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Marx: „Kirche muss im Kulturbereich vorangehen“

Kardinal Marx spricht mit Gasteig-Geschäftsführer Max Wagner über Veränderungen in Kirche und Kultur
Erzdiözese beteiligt sich mit mehreren Projekten an Faust-Festival 2018
Künstlerempfang der Erzdiözese
Austausch über Kirche und Kultur: Gasteig-Geschäftsführer Max Wagner (l.), Kardinal Marx. © Kiderle
München, 12. Oktober 2017. Die katholische Kirche soll nach Ansicht von Kardinal Reinhard Marx im Bereich der Kunst und Kultur Vorreiter sein. „Die Kirche hat einen Auftrag und sie hat eine große Geschichte. Sie sollte vorneweg gehen und nicht hintenanstehen“, erklärte der Erzbischof von München und Freising beim Künstlerempfang der Erzdiözese am Mittwoch, 11. Oktober, in München. Die Kirche könne selbstbewusst auf ihr vielfältiges Engagement im künstlerischen und kulturellen Bereich blicken, sagte der Kardinal. Durch Kirchenchöre, Orchester, Kirchenräume und kirchliche Museen kämen viele Menschen mit Kunst in Berührung. In einer Zeit, in der viele, darunter auch Kirchgänger, die christliche Symbolik nicht mehr lesen könnten, gelte es mitzuhelfen, diese Symbolik verständlich zu machen.
 
Mit Blick auf die beiden neuen Kirchen in Poing und Holzkirchen, die in der Erzdiözese derzeit im Bau sind, sagte der Kardinal, Diskussionen über die Kosten für derartige Projekte seien berechtigt, die Kirche müsse ihr Geld verantwortungsvoll einsetzen. Zugleich gelte für sie: „Wir wollen keine Kunst, die nicht Qualität hat.“ Der Einfluss kirchlicher Kunst und Baumaßnahmen reiche bis in die Stadtentwicklung. „Kirche muss mithelfen, dass unsere Städte so sind, dass sie für den Menschen lebenswert sind, schön sind, gute Lebensräume, Begegnungsräume sind“, erklärte Marx. Dazu gehöre auch Kunst, sagte er, „denn ohne Kunst kann man nicht leben“. In Zeiten kleiner werdender Gemeinden Kirchen abzureißen oder zu profanieren, müsse „das Äußerste sein‘“, sagte der Kardinal. Auch die Bevölkerung, egal ob Kirchgänger oder nicht, hänge an den Kirchen und setze sich für deren Erhalt ein. Entscheidend sei der Respekt vor dem konsekrierten Raum, erklärte Marx. „Da macht man nicht einfach ‚Schwamm drüber‘ und weg, das geht nicht!“
 
In einem moderierten Gespräch diskutierten Kardinal Marx und der Geschäftsführer des Münchner Kulturzentrums Gasteig, Max Wagner, über Chancen und Herausforderungen von Veränderungen im Bereich von Kirche und Kultur. Der Erzbischof und der Kulturmanager äußerten sich positiv über Kooperationen zwischen kirchlichen und anderen Kulturinstitutionen. Wagner erklärte, im Kontakt mit der Kirche und insbesondere mit dem Erzbistum München und Freising habe es ihn überrascht, „dass man so offen und innovativ umgehen kann mit kulturellen Ideen“. Die Begegnungen seien für beide Seiten ein Gewinn, auch wenn es wichtig sei, sich dabei das je Eigene zu bewahren.
 
Eine beispielhafte Kooperation stellt das Faust-Festival in München im kommenden Jahr dar, das Max Wagner mitinitiiert hat. Verschiedene Kulturinstitutionen werden sich von 23. Februar bis 29. Juli unter anderem in Ausstellungen, Konzerten, Theaterproduktionen, Führungen und Wettbewerben mit dem Faust-Stoff auseinandersetzen. Auch die Erzdiözese München und Freising ist mit mehreren Projekten auf dem Festival vertreten. „Dass da die Kirche mitmacht, finde ich fantastisch“, erklärte Wagner. Unter anderem stehen Großprojekte in Innenstadtkirchen auf dem Programm, für das junge Lichtdesigner der Münchner Staatstheater derzeit mit dem Kulturmanagement der Erzdiözese und den Pfarreien Konzepte erarbeiten. Zehn vornehmlich bildende Künstler präsentieren in der Pfarrkirche St. Margaret in Sendling im Rahmen des Festivals ihre Annäherungen an  Fragestellungen des „Faust“.
 
Rund 450 Kulturschaffende waren zum Künstlerempfang der Erzdiözese ins Kardinal-Wendel-Haus gekommen. Im Mittelpunkt standen Begegnungen zwischen Künstlern, Kardinal Reinhard Marx und anderen kirchlichen Vertretern. Gasteig-Geschäftsführer Max Wagner sprach über „Veränderung als Motor des Kulturlebens in der Stadt und darüber hinaus.“ (ct)

(Fotos: Kiderle)