BEICHTE


Gott ist der barmherzige Vater, der uns mit all unseren Schwächen und unserem Versagen annimmt und uns immer wieder seine Liebe und sein Erbarmen schenkt. Dies hat uns Jesus Christus vorgelebt. Durch sein Leben, Sterben und seine Auferweckung hat er uns gezeigt, dass die Liebe Gottes stärker ist als Hass, Bosheit und Gewalt.
Um die Liebe geht es auch im Sakrament der Versöhnung, in der Beichte. Es geht um Befreiung von Schuld und um Sensibilität für eigenes Fehlverhalten in einer Gesellschaft, die Makellosigkeit und Perfektion feiert, und in der die Menschen einander allzu oft die Liebe „schuldig“ bleiben. Eine solche Sensibilisierung für die Liebe gelingt im ehrlichen Blick auf das eigene Leben (Besinnen), im Eingeständnis des persönlichen Ungenügens (Bereuen), im Hinlegen der Schuld vor Gott (Bekennen), im Vertrauen auf seine versöhnende Liebe und dem Wunsch, es in Zukunft besser zu machen (Versöhnung und Besserung).
Versöhnung kennt verschiedene Möglichkeiten wie den Bußgottesdienst, die Versöhnungsbitte im Gottesdienst oder auch die persönliche Bitte um Entschuldigung. Ihre dichteste Form findet sie in der sakramentalen Beichte.
 

Symbolhandlungen/Ausdeutende Zeichen

Die Beichte beginnt mit dem Kreuzzeichen. Es ist das Vorzeichen, unter das wir das eigene Bekenntnis stellen, das Zeichen der grenzenlosen Liebe Gottes. Das Aussprechen und Benennen dessen, was uns belastet, ist ein wichtiger Schritt der Reflexion und der inneren Distanz. Der Priester hört zu und bestärkt unseren Willen, neu anzufangen. Die auferlegte „Buße“, ein Gebet oder eine Betrachtung, macht deutlich, dass zur Versöhnung immer auch das eigene Tun gehört. Schließlich schenkt die Lossprechung durch den Priester „im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes“ Befreiung und einen neuen Anfang.
 

Angebote des Fachbereichs

Abschnitte zur Beichte im Rahmen der Erstkommunionvorbereitung finden sich in der vom Fachbereich in Kooperation mit dem Deutschen Katechetenverein herausgegebenen Arbeitshilfe „Das ist mein Leib für euch“ sowie in der Arbeitshilfe zur Firmvorbereitung: „Damit der Funke zündet“. Der Ablauf des Bußsakramentes findet sich auch im Gotteslob unter Nr. 60.
 

Ein paar Fragen zur Beichte

Wann „muss“ ich zum Beichten gehen und wie oft?
Nach der Lehre der Kirche sind zum Empfang des Sakramentes der Versöhnung alle verpflichtet, die schwere Schuld auf sich geladen haben. Unabhängig davon soll es zur persönlichen Gewissensbildung wenigstens einmal im Jahr empfangen werden. Auch bevor Kinder zum ersten Mal zur Heiligen Kommunion gehen, werden sie in einfacher und kindgemäßer Form zur Beichte geführt. Im Rahmen der Firmvorbereitung ist die Beichte zwar nicht verpflichtend vorgeschrieben, aber in den meisten Pfarreien üblich.
Allerdings geht die Rede vom „Beichten-Müssen“ am Sinn dieses Sakramentes vorbei, das weder Last noch Hürde sein soll, sondern vielmehr die befreiende Barmherzigkeit Gottes erfahrbar machen will. Auch jenseits dessen, was kirchliche Vorschriften nahelegen, gilt die Empfehlung, das Sakrament der Versöhnung in überschaubaren Zeiträumen zu empfangen - als persönliche Besinnung, als Wegbegleitung und als unmittelbare und persönliche Zusage der Barmherzigkeit Gottes. Nicht als Verpflichtung, sondern als Geschenk!

