Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung unseres Angebots erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen.
OK
Mehr Infos

Erklärung der Freisinger Bischofskonferenz

Herbstvollversammlung der bayerischen Bischöfe in München vom 7. bis 8. November 2018

1. Weiterführung der Ergebnisse der Jugendsynode

 
Der Bischof von Passau und Vorsitzende der Jugendkommission der Deutschen Bischofskonferenz, Stefan Oster, und Kardinal Reinhard Marx berichteten den bayerischen Bischöfen von der am 28. Oktober zu Ende gegangenen Jugendsynode in Rom. Es wurde deutlich, dass sich die Kirche verändern muss, damit sie von jungen Menschen stärker angenommen wird. Die Synodalität ist deshalb für die Zukunft der Kirche von außerordentlicher Wichtigkeit. Zudem sind Glaubwürdigkeit und Authentizität Voraussetzungen dafür, dass die Kirche das Evangelium überzeugend lebt und zu einer wirklich evangelisierenden Kirche wird. Die Synode in Rom hat dafür einen wichtigen Schritt getan.
 
In diesem Zusammenhang wurde im Gespräch der Bischöfe auch deutlich, dass insbesondere vor dem Hintergrund der aktuellen Herausforderungen durch die Missbrauchsfälle wichtige Themen wie der Umgang  mit Sexualität, Homosexualität, die Rolle der Frau und der Zölibat für die Jugendlichen wie für die gesamte Kirche auf der Tagesordnung stehen. Wenn die Kirche eine stärkere Partizipation will, muss sie diese Themen offen und angstfrei ansprechen und Perspektiven aufzeigen.

 
2. Austausch mit katholischen Laien
 
Die Freisinger Bischofskonferenz tauschte sich mit dem Präsidium des Landeskomitees der Katholiken in Bayern über aktuelle Fragen aus. Themen waren unter anderem die Transparenzoffensive im Bereich kirchlicher Finanzen und die Situation nach Veröffentlichung der Missbrauchsstudie. Dabei war zu spüren, dass gegenseitige Offenheit, Solidarität und eine kritische Begleitung wichtig sind. Ohne eine starke und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Laien werden die derzeitige Krise der Kirche und die anstehenden großen Herausforderungen nicht zu bewältigen sein. 
 
 
3. Katholische Hochschullandschaft
 
3.1. Neuer Studiengang Hebammenkunde
Die Katholische Stiftungshochschule München (KSH) wird als erste Hochschule in Bayern einen Studiengang zur Hebammenkunde einrichten. Die bayerischen Bischöfe als Träger der kirchlichen Hochschule reagieren damit auf die Notwendigkeit, den Hebammenberuf an die wachsenden Anforderungen durch gesellschaftliche Veränderungen und medizinischen Fortschritt anzupassen.  Das Studium an der KSH soll den Hebammen ermöglichen, sich selbst professionell auf Basis des christlichen Menschenbildes orientieren und verhalten zu können. Eine entsprechende EU-Leitlinie fordert die Akademisierung des Hebammenberufes bis zum 18. Januar 2020. Der Bachelorstudiengang an der KSH, der zum Wintersemester 2019/20 eingerichtet wird, soll sieben Studiensemester umfassen. Er wird in Lehrkooperation mit der Ludwig-Maximilian-Universität und der Technischen Universität angeboten.

 
3.2. Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
Der Generalvikar des Erzbischofs von München und Freising, Peter Beer, wird mit sofortiger Wirkung neuer Vorsitzender des Stiftungsrates der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU). Er folgt in dieser Funktion auf den Augsburger Weihbischof Anton Losinger, der das Amt seit November 2014  ausgeübt hatte. Die bayerischen Bischöfe setzen mit der Wahl Beers auf Kontinuität. Der Münchner Generalvikar gehört als stellvertretender Vorsitzender dem Stiftungsrat der Universität seit 2010 an, davor hatte er von 2008 bis 2010 das Amt des Vorsitzenden des Stiftungsvorstands inne.
 
Die bayerischen Bischöfe dankten Weihbischof Losinger, der sein Engagement von Beginn an als Auftrag auf Zeit gesehen hatte, für seine vierjährige Amtszeit und für seinen großen Einsatz. Sie würdigten bei ihrer Vollversammlung die positive Entwicklung der KU in den vergangenen vier Jahren. Die Aktivitäten in der Forschung und die Drittmitteleinnahmen konnten auch deutlich gesteigert werden. So gelang es Geographen der Universität zuletzt, finanzielle Mittel in siebenstelliger Höhe für eine von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Forschungsgruppe einzuwerben. Die Hochschule hat außerdem Anstrengungen unternommen, um sich international und national im Bildungsbereich mit strategischen Partnern zu vernetzen. Durch neue Schwerpunkte und die Einführung neuer Studienangebote konnte sie ihr Profil deutlich schärfen. Dazu gehört der Aufbau des Zentrums Flucht und Migration, das vor kurzem gemeinsam mit einem Forschernetzwerk die bundesweit größte Fachtagung zur Flucht- und Migrationsforschung veranstaltete.
 
Mit dem Staffelwechsel von Losinger zu Beer kann die KU ihren guten Weg fortsetzen, nachdem in den vergangenen vier Jahren der Träger die Universität gemeinsam mit der amtierenden Hochschulleitung wieder in ruhiges Fahrwasser geleitet hat und eine kontinuierliche und erfreuliche Entwicklung eingetreten ist.
 
 
4. Flucht und Migration
 
Viele der in den Ankerzentren untergebrachten Menschen, unter denen ein großer Anteil Christen sind, die beispielsweise aus Nigeria oder der Ukraine stammen, brauchen und wünschen sich Seelsorge. Die bayerischen Bischöfe haben das Katholische Büro Bayern beauftragt, gemeinsam mit der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Gespräche mit dem bayerischen Innenministerium zu führen, wie dies ermöglicht werden kann. Die Bischöfe sind bereit, Seelsorger für diese Aufgabe bereitzustellen.
 
 
5. Roboter in der Pflege
 
Als  Mitglied der Bioethikkommission der bayerischen Staatsregierung informierte Weihbischof Anton Losinger über ein Positionspapier zum Einsatz von  Robotern in der Pflege. Demzufolge kann mit Blick auf den Pflegekräftemangel der Einsatz innovativer technischer Systeme hilfreich sein. Er kann eine  Entlastung in den Bereichen Therapie, Pflege und Rehabilitation ermöglichen, zum Beispiel durch den Einsatz von Reinigungsrobotern, Transportsystemen, Mobilitätshilfen und entlastenden Systemen bei körperlich schweren Pflegetätigkeiten sowie bei kraft- und zeitintensiven Routinetätigkeiten. Wichtig ist den Bischöfen aber, dass Pflege zugleich als Beziehungsgeschehen betrachtet wird, das von Menschenwürde und Empathie geprägt sein muss und nicht durch Technik ersetzt werden kann. Angesichts des dramatischen Fortschrittsschubs in den Bereichen Robotik, Digitalisierung und Mensch-Maschine-Interface dürfen Pflegeroboter nicht zu einer Bedrohung von Würde und Freiheit der zu pflegenden Menschen werden.