Amoris Laetitia - ein Geschenk für Ehepaare und Familien

Familie
„Die Familie ist die erste Schule der menschlichen Werte, wo man den rechten Gebrauch der Freiheit lernt." In "Amoris Laetitia" (die Freude der Liebe) schreibt der Papst über Ehe und Familie. Foto: imago/Westend61
Im April 2016 hat Papst Franziskus das Schreiben „Amoris Laetitia – Über die Liebe in der Familie“ veröffentlicht. Es bündelt einen gesamtkirchlichen Reflexionsprozess zu Ehe und Familie in den Jahren 2014 und 2015. Teil dieses Prozesses waren unter anderem zwei Befragungen der Katholiken weltweit und eine Generalversammlung der Bischofssynode, die "Familiensynode", im Herbst 2015.

Das Schreiben sei "ein wirkliches Geschenk für die Eheleute, die Familien und alle Gläubigen in der Kirche", schrieben die Synodenteilnehmer Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof Dr. Heiner Koch und Bischof Dr. Franz-Josef Bode anlässlich der Veröffentlichung am 8. April 2016. "Wir freuen uns sehr darüber."


Hier einige Auszüge aus dem Schreiben von Papst Franziskus. Die Zahlen in Klammern bezeichnen die Nummern in "Amoris Laetitia".

Zu Ehe und Familie allgemein:
Familie
Familie ist eine starke Gemeinschaft. Und eine Gemeinschaft, die stärkt. Foto: imago/Westend61
„Das Wohl der Familie ist entscheidend für die Zukunft der Welt und der Kirche.“ (31)
   
„Jede Ehe ist eine Heilsgeschichte.“ (221)
 
„Die Gegenwart des Herrn wohnt in der realen, konkreten Familie mit all ihren Leiden, ihren Kämpfen, ihren Freuden und ihrem täglichen Ringen.“ (315)
   
„Eine gut gelebte Gemeinschaft in der Familie ist ein echter Weg der Heiligung im gewöhnlichen Leben wie auch des mystischen Wachstums, ein Mittel zur innigen Vereinigung mit Gott.“ (316)
 
„Die freundschaftliche Liebe vereint alle Aspekte des Ehelebens und hilft den Familienmitgliedern, in allen Phasen des Lebens voranzugehen. Darum müssen die Gesten, die diese Liebe ausdrücken, ständig gepflegt werden, ohne Engherzigkeit, voller großherziger Worte. In der Familie ist es nötig […], drei Worte zu gebrauchen. Ich will es wiederholen. Drei Worte: ‚darf ich?‘, ‚danke‘ und ‚entschuldige‘. Drei Schlüsselworte!“ (133)
 
Zur Erziehung:
 
„Die Familie darf nicht aufhören, ein Ort des Schutzes, der Begleitung, der Führung zu sein, auch wenn sie ihre Methoden neu erfinden und neue Mittel heranziehen muss.“ (260)
   
„Die Familie ist die erste Schule der menschlichen Werte, wo man den rechten Gebrauch der Freiheit lernt.“ (274)

„Die Mütter geben oft auch den tiefsten Sinn der Glaubenspraxis weiter: In den ersten Gebeten, in den ersten Gesten der Frömmigkeit, die ein Kind erlernt. […] Ohne die Mütter gäbe es nicht nur keine neuen Gläubigen, sondern der Glaube würde einen Großteil seiner einfachen und tiefen Wärme verlieren.“ (174)
 
„Ein Vater mit einer deutlichen und gelungenen männlichen Identität, der zugleich im Umgang mit seiner Frau Zuneigung und Unterstützung miteinander verbindet, ist ebenso notwendig wie die Fürsorglichkeit der Mutter. Es gibt flexible Rollen und Aufgaben, die sich den konkreten Umständen jeder Familie anpassen, doch die klare und genau definierte Gegenwart der beiden Figuren – der weiblichen und der männlichen – schafft den Bereich, der für die Reifung des Kindes am besten geeignet ist.“ (175)
 
Zu Trennung und Scheidung:
 
Man muss zugeben, dass es Fälle gibt, in denen die Trennung unvermeidlich ist. Manchmal kann sie sogar moralisch notwendig werden.“ (241)
   
„Was die Geschiedenen in neuer Verbindung betrifft, ist es wichtig, sie spüren zu lassen, dass sie Teil der Kirche sind, dass sie keineswegs exkommuniziert sind und nicht so behandelt werden, weil sie immer Teil der kirchlichen Communio sind. Diese Situationen verlangen eine aufmerksame Unterscheidung und von großem Respekt gekennzeichnete Begleitung, die jede Ausdrucksweise und Haltung vermeidet, die sie als diskriminierend empfinden könnten.“ (243)
   
