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Gedenkgottesdienst für von Nazis getöteten Kaplan Wehrle

Messe in Heilig Blut mit Weihbischof Rupert Graf zu Stolberg
München, 9. September 2019. Weihbischof Rupert Graf zu Stolberg feiert anlässlich des 75. Todestages von Kaplan Hermann Joseph Wehrle am Samstag, 14. September, um 18.30 Uhr einen Gedenkgottesdienst in der Pfarrkirche Heilig Blut im Münchner Stadtteil Bogenhausen. Dort hatte Wehrle vor seiner Hinrichtung durch die Nazis als Kaplan gewirkt. Wehrle zählt zu den annähernd 1000 Männern und Frauen, deren Lebensbild im aktuellen deutschen Martyrologium nachgezeichnet wird, dem offiziellen Verzeichnis von um ihres Glaubens willen zu Blutzeugen gewordenen Menschen.
 
Geboren wurde Hermann Joseph Maria Dionys Wehrle am 26. Juli 1899 in Nürnberg in eine tief katholische Familie, der selige Jesuitenpater Rupert Mayer war sein Vetter. Aus beruflichen Gründen zog die Familie nach Frankfurt-Höchst, wo Wehrle seine Schulzeit verbrachte. Sein Lebensziel war das Priestertum. Er studierte Geschichte, Soziologie, Philosophie und – mit Unterbrechungen – Theologie und war nach seiner Promotion auch journalistisch tätig. 1933 fand diese Tätigkeit ein jähes Ende, da Wehrle sich weigerte der Reichsschrifttumskammer der Nazis beizutreten. Nach mehrjähriger Mitarbeit in der ökumenischen Una-Sancta-Bewegung, in Aufgaben religiöser Erziehung und einjährigem Noviziat in der Benediktinerabtei Scheyern nahm Wehrle 1940 sein Theologiestudium in der Erzabtei St. Ottilien wieder auf und trat ein Jahr später in das Erzbischöfliche Priesterseminar Freising ein. Am Ostermontag 1942 wurde er von Kardinal Michael von Faulhaber im Freisinger Dom zum Priester geweiht, für ihn der „Zenit meines Lebens“, ein „Höhepunkt, der nicht mehr überschritten wird“.
 
Aus seinen Plänen, ins Kloster zu gehen, wurde nichts mehr: Am 18. August 1944 wurde Wehrle von zwei Gestapoleuten verhaftet. Am 21. August 1944 stand er in Berlin Ludwig Freiherrn von Leonrod in dessen Hauptverhandlung gegenüber. Leonrod hatte durch Graf Claus Schenk von Stauffenberg von einem möglichen Attentat auf Hitler erfahren. Als streng gläubiger Katholik fragte er seinen Beichtvater, ob bereits dieses Wissen Sünde sei. Wehrle hatte das verneint. Nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler wurde Leonrod verhaftet und gab unter den Foltermethoden der Gestapo das Seelsorgegespräch preis, allerdings in der Annahme seinem Beichtvater könne nichts geschehen, weil auch das Reichkonkordat von 1933 bei Ausübung der Seelsorge vertrauliche Auskünfte unter die zu respektierende Verschwiegenheitspflicht gestellt hatte.
 
Am 14. September 1944 wurde Wehrle in Berlin-Plötzensee wegen Hoch- und Landesverrats gehängt. Seine Asche verstreute man über die sogenannten Rieselfelder, Ländereien, auf  die Kanalisationsgewässer geleitet wurden, um die Erinnerung an ihn in einem Grab auszulöschen. Die Schwester Wehrles fand später in der zurückgeschickten Kleidung ihres Bruders zwei kleine Zettel. Auf einem stand ein Zitat des Jesuiten Peter Lippert: „Der Weg des Menschen zu Gott heißt an seiner steilsten Strecke Einsamkeit“. Auf dem anderen: „Ich bin eben zum Tode verurteilt. Welch schöner Tag – heute Kreuzerhöhung.“ (uq)