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Kinderbetreuung und Küchendienst Dominik Waibel aus Hamburg war als Freiwilliger in Argentinien

Dominik Waibel arbeitete als Freiwilliger über die Erzdiözese München und Freising in Argentinien, als Corona in Brasilien ausbrach. Der 18 Jahre alte Hamburger wurde im Zuge der Pandemie wie die anderen Absolventen des Internationalen Freiwilligenjahres vorzeitig nach Hause geholt. Ungeachtet dessen ist er reich an Erfahrungen aus Villa Ballester, einer Stadt im Großraum von Buenos Aires, zurückgekommen.
Porträt Dominik Waibel mit einem Freund
Neue Kontakte: Dominik Waibel (rechts) mit einem argentinischen Freund während seines Auslandseinsatzes
Was war Ihre Motivation, nach Argentinien zu gehen?
Ich finde das Konzept des Freiwilligendienstes sehr sinnvoll. Da ich noch recht jung bin – ich habe mit knapp weniger als 18 Jahren die Schule abgeschlossen – wollte ich mir Zeit dafür nehmen. Weil ich als Gruppenleiter bei der Schönstatt Mannesjugend Fulda aktiv bin, erkundigte ich mich, ob es Freiwilligendienstmöglichkeiten auch in Projekten der Schönstattbewegung gibt. Darüber kam ich zu dem Auslandsprogramm „Mein Weg“ und erfuhr von der Erzdiözese München und Freising als Träger. Ein ehemaliger Freiwilliger erzählte mir viel von der Casa del niño, einer Einrichtung in Villa Ballester für Kinder aus dem umliegenden Armenviertel, sodass ich mich entschied, wenn möglich, dort meinen Freiwilligendienst zu machen.

Was haben Sie konkret dort gemacht, bis Sie zurückgeholt worden sind?
Die Kinder bekommen in der Casa del niño Frühstück und Mittagessen, und es gibt Spiel- und Lernmöglichkeiten dazwischen. Am Nachmittag gehen die Kinder in die Schule. Ich habe mich um die Annahme und Lagerung von Essenslieferungen gekümmert, in der Küche mitgearbeitet und abgewaschen, und auch bei der Betreuung der Kinder mitgemacht. Gegen Ende brachte ich einigen das Spielen mit dem Diabolo bei. Insgesamt war ich bis zu meiner Ausreise sieben Monate in Argentinien, etwa einen Monat lang saß ich aber wegen der Corona-Maßnahmen nur zuhause und wartete mehr oder weniger darauf, heimkehren zu können und zu müssen.

Haben Sie sich das Leben dort anders vorgestellt?
Das ist, finde ich, sehr schwer zu sagen. Grundsätzlich ist das Leben dort nicht anders als hier. Natürlich sind manche Themen wie zum Beispiel Sicherheit einem präsenter, aber darauf stellt man sich ein. Zudem hatte ich mit etwas Vorsicht nie Probleme. Auch wenn der Umgang untereinander und mit manchen Dingen etwas anders ist, kann ich mich nicht erinnern, mir irgendetwas anders vorgestellt zu haben.

Was überraschte Sie positiv?
Ich glaube, überrascht wäre das falsche Wort, aber ich habe mich auf jeden Fall sehr darüber gefreut, wie herzlich mit Glauben umgegangen wird. Ich war bei einer Prozession durch die Nachbarschaft eines Schönstattzentrums dabei und begeistert, dass die Bewohner das so offen annahmen, sich dafür interessierten und zum Teil auch dazukamen. Die Stimmung dort habe ich sehr besonders in Erinnerung.

Was negativ?
Ich war doch ein wenig überrascht, wie krass viele Meinungen in Argentinien polarisiert werden. Bei vielen Themen gab es vor allem zwei entgegengesetzte Meinungen und starke Differenzen, zum Teil auch in Familien. Dass sich so etwas so stark auswirkt und die ganze Bevölkerung durchzieht, hätte ich nicht gedacht.

Was schätzen Sie besonders an dem Land und den Einheimischen?
Ich schätze besonders die Herzlichkeit, mit der ich aufgenommen worden bin, und die lockere Art, mit Dingen umzugehen und sich im Allgemeinen weniger Stress zu machen. Ich habe auch viele schöne Orte kennengelernt, ohne besonders viel von dem im Vergleich mit Deutschland sehr großen Land gesehen zu haben.

Werden Sie Kontakte halten?
Natürlich werde ich das, so gut es geht. Ich habe viele gute Freund- und Bekanntschaften geschlossen. Dennoch merke ich gerade, dass es mir in der aktuellen Situation schwerfällt, häufig zu schreiben, mit all den Dingen, die ich momentan im Kopf habe – vor allem die ganzen Corona-Informationen und meine Studienplanung. Grundsätzlich werde ich aber schon Kontakt halten.

Was haben Sie in Argentinien am meisten aus der Heimat vermisst?
Zunächst einmal meine Familie und Freunde. Man kann zwar erstaunlich gut Kontakt halten, trotzdem fehlen mir direkte Treffen. Ansonsten gibt es manche Lebensmittel, die man nicht kriegt, oder nur sehr teuer. Es gab zum Beispiel fast nie Fisch, und Sauerkraut macht man wahrscheinlich am einfachsten selber.

Geht es wieder zurück nach Argentinien?
Ich habe vor, etwas später zurück nach Argentinien zu gehen. In welchem Rahmen das dann sein wird, weiß ich aber noch nicht. Ich hätte auf jeden Fall Lust, noch einmal länger dort zu bleiben, besonders, weil ich mich wegen Corona nicht richtig verabschieden konnte. Zunächst möchte ich aber erstmal studieren und damit außerdem ein wenig Zeit vergehen lassen, damit sich die aktuelle Situation beruhigen kann.

Was machen Sie jetzt bzw. als nächstes?
Im Herbst beginne ich ein Informatikstudium. Inzwischen ist schon fast alles vorbereitet und ich freue mich, dass das jetzt so klappt. Davor steht aber noch das Rückkehrerseminar an, bei dem ich endlich meine Mitfreiwilligen richtig und nicht nur online wiedersehe.

Beeinflusst der Aufenthalt womöglich Ihren weiteren Werdegang bzw. wollen Sie in der Zukunft im Ausland tätig sein?
Das ist nicht so leicht zu sagen. Meinen Studienwunsch hat der Freiwilligendienst zwar nicht verändert, ich möchte aber weiterhin etwas Sinnvolles für die Gemeinschaft damit machen. Außerdem kann ich mir Aufenthalte und Tätigkeiten im Ausland gut vorstellen.

Das Interview führte Sandra Tjong, freie Redakteurin