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Missionarin und Lehrerin Schwester Katharina Gandl aus Isen unterrichtet in Japan Deutsch und Englisch

Katharina Gandl ist 1934 in Isen, einem kleinen, geschichtsträchtigen Ort östlich von München, geboren. Sie gehört den Missionsschwestern vom Heiligsten Erlöser an und ist seit 1965 in Kagoshima im Süden Japans im Einsatz.

Katharina Gandl gibt einem Mädchen in Japan Privatunterricht
Sie lehrte Jahrzehnte lang an japanischen Schulen und Universitäten: Schwester Katharina Gandl mit einer Schülerin
Was war Ihre Motivation, nach Japan zu gehen?
Auf Wunsch der Redemptoristen-Missionare in Japan sollte unsere Gemeinschaft, die Missionsschwestern vom Heiligsten Erlöser, auch dort in den Einsatz kommen. Zu diesem Zweck wurden jeder Schwester drei Fragen vorgelegt. Wollen Sie in die Mission nach Japan? Wollen Sie nicht? Überlassen Sie die Entscheidung der Gemeinschaft? Ich wählte Letzteres. Wir wussten, dass die Sprache sehr schwierig ist, und der allgemeine Bildungstand dort höher war als der unsere in Deutschland. Die Wahl fiel dann auf mich. Im Mai 1965 flog ich mit zwei weiteren Schwestern nach Japan.
 
Freuten Sie sich über die Entscheidung?
Wir wussten ja in etwa Bescheid über die Schwierigkeiten, die uns dort erwarteten, die Sprache, die geringen Erfolge der Missionsarbeit, das feuchtheiße Klima im Süden. Deshalb ging ich mit gemischten Gefühlen.
 
Was machen Sie dort konkret?
Unser Einsatzgebiet ist die Präfektur Kagoshima, ganz im Süden, zu der auch einige Inseln gehören. Dort gibt es einen riesigen tätigen Vulkan, der uns nicht selten Asche in die Stadt weht. Nach zwei Jahren Japanisch-Studium wurden wir vom Bischof gebeten, ein Heim für Studentinnen zu eröffnen. Da gab es viel Organisatorisches zu erledigen. Wir waren für die circa 70 Mädchen Tag und Nacht da, feierten ihre und unsere Feste.

Neben der Arbeit in unserem Heim unterrichtete ich fünf Jahre Englisch an einer Oberschule und 25 Jahre Deutsch an zwei Universitäten, später noch fünf Jahre an einer Krankenschwesternschule. Für Ärzte und Krankenschwestern war in Japan Deutsch immer verpflichtend. Seit ein paar Jahren ist es nur noch Wahlfach. Inzwischen bin ich vor allem im Kloster tätig.
 
Haben Sie sich das Leben dort anders vorgestellt?
Ich war ausgebildete Katechetin und dachte, ich werde in Japan in Seelsorge und Katechese tätig sein. Das machten die Missionare aber teilweise selbst - oder unsere ausgebildeten Seelsorgerinnen. Und so viele Taufbewerber gab und gibt es ja nicht. Als Ausländerinnen wurden wir immer angefragt, ob wir denn nicht Fremdsprachen an den Schulen unterrichten würden. So wechselte ich nach einer weiteren Ausbildung in dieses Feld.
 
Was überraschte Sie positiv?
Ich habe den Eindruck, dass die Kinder hier täglich länger und dabei lieber in die Schule gehen als in Deutschland. Das Schulleben ist eher ganzheitlich. Auch das Saubermachen gehört zum Unterricht. Sogar in kleineren Dorfschulen findet man Schwimmbäder. Das viele Verbeugen statt des Händedrucks war anfangs fremd, aber schnell sah ich es positiv. Es macht Begegnungen flüssiger, wenn vielleicht auch etwas distanzierter. Die Verbeugungen sind von höflicher Eleganz.
 
Was empfanden Sie eher negativ?
Ich mag das Wechseln der Schuhe in Pantoffel beim Eintritt in ein Haus nicht. Negativ erscheint mir außerdem der hohe Anspruch der Japaner an gemeinschaftliches Verhalten. Er begünstigt meines Erachtens auch Ausgrenzungen bis hin zu Mobbing in der Schule.
 
Was schätzen Sie besonders an dem Land und den Einheimischen?
Das Land hat eine große Nord-Süd-Spanne. Somit gibt es jede Art von Obst und Gemüse im eigenen Land, zum Beispiel Orangensorten und riesige Äpfel. Die Leute genießen hier zudem Bäder mit heißen Quellen. Allerdings gibt es auch viele Erdbeben, die in die Knochen gehen. Bei den Ausländern macht die höfliche Haltung der Japaner in der Begegnung das Miteinander angenehm. Alle meine ausländischen Kolleginnen an den Schulen wären nach Vertragsabschluss noch gern im Land geblieben.
 
Was vermissen Sie am meisten?
Nach über 50 Jahren in Japan vermisse ich eigentlich nichts mehr. Was mich noch immer tief berührt, wenn ich in der Heimat bin, ist das Geläute der Glocken. In Japan hört man nur zu Beginn des neuen Jahres den schweren Gongschlag der Glocke von buddhistischen Tempeln. Die wenigen christlichen Kirchen können sich teure Glocken nicht leisten.
 
Werden Sie irgendwann nach Deutschland zurückkehren?
Diese Frage wird mir oft gestellt. Ich habe mich bislang noch nicht für eine Rückkehr entschieden. Grundsätzlich gibt aber die eigene Gemeinschaft jedem die freie Wahl, in die Heimat zurückzukehren.

Das Interview führte Sandra Tjong, freie Redakteurin