Integration über Schulmauern hinweg Am Maria-Ward-Gymnasium in Nymphenburg engagieren sich Schülerinnen für ukrainische Geflüchtete.

 
Wo keine staatlichen Angebote für unmittelbare Hilfen bestehen, wird selbst angepackt: Das haben sich Schülerinnen und das Kollegium des Erzbischöflichen Maria-Ward-Gymnasiums gedacht und für ukrainische Geflüchtete eine Willkommensklasse mit Tutoren-Programm auf die Beine gestellt. Ein Projekt, das zeigt, wie konkretes Handeln im Sinn der Nächstenliebe aussehen kann.
 
Willkommensklasse des Maria-Ward-Gymnasiums in München-Nymphenburg
Willkommensklasse des Maria-Ward-Gymnasiums
 
Willkommensschilder für ukrainische geflohene Schülerinnen am Maria-Ward-Gymnasium
Willkommenskultur der Schülerinnen
Wie können wir helfen? Mit diesem Anliegen kamen Schülerinnen des Erzbischöflichen Maria-Ward-Gymnasiums in München-Nymphenburg direkt nach Kriegsausbruch in der Ukraine auf die Schulleitung zu. „Da war von staatlicher Seite noch alles unklar, da standen die Mädchen schon auf der Matte“, sagt Schulleiterin Angelika Eckhardt zum Engagement ihrer Schülerinnen. Gemeinsam sei die Idee zur Willkommensklasse für ukrainische Geflüchteten mit ukrainischer Lehrkraft entstanden. Das Erzbistum München und Freising habe dann als Schulträger bei der Umsetzung geholfen. "Ich habe das vorgestellt und bin auf offene Ohren gestoßen. Der Leiter der Hauptabteilung der Erzbischöflichen Schulen hat das Anliegen selbst in die Hand genommen“, erzählt Eckardt, sodass sie innerhalb von kurzer Zeit eine neue Lehrkraft für eine Willkommensklasse einstellen konnte.

Konkretes Tun im Sinne der Nächstenliebe


Volle Unterstützung dazu kommt auch von Sandra Krump, Ressortleiterin für den Bildungsbereich im Erzbistum München und Freising: „Mir liegt dieses Projekt sehr am Herzen, und ich freue mich, dass sich so viele aus der Schulfamilie engagieren. Wann, wenn nicht jetzt, stellt sich die Frage nach ganz konkretem Tun im Sinne der Nächstenliebe.“ Daher sei dieses Projekt vorbildlich dafür, dass sich Schulleitung, Lehrkräfte, Schülerinnen und die Erzdiözese als Schulträger dem verpflichtet wüssten.
Opernbesuch der Willkommensklasse des Maria-Ward-Gymnasiums
Opernbesuch der Willkommensklasse
Mittlerweile besteht die Willkommensklasse aus 19 ukrainischen Geflüchteten. Die ukrainische Lehrkraft unterrichtet die Mädchen im Alter zwischen 13 und 15 Jahren auf Deutsch, manchmal auch auf Englisch. Auf dem Stundenplan steht neben Kunst und Sport, vor allem Deutsch. „Wichtig war, dass diese Mädchen eine klare Struktur im Tag und sie soziale Kontakte haben und sie so sich nicht ausgegrenzt fühlen. Dass sie schnell und gut integriert werden und zugleich die Integration durch das Erlenen der Sprache gefördert werden kann“, positioniert sich die Schulleiterin.

Mit der Sprache würden die ukrainischen Mädchen große Fortschritte machen. Ein Grund dafür seien auch die deutschen Mitschülerinnen, so Eckardt. Schon am ersten Schultag wurden die Ukrainerinnen mit Willkommensschilder auf Ukrainisch und Deutsch sowie mit ukrainischer Flagge begrüßt und herzlich aufgenommen. Diese Art von Begegnung wurde mit einem Tutoren-Programm aufrecht erhalten. „Die Mädchen der 10. Klassen kümmern sich täglich in der Pause um die Geflüchteten“, erklärt die Schulleiterin.

Eine Zeit lang die schrecklichen Erlebnisse vergessen

Diese Begleitung geht jedoch weit über die Schulmauern hinaus. Schülerin Berenike Krause aus der 10a zum Beispiel geht mit den Ukrainerinnen shoppen, Kuchen essen oder spielt mit ihnen Karten. Sogar ein gemeinsamer Opern-Besuch wurde ermöglicht. Die Jugendliche betont allerdings, dass es bei ihrer Hilfe für die Ukrainerinnen nicht um die Ausflüge an sich gehe: „Vielmehr macht es mich glücklich zu sehen, wie sie wenigstens eine Zeit lang ihre Sorgen und ihre schrecklichen Erlebnisse vergessen und wieder sein dürfen wie ich und meine Klassenkameradinnen.“

Es gebe zahlreiche Möglichkeiten, sich für Geflüchtete einzusetzen, sagt Krause, „aber hier kann ich ganz direkt helfen. Ich kann ihnen schon mit einer kleinen Geste oder einem Gespräch zeigen, dass sie nicht allein sind und ich für sie da bin. Der direkte Kontakt und die unmittelbare Hilfe, wenn auch nur im Kleinen, ist vielleicht am Ende das, worauf es ankommt.“
 
Berenike Krause
Berenike Krause, Schülerin am Erzbischöflichen Maria-Ward-Gymnasium
Krauses Einstellung sei kein Einzelfall, so Eckardt. Das kirchliche Profil schlage bei den Schülerinnen durch; sie alle wären sehr sozial eingestellt. „Ich habe letztens zufällig auf dem Flur mitbekommen, wie sich Mädchen abgesprochen haben, wer zur Willkommensklasse geht. In diesem Kontext habe ich noch nie ein 'Muss' gehört. Das gehört schon zum Alltag und ist selbstverständlich für die Mädchen“, freut sich die Schulleiterin.

Konkretes und lebensnahes Erziehen zum sozialen Engagement


Diese Einstellung ist auch Bildungsressortleiterin Krump ein großes Anliegen: „Die Erzbischöflichen Schulen haben ja sogar in ihrem gemeinsamen pädagogischen Grundkonzept den Auftrag, Schülerinnen und Schüler zum Leben in Gemeinschaft, zum sozialen Engagement zu erziehen. Das soll nicht abstrakt geschehen, sondern konkret und lebensnah.“

Die Willkommensklasse und das Tutoren-Programm vom Maria-Ward-Gymnasium seien zwei von zahlreichen sozialen Projekten in der Erzdiözese. Sie verdeutlichen, wie wichtig Offenheit und Zuwendung der Schulen sind, betont Krump. Das Engagement der Lehrkräfte, Kinder und Jugendlichen hinterlasse auch bei den Eltern und Gasteltern einen positiven Eindruck, freut sich Schulleiterin Angelika Eckardt: „Uns erreichen einige E-Mails, in denen uns überschwänglich gedankt wird. Die Eltern sagen, dass die Hilfe den Geflüchteten sehr gut tut und dass sie glücklich sind.“
 
Text: Anna Parschan, Radioredakteurin beim Sankt Michaelsbund, Juni 2022
 
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