu dieser speziellen Aufgabe gekommen?

Sabrina Böck: Als Vorstandsteam haben wir den München-O-Mat initiiert, weil uns aufgefallen ist, dass die Kommunalwahl zwar direkt vor unserer Haustür passiert, aber gleichzeitig für viele junge Menschen schlecht verständlich ist. Die Kommunalpolitik ist nicht so zugänglich und man bekommt medial wenig mit.

Gleichzeitig wussten wir, dass das Team des Wahl-O-Mat auf Landes- und Bundesebene aktiv ist, aber die kommunale Ebene nicht abdeckt, weil sie zu kleinteilig ist. Daraus ist die Idee gewachsen, selbst etwas dazu zu machen. Der BDKJ hat in der Vergangenheit auch schon andere politische Projekte realisiert. Es gab da also bereits einen Hintergrund. Da wir im Vorstand alle kirchenpolitisch und gesellschaftspolitisch interessiert sind, Lust darauf hatten und auch alle anderen begeistert waren, haben wir gesagt: Wir ziehen es durch.
 
Sabrina Böck
Sabrina Böck
Was hat sie besonders gereizt an der Idee?

Sabrina Böck: Ich studiere Politik und Gesellschaft im Hauptfach für Grundschule. Dementsprechend ist mir Demokratiebildung ein großes Anliegen. Gleichzeitig genieße ich das politische Engagement des BDKJ, das eben nicht nur kirchenpolitisch, sondern auch gesellschaftspolitisch ist. Durch das Engagement im BDKJ habe ich einen Einblick in Richtung Kommunalpolitik, merke aber auch, dass sie gerade für junge Leute sehr schwierig zu durchblicken ist. Und deswegen war der München-O-Mat ein Herzensprojekt für mich.

Wie ist das Projekt abgelaufen?

Sabrina Böck: Die Projektleitung besteht aus vier Personen, drei aktuellen BDKJ-Vorständen und einem ehemaligen Vorstandsmitglied. Für die Thesenentwicklung haben wir in einer offenen Ausschreibung ein Redaktionsteam zusammen gestellt. Das war eine gemischte Gruppe junger Menschen. Nicht alle kamen aus der kirchlichen Jugendarbeit. Einige waren parteipolitisch aktiv, andere haben das über die Schule oder die Uni mitbekommen.

Zu jedem Überthema haben wir uns Experten oder Expertinnen eingeladen, die uns einen Hintergrund gegeben haben, was auf kommunaler Ebene gerade passiert, welches die wichtigen Themen sind, damit wir dann im Anschluss Thesen entwickeln konnten.
 
Zur Person:
Sabrina Böck stammt aus der Pfarrei St. Augustinus in Trudering. Seit 2017 ist sie aktiv im BDKJ, 2022 wurde sie in den Vorstand der Region München gewählt. Derzeit bereitet sich die 27-Jährige auf ihre erste Staatsprüfung für das Grundschullehramt vor und engagiert sich daneben insbesondere in der Projektleitung des München-O-Mat, einem Online-Tool, das vor allem Erstwählern Orientierung geben will für die Kommunalwahlen in München im März 2026.
 
Wie sind Sie dann vorgegangen?

Sabrina Böck: Zu Beginn haben wir den Zeitplan erarbeitet und die methodische Herangehensweise. Natürlich waren wir auch bei der Thesenentwicklung dabei und haben diese dann an die Parteien verschickt, damit diese dazu Stellung nehmen können. Alle 14 zur Wahl zugelassenen Parteien nehmen am München-O-Mat teil.

Beeinflusst Ihr Glaube die Arbeit am München-O-Mat?

Sabrina Böck: Unsere Überlegung war ja, die 35 Thesen möglichst so zu gestalten, dass sie die Unterschiede der Parteien aufzeigen, dass sie sowohl zugestimmt als auch abgelehnt werden können. Entsprechend sind die Thesen nicht vollständig so geschrieben, dass sie unserer Werthaltung oder unserer Grundhaltung entsprechen.

Aber natürlich gibt es einen indirekten Einfluss, der definitiv spürbar ist. Das Thema Demokratie an sich ist sehr eng verzahnt mit unserem christlichen Menschenbild. Der Gedanke, dass wir alle gleichwertig sind, bedeutet eben auch, dass alle Stimmen gleichwertig sein sollten. Deshalb ist Demokratie für uns als katholischem Jugendverband ein zentrales Thema in all unserer Arbeit.

Haben Sie das Gefühl, dass dieses Ehrenamt Ihnen persönlich etwas bringt, Sie beeinflusst?

Sabrina Böck: Wir haben uns darüber tatsächlich kürzlich erst im Vorstand unterhalten. Gerade dieses Projekt bringt mich persönlich, aber auch uns alle definitiv weiter, weil wir Lernerfahrungen machen, die wir außerhalb dieses Ehrenamts nicht machen könnten. Ich kenne mich jetzt viel besser mit rechtlichen Strukturen aus, kann Leitungserfahrung sammeln, die ich sonst nie hätte. Und ich kann auf ein riesiges Netzwerk zurückgreifen, das mich auch in meiner persönlichen Entwicklung unterstützt.

Das gilt aber auch für andere Ebenen und Gruppen: Zum Beispiel habe ich, glaube ich, in meinem Leben noch nie so vertieft über Theologie und Glauben nachgedacht wie in Gottesdienstvorbereitungsgruppen im BDKJ. In den verschiedensten Gruppierungen lernt man hier Dinge, die man sonst nicht lernen würde.

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