Bei wem kann ich beichten?
Die sakramentale Beichte ablegen kann man nur bei einem geweihten Priester. Dieser verkörpert im Sakrament Jesus Christus, d.h. wenn er sagt: „Ich spreche dich los von deinen Sünden“, dann ist es im tiefsten Grunde Jesus Christus selbst, der diese Worte durch den Mund der Priesters spricht.
Selbstverständlich schließt dies nicht aus, dass sie auch mit anderen kirchlichen Mitarbeitern Seelsorgegespräche führen können. Diese können eine wertvolle Orientierung sein und auch die Bitte um Gottes Vergebung beinhalten. Eine sakramentale Beichte stellen sie jedoch nicht dar, und sie sollten bei aller Wertschätzung auch nicht damit verwechselt werden.
 
Bewirkt der Bußgottesdienst nicht dasselbe wie die Beichte?
Der Bußgottesdienst ist eine wichtige liturgische Form der Versöhnung. Gerade durch seine gemeinsame Besinnung kann er manches Verdrängte und manche soziale Form von Schuld vielleicht sogar besser ins Bewusstsein rufen, als die individuelle Vorbereitung auf eine persönliche Beichte. Nach der Lehre der Kirche werden auch im Bußgottesdienst Sünden vergeben. Ausgeschlossen sind lediglich „Todsünden“, wenn sie im vollen Bewusstsein der Schwere einer Schuld begangenen wurden. Der Bußgottesdienst ist kein Sakrament. Nicht vergessen werden darf auch die besondere Erfahrungstiefe der persönlichen Vergebungszusage im Sakrament der Versöhnung. Man sollte den Bußgottesdienst nicht gegen die persönliche Beichte ausspielen. Beides sind wichtige und wertvolle Formen der Versöhnung mit Gott und den Menschen. Beide haben ihre spezifische Besonderheit und ihren Platz im Leben eines Christen.
 
Was muss ich bei der Beichte tun?
„In Demut und Reue bekenne ich meine Sünden…“ Dass man die Beichte nach dem Kreuzzeichen mit diesen Worten beginnt, haben die älteren von uns noch in der Schule gelernt. Auch noch heute ist eine solche feste Anfangsformel für viele eine Hilfe, um mit dem persönlichen Bekenntnis zu beginnen. Sie können die Beichte auch ganz anders beginnen, vielleicht schlicht und einfach mit den Worten: „Ich möchte beichten.“ Danach sagen Sie dem Priester, was Sie beichten möchten. Sie können dazu ein Schema wie die 10 Gebote zu Hilfe nehmen oder im Sinne der 4 Lebensrichtungen (Mein Verhältnis zu Gott, den Mitmenschen, der Umwelt und zu mir selbst) vorgehen. Haben Sie keine Sorge, etwas zu vergessen. Wenn es eine Sache ist, die Sie besonders belastet, dann können Sie auch nur diese ansprechen. Zum Schluss wird Ihnen der Priester die Vergebung Gottes zusprechen und ihnen eine kleine „Buße“ auferlegen - in der Regel ein Gebet. Auf diese Weise können sie die empfangene Versöhnung mit ein paar Minuten der Besinnung in der Kirche nachklingen lassen.
 
Beichtstuhl oder Beichtgespräch?
Früher war dies keine ernsthafte Frage. Die Beichte fand üblicherweise im Beichtstuhl statt, indem der Beichtende im Dunkeln und anonym seine Schuld vor dem Priester bekannte. Diese Form hat noch immer viele Freunde, wobei gerade das Dunkel und die Anonymität des Bekenntnisses für viele die Aussprache der eigenen Schuld erleichtert. Andere wiederum haben mehr das Bedürfnis nach einem Gespräch, nach Blickkontakt und nach Rat und Lebensorientierung durch den Priester. Dem trägt ein sogenanntes Beichtgespräch in einem entsprechend vorbereiteten Zimmer Rechnung. Beide Formen sind der Sache nach gleichwertig. Welche Form Sie wählen, hängt von Ihnen und ihren persönlichen Bedürfnissen ab. Das Beichtgespräch ist in der Vorbereitung auf Erstkommunion und Firmung heute die übliche Form, aber auch für Erwachsene ist sie eine vielfach geschätzte Alternative.