„Wir Christen sollten Menschen der Hoffnung sein“

Kardinal Marx erinnert am Allerseelentag an Heimat bei Gott, die bereits im Diesseits aufgebaut wird
München, 2. November 2023. Kardinal Reinhard Marx hat am Allerseelentag die Zuversicht als einen Kern des christlichen Glaubens hervorgehoben: „Wir Christen sollten Menschen der Hoffnung sein. Was wir miteinander feiern, ist, dass wir in einem größeren Horizont stehen, einem Horizont der Hoffnung. Der Tod ist da und er hat auch seinen Schrecken und sein großes Fragezeichen. Aber die Hoffnung, die Gemeinschaft mit Christus, ist stärker. Wir sind bei ihm daheim. Heute und in der Stunde unseres Todes“, sagte der Erzbischof von München und Freising am Donnerstag, 2. November, im Münchner Liebfrauendom bei einem Requiem für die verstorbenen Bischöfe und Erzbischöfe des alten Bistums Freising und des Erzbistums München und Freising.
 
Angesichts der „Unübersichtlichkeit der Welt, der Mobilität“ und dem damit verbundenen Bedürfnis „nach Sicherheit, Geborgenheit, nach einem Ort, wo ich anerkannt bin, wo ich weiß, dass ich hingehöre“, sei das Wort „Heimat“ in den vergangenen Jahren wieder „ein Sehnsuchtswort“ geworden, führte der Kardinal in seiner Predigt aus. Zugleich sei es „eine Einladung, tiefer zu schauen“. In der irdischen Heimat gebe es natürlich „auch Krankheit, Zerwürfnisse und Streit“, weshalb „diese Heimat nicht die letzte Heimat sein kann“, sagte Marx. So seien Christinnen und Christen erfüllt von der Hoffnung, dass „unsere Heimat im Himmel ist“, sie lebten gewissermaßen „im Himmel und auf der Erde. Nicht mit beiden Füßen auf der Erde, das ist zu wenig, mit beiden Füßen auf der Erde kommt man nicht voran, man muss ab und zu einen Fuß hochheben.“
 
Die christliche Hoffnung auf eine Heimat im Himmel beziehe sich aber auch nicht allein auf das Jenseits. Der „Hinübergang vom Tod ins Leben“ vollzieht sich nach Ansicht von Kardinal Marx „nicht erst in der Stunde unseres Todes, sondern beginnt jetzt.“ Die Heimat und Wohnung bei Gott seien entsprechend der Verkündigung Christi „nicht erst dann da, wenn wir tot sind. Sie wird jetzt aufgebaut, durch unser Leben, durch unsere Gemeinschaft mit Christus, durch die Feier der Eucharistie. Die Kirche des Himmels und die Kirche auf der Erde sind ja nicht zwei, sondern miteinander verbunden.“ So bestehe unter Christinnen und Christen „die viel größere Zuversicht, dass wir, wenn wir jetzt bei ihm daheim sind, kein Tod und keine Macht uns trennen kann von Gott, niemals. Was immer dann kommt, wir werfen uns in seine Arme. Es ist die Heimat, die sich fortsetzt, die hier begonnen hat. Es ist die Wohnung, die jetzt schon die Grundlagen hat, wo jetzt schon die Steine bereitliegen.“
 
Während Katholiken am Hochfest Allerheiligen aller Menschen gedenken, die in der Kirche als Heilige verehrt werden, ist das Fest Allerseelen dem Gedächtnis aller Verstorbenen gewidmet. Vielerorts versammeln sich die Gläubigen bereits am Nachmittag des Allerheiligentages auf den Friedhöfen zu feierlichen Gottesdiensten und Gräbersegnungen, um besonders ihrer verstorbenen Angehörigen zu gedenken. Die Ursprünge des Hochfestes Allerheiligen reichen bis ins vierte Jahrhundert zurück. Anfänglich lag der Termin im Umkreis von Ostern. Ab dem achten Jahrhundert wurde das Fest, zunächst in England und Irland, später auch in der übrigen abendländischen Kirche, am 1. November gefeiert. Entstanden ist es aus der Verehrung der Märtyrer, die wegen ihres christlichen Glaubens einen gewaltsamen Tod auf sich nahmen und als Heilige verehrt wurden. Es schließt jedoch heute neben den kanonisierten Heiligen auch „Brüder und Schwestern, die schon zur Vollendung gelangt sind“, ein, wie es im Messbuch heißt. Gemeint sind Verstorbene, die zwar nicht heiliggesprochen sind, aber ein gläubiges Leben führten. Das Fest Allerseelen entstand im zehnten Jahrhundert, als Abt Odilo von Cluny für alle ihm unterstellten Klöster anordnete, das Gedächtnis aller Verstorbenen am 2. November zu begehen. Die übrige abendländische Kirche übernahm das Fest. (ck)