Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung unseres Angebots erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen.
OK
Mehr Infos

Stellungnahme einer Hauptakteurin der sogenannten „Priesterinnenweihe“

bestätigt Angaben des Erzbischöflichen Ordinariates München über ein Sektenspektakel
München, 12. Juni 2002 (ok) Eine der Hauptakteurinnen der spektakulär angekündigten angeblichen „Priesterinnenweihe“, Gisela Forster, hat jetzt in einer an die Presse gerichteten Stellungnahme Angaben des Erzbischöflichen Ordinariates zu diesem Vorhaben bestätigt. Noch vor kurzem hatte sie gegenüber Zeitungen und Nachrichtenagenturen behauptet, das Ordinariat berufe sich auf „zweifelhafte Quellen“ und verbreite „falsche Informationen“.
 
Sie bestätigte jetzt, dass unter anderem ein ehemaliger katholischer und exkommunizierter Priester, der aus Argentinien stammende Romulo Braschi, eine sogenannte „Weihe“ mehrerer Frauen vornehmen werde. Braschi führt den Titel „Monsignore“ und fungiert als „Erzbischof für München, Zürich, Buenos Aires und San Salvador de Bahia“ für eine von ihm bereits in den 70er Jahren mitbegründete und ausdrücklich als „nicht römisch“ bezeichnete „Katholisch-Apostolische Charismatische Kirche Jesus König“.
 
Er hat nach eigenen Angaben innerhalb von vier Monaten zweimal eine sogenannte „Bischofsweihe“ erhalten, am 11. Oktober 1998 in München und 30. Januar 1999 in Buenos Aires. Außerdem ist er in München Chef einer Naturreligion und hat dazu 1996 den Verein „Carismatica-Oxala-Nana, Natur-Religion“ gegründet. „Die spirituelle Betreuung sowie die metaphysische Festigung“ der Mitglieder und „die Pflege der Riten“ dieser „Naturreligion“ sind als Vereinszweck angegeben.
 
Obgleich in Mitteilungen an die Öffentlichkeit zur sogenannten „Bischofsweihe“ Braschis in München ausdrücklich festgestellt wurde, es handle sich nicht um eine Angelegenheit der römisch-katholischen Kirche, wird jetzt anlässlich der sogenannten „Priesterinnenweihe“ sowohl von der Wortführerin Forster wie von ihm selbst ein solcher Zusammenhang mit abenteuerlichen Behauptungen hergestellt.
 
In der von Forster verbreiteten Stellungnahme wird außerdem erneut der bereits zu Beginn der spektakulären Veröffentlichungen ins Spiel gebrachte angebliche altkatholische Bischof Hickman genannt. Braschi und Hickman stünden „mit der Frauengruppe für Weiheämter in enger Verbindung“. Mit den Frauen überlegten sie gemeinsam, „wer der Weihebischof der Frauen sein wird, ob die Bischöfe mit den Frauen entscheiden, wer welche Frau weiht, denn auch die Kraftübertragung der Weihe ist ein Kommunikationsprozess“.
 
Zum Auftreten Hickmans in diesem Szenario hatte bereits die Altkatholische Kirche am 15. Februar 2002 erklärt, dieser berufe sich für seine Bischofsweihe „auf eine Reihe dubioser Personen, die sich nacheinander ihre ‚Bischofsweihen‘ meist durch Geld oder Angabe falscher Daten erschlichen haben“. Die meisten dieser im Fachjargon Vaganten-Bischöfe genannten Personen lebten davon, so die Mitteilung der Altkatholischen Kirche, dass sie in kirchlichem Ornat kirchliche Amtshandlungen oft bei Personen vornehmen, die gar keiner Kirche angehörten, so etwa bei Bestattungen. Sie schmückten ihre „Kirchen“, die nicht selten genug nur auf dem Papier existierten, mit nicht geschützten Phantasienamen wie „liberalkatholisch, gallikanisch-katholisch, ökumenisch-katholisch, frei-katholisch“. Außerdem würden sie sich selbst großzügig Titel verleihen wie Metropolit, Erzbischof, Bischof, Großprior.
 
Die Anhängerschaft Braschis in Deutschland wird von ihm selbst mit 250 Personen angegeben. Im Oktober des vergangenen Jahres hatte er in Fürstenfeldbruck bereits mit einer sogenannten „Heilungsmesse“ von sich Reden gemacht. Damals hatte das Ökumenereferat des Münchner Erzbischöflichen Ordinariates bereits darauf hingewiesen, dass die Vereinigung Braschis nicht zum Spektrum der anerkannten christlichen Kirchen zähle und seine Organisation keinerlei Gemeindestrukturen erkennen lasse. In dem Verein Braschis gibt es seit langem „Priesterinnen“. Er hat auch seine eigene Frau zur „Priesterin“ geweiht und konzelebriert mit ihr. Nach seinen Angaben hat das von ihm vollzogene „Ritual der heiligen Messe mit charismatischem Hintergrund“ zwei Zielsetzungen: „Es dient sowohl dem körperlichen als auch dem geistigen Wohl“.
 
Im Mai dieses Jahres hatte er auf eigenen dringenden Wunsch im Fachbereich für Sekten und Weltanschauungsfragen im Seelsorgereferat des Münchner Ordinariats um eine Unterredung nachgesucht, ohne allerdings zu erwähnen, dass er „Priesterinnen“ weihen wolle. Dieser Sachverhalt wird deswegen mitgeteilt, damit Braschi nach der unseriösen Machart der ganzen Aktion nicht auch noch in einer sein Handeln rechtfertigenden Weise behaupten kann, er habe erst vor kurzem mit dem Münchner Erzbischöflichen Ordinariat offiziellen Kontakt gehabt.
 
Fazit des Ganzen ist: Die sogenannte „Priesterinnenweihe“ ist ein dubioses Sektenspektakel und trägt die Züge eines absurden Theaters. Mit der römisch-katholischen Kirche hat das alles nichts zu tun.
 
Die seit Anfang des Jahres in Szene gesetzte sektiererische Aktion beansprucht für sich auch, das Frauen-Thema ins Gespräch gebracht zu haben. Die ganze Sache hat mit einer notwendigen und argumentativen Auseinandersetzung zu Fragen der Stellung der Frauen in Kirche und Gesellschaft aber nichts gemein. Die katholische Kirche hat gerade in den deutschen Diözesen auf die gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen einer Veränderung im Rollenverständnis der Frauen konstruktiv reagiert, so bereits vor 20 Jahren mit einem wegweisenden Wort der deutschen Bischöfe, in dem es unter anderem heißt, Frauen und Männer müssten „gleich bedeutungsvoll an der Gestaltung und Ausprägung von Kirche und Gesellschaft mitwirken“. Diese Entwicklungen sind wesentlich durch Frauen in der Kirche vorangebracht worden, und Frauen sind weiterhin maßgeblich daran beteiligt. Sie tragen im Leben der Kirche, in Pfarreien, Ordensgemeinschaften, kirchlichen Verbänden und Einrichtungen wie auch in leitenden Positionen und Aufgaben große Verantwortung. Diesen Weg einer fortschreitenden Entwicklung wird die katholische Kirche konsequent gehen. Spektakulärer sektiererischer Aktionismus trägt zu dieser Entwicklung nicht bei.
 
Winfried Röhmel
Pressesprecher