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Katholikenrat fordert Gleichberechtigung in der Kirche

Vollversammlung verabschiedet Resolution zur Geschlechtergerechtigkeit
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München, 30. November 2019. „Die Gleichbehandlung aller Geschlechtsidentitäten durch die Kirche und die Zulassung aller getauften und gefirmten Menschen katholischen Glaubens zum Amt“, vor allem in Sinne des Weiheamtes, fordert der Katholikenrat der Region München. Nicht zuletzt aus Gründen der Glaubwürdigkeit müsse die Kirche die Gleichberechtigung aller Menschen nach denselben Kriterien beurteilen wie in Staat und Gesellschaft, postuliert das Gremium in einer Resolution, die es bei seiner Vollversammlung am Freitag, 29. November, in München-Gern mehrheitlich verabschiedet hat. „Frauen tun heute schon seelsorgliche Dienste als geistliche Begleiterinnen oder Leiterinnen von Beerdigungen“, heißt es weiter in dem Papier. Sie seien in der Gemeindeleitung aktiv, so dass für viele Gemeindemitglieder nicht mehr nachvollziehbar sei, weshalb sie etwa keine Beichte hören und das Sakrament der Versöhnung spenden dürften. Daher mahnt das Gremium „auch innerhalb der Kirche eine vorbehaltlose Anerkennung und Gleichberechtigung aller Geschlechteridentitäten“ an. Erforderlich dazu sei der Dialog der Kirchenleitung mit den Frauen. „Die Gleichberechtigung ist in allen Gremien auf allen Ebenen der Kirche durchzusetzen, von den Pfarreien vor Ort bis in den Vatikan, gleichgültig, ob es sich um Haupt- oder Ehrenamtliche handelt“, so der Katholikenrat.
 
In der Begründung seiner Forderungen beruft sich das Gremium auf das Zweite Vatikanische Konzil, mit dem es die Überzeugung teile, so ein Zitat aus dem Dokument „Gaudium et Spes“, dass jede Form einer Diskriminierung in den gesellschaftlichen und kulturellen Grundrechten der Person überwunden und beseitigt werden müsse, da sie dem Plan Gottes widerspreche. „Geschlechtergerechtigkeit sehen wir nicht nur als Aufgabe in Gesellschaft und Staat, sondern auch als Aufgabe für alle Strukturen und Dienste innerhalb der Kirche“, betont die Resolution. Biblisch begründet sei sie in der Art von Jesu Umgang mit den Frauen. Zitiert wird hier der biblische Galater-Brief: „Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht männlich und weiblich; denn ihr alle seid einer in Christus Jesus.“
 
In dem Papier werden zudem verschiedene Begrifflichkeiten eingeordnet. Die Bedeutung der sogenannten Gender Studies etwa sehe der Katholikenrat darin, „dass mit ihnen die Unterschiede zwischen den Geschlechtern untersucht werden, die selbstverständlich sowohl biologisch als auch kulturell bedingt sind“. Die englische Sprache kenne dafür die Unterscheidung von „sex“ (biologisches Geschlecht) und „gender“ (kulturelle Geschlechtsrolle), beide seien miteinander verschränkt. Soweit der Begriff „Gender Mainstreaming“ verwendet werde, verstehe ihn das Laiengremium als „programmatisches und analytisches Instrument entsprechend seiner Verwendung in europäischen und kirchlichen Papieren seit Beginn der 2000er-Jahre und nicht als ideologiebelastete und damit insgesamt abzulehnende Denkrichtung“. Das Positionspapier stellt klar: „Nicht ,Gender Mainstreaming‘ an sich ist abzulehnen, sondern nur Positionen und Ziele eines Umgangs mit den verschiedenen Geschlechtern, die dem christlichen Menschenbild nicht entsprechen, so wie auch Politik und Wissenschaften nicht generell abzulehnen sind, sondern nur bestimmte Inhalte und Ziele, die nicht mit dem christlichen Menschenbild kompatibel sind.“ (kbr)