„Die getrennten Eltern bitte ich: Ihr dürft das Kind nie, nie, nie als Geisel nehmen! Aufgrund vieler Schwierigkeiten und aus vielerlei Gründen habt ihr euch getrennt. Das Leben hat euch diese Prüfung auferlegt, aber die Kinder dürfen nicht die Last dieser Trennung tragen, sie dürfen nicht als Geisel gegen den anderen Ehepartner benutzt werden. Während sie aufwachsen, müssen sie hören, dass die Mutter gut über den Vater spricht, auch wenn sie nicht zusammen sind, und dass der Vater gut über die Mutter spricht. Es ist unverantwortlich, das Bild des Vaters oder der Mutter zu schädigen mit dem Ziel, die Zuneigung des Kindes zu monopolisieren, um sich zu rächen oder um sich zu verteidigen, denn das verletzt das Innenleben dieses Kindes und wird Wunden hervorrufen, die schwer zu heilen sind.“ (245)
 
„Auch wenn die Kirche Verständnis hat für die Konfliktsituationen, welche die Ehen durchmachen müssen, darf sie doch nicht aufhören, Stimme der Schwächsten zu sein: der Kinder, die leiden, oft im Stillen.“ (246)
 
„Darum dürfen die christlichen Gemeinden die geschiedenen Eltern in neuer Verbindung nicht alleine lassen. Im Gegenteil, sie müssen sie einschließen und in ihrer Erziehungsaufgabe begleiten.“ (246)


Die Zerbrechlichkeit begleiten, unterscheiden und eingliedern:
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Wohin führt uns unser Weg? Auch und besonders in Krisen brauchen Familien Unterstützung. Foto: imago/Westend61
"Diejenigen, die zur Kirche gehören, brauchen eine barmherzige und ermutigende seelsorgliche Zuwendung. Denn den Hirten obliegt nicht nur die Förderung der christlichen Ehe, sondern auch die pastorale Unterscheidung der Situationen vieler Menschen, die diese Wirklichkeit nicht mehr leben.“ (293)
 
„ … der Weg Jesu: der Weg der Barmherzigkeit und der Eingliederung. […] Der Weg der Kirche ist der, niemanden auf ewig zu verurteilen, die Barmherzigkeit Gottes über alle Menschen auszugießen, die sie mit ehrlichem Herzen erbitten. […] Denn die wirkliche Liebe ist immer unverdient, bedingungslos und gegenleistungsfrei. Daher sind […] Urteile zu vermeiden, welche die Komplexität der verschiedenen Situationen nicht berücksichtigen. Es ist erforderlich, auf die Art und Weise zu achten, in der die Menschen leben und aufgrund ihres Zustands leiden.“ (296)
   
Zur Unterstützung von Familien: 

„Wir sind berufen, die Gewissen zu bilden, nicht aber dazu, den Anspruch zu erheben, sie zu ersetzen.“ (37)

„Die Ehe ist ein kostbares Zeichen, denn wenn ein Mann und eine Frau das Sakrament der Ehe feiern, dann spiegelt Gott sich sozusagen in ihnen wider, prägt in sie die eigenen Züge und den unauslöschlichen Charakter seiner Liebe ein. Die Ehe ist das Bild der Liebe Gottes zu uns.“ (121)
 
„Die Pfarreien, die Bewegungen, die Schulen und andere Einrichtungen der Kirche können Hilfestellung leisten, um die Familien zu betreuen und neu zu beleben. Zum Beispiel durch Mittel wie Versammlungen von benachbarten oder befreundeten Ehepaaren, kurze Einkehrtage für Ehepaare, Vorträge von Spezialisten über ganz konkrete Problemkreise des Familienlebens, Eheberatungsstellen, durch missionarisch Tätige, die besonders dafür da sind, mit den Eheleuten über ihre Schwierigkeiten und Wünsche zu sprechen; durch Beratungsstellen für verschiedene familiäre Situationen (Sucht, Untreue, Gewalt in der Familie), durch Räume für Spiritualität, durch Workshops zur Ausbildung von Eltern mit schwierigen Kindern und durch Familienversammlungen." (229)
Amoris laetitia
Im Herder Verlag ist es erschienen unter dem Titel "Amoris Laetitia - Freude der Liebe" mit einer Hinführung von Christoph Kardinal Schönborn.
Amoris laetitia
Der Patmos Verlag hat es veröffentlicht in dem Buch "Die Freude der Liebe. Das Apostolische Schreiben AMORIS LAETITIA über die Liebe in der Familie".

Die Zusammenstellung der Zitate aus "Amoris Laetitia" auf dieser Seite stammt von Agnes Passauer von der Ehe- und Familienpastoral der Erzdiözese München und Freising. 

Die Referenten/innen der Ehe- und Familienpastoral stehen Pfarreien und Verbänden gerne zu Vorträgen und Gesprächsabenden zum Papstschreiben „Amoris Laetitia -  Über die Liebe in der Familie“ zu Verfügung. Ansprechpartner und Kontaktdaten unter http://www.ehe-und-familie.info/kontakt.php!