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„Frühlingsgefühle“ in langjährigen Partnerschaften Erst versöhnen – dann die gemeinsamen Kraftquellen finden!

Die letzten zwei Jahre gingen nicht spurlos an Steffi und Florian vorüber. Wie auch? Zwei Todesfälle in der Familie, bange Augenblicke im Kreißsaal, beruflicher Stress und Existenzängste. Das setzte auch ihrer Beziehung zu. Die liebevollen Gefühle von einst, das Vertrauen und der gegenseitige Respekt waren Misstrauen und Enttäuschung gewichen. Am Ende konnten sie sich nur noch auf eines einigen: nicht aufgeben! Hilfe suchend wandten sie sich an die Ehe-, Familien- und Lebensberatung des Erzbistums.
Hände halten ein Herz aus Papier
Langjährigen Partnerschaften wiederbeleben (Foto: Kelly Sikkema / unsplash)
Dort kennt man sich mit langjährigen Partnerschaften – und wie diese wiederbelebt werden können – gut aus. Rund 90 Kolleginnen und Kollegen nehmen sich in den 19 Beratungsstellen des Erzbistums den Sorgen und Nöten der Menschen im Raum München und in den angrenzenden Landkreisen an. Die Mitarbeiter kommen aus den Fachrichtungen Psychologie, Sozialpädagogik und Theologie und haben zum Teil mehrjährige Zusatzausbildungen in der Ehe-, Partnerschafts-, Familien- und Lebensberatung absolviert.

Steffi und Florian vereinbarten mehrere Termine in der Beratungsstelle in der Münchener Rückertstraße, und bereits nach wenigen Begegnungen wussten sie, dass sich bei ihnen auch nach zehn Jahren Ehe noch echte Frühlingsgefühle wecken lassen. Ihnen saßen die Therapeutinnen und Beraterinnen Anjeli Goldrian und Isabelle Überall gegenüber, die schon viele Paare begleitet haben, die sich auseinandergelebt hatten und nicht mehr wussten, wie es weitergehen soll. Noch vor fünf Jahren hätten Steffi und Florian ein solches Szenario weit von sich gewiesen: Zu eng war ihre Partnerschaft, zu tief die Gefühle füreinander, zu schön die gemeinsame Zeit. Vom ersten Tag an habe eine richtige „Seelenverwandtschaft“ zwischen ihnen bestanden, erzählten sie in einer der ersten Sitzungen.

Doch dann starb plötzlich ihre Mutter, kurz darauf sein Vater. Auch die Geburt ihrer heute fünfjährigen Tochter verlief dramatisch und ließ sie für einen kurzen Moment in einen dunklen Abgrund blicken, bevor sich dann per Notkaiserschnitt doch noch alles zum Guten wendete. Aber diese wenigen Minuten reichten aus, dass sich in der Folge eine emotionale Kluft zwischen ihnen auftat, die sich nicht mehr schließen ließ. Als sich Florian dann kurz darauf als Programmierer selbstständig machte und mit den Gedanken meist woanders war, wurde es nur noch schlimmer.

Emotionale Brücken zu früher bauen

Gerade noch rechtzeitig zogen die beiden die Notbremse und taten etwas, das zwar naheliegt – seltsamerweise aber meist nur Außenstehenden in den Sinn kommt, nicht den Paaren selbst: sich von außen Hilfe holen! Denn ausgerechnet bei der innigsten, wichtigsten und wertvollsten Sache überhaupt, der Liebe zweier Menschen zueinander, wurschteln die meisten Paare so lange vor sich hin, kreisen um sich selbst und fügen sich immer wieder die gleichen Verletzungen zu, bis es zu spät ist und die Trennung als einziger Ausweg erscheint.

Die beiden Therapeutinnen erkannten schnell, dass Steffi und Florian gute Chancen hatten, ihre Beziehung zu retten und sich noch einmal neu auf den Weg zu machen. „In der Beratung ging es vor allem darum, emotionale Brücken zu früher zu bauen. Unser Ansatz war, zunächst einen Versöhnungsprozess anzustoßen und uns anschließend gemeinsam auf die Suche nach den partnerschaftlichen Kraftquellen zu begeben“, erklärt Anjeli Goldrian. „Wir haben den beiden Aufgaben aufgegeben, die sie angehen sollten, um am Ende an die tiefen Gefühle von einst anzuknüpfen und die Partnerschaft wiederzubeleben.“

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne

Zunächst sollten sich Steffi und Florian zu Hause überlegen, was sie am anderen wirklich mögen und was sie im Fall der Trennung am meisten vermissen würden. Als Steffi beim nächsten Treffen von seinen Kochkünsten erzählte und wie gern sie ihm bis heute bei seinen meist vergeblichen Versuchen zuhörte, seiner Trompete ein paar schöne Töne zu entlocken, war er berührt und gerührt zugleich. Ihm selbst war zu ihr nur eingefallen, dass sie immer so liebevoll mit ihrer Tochter umgehe.   

Als Nächstes sollten sie sich im Sinne der berühmten Gedichtzeile von Hermann Hesse, „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“, den Beginn ihrer Liebe erzählen. Steffi erinnerte sich noch genau daran, wie sie ihn in der Uni-Mensa etwas verloren am Tisch sitzen sah und ihn fragte, ob der Platz daneben noch frei sei. Schon am nächsten Abend hatten sie sich fürs Kino verabredet. Den Film wird sie nie vergessen, den sie sich zusammen angeschaut hatten: „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“. Der Rest ging dann fast von allein.  

Zwar hatten sie auch in den letzten Jahren öfter über diese glückliche Anfangszeit gesprochen. Aber jetzt, da jeder seine eigenen Erinnerungen daran wiedergeben sollte, waren beide doch sehr ergriffen. Nicht nur Steffi musste mehrmals schlucken und sich die Tränen aus den Augen wischen.
Erinnerungsfotos auf Bett
Foto: Sarandy Westfall / unsplash

Paar-Rituale gegen den Alltagsstress

Bilder erzählen mehr als tausend Worte. Aus diesem Grund sollten beide zur nächsten Sitzung eine Auswahl an privaten Fotos mitbringen, zu denen sie ihre Kommentare abgeben sollten. Die Erinnerung an „Vier Hochzeiten“ und an den wunderbar-linkischen Hugh Grant brachte sie zum Lachen – und an die scheuen Blicke, die sie sich als Studenten damals gegenseitig zugeworfen hatten. Die erste Umarmung, mit der sie sich damals voneinander verabschiedeten, haben beide bis heute nicht vergessen. Auch Urlaubsfotos trugen dazu bei, dass sie wieder an die glücklichen Augenblicke von damals dachten, weit weg, auf Mallorca und in Kanada, wo sie drei Wochen lang im Wohnmobil unterwegs waren – „auf engstem Raum“, wie sie beide gleichzeitig ausriefen.

Nach dem gemeinsamen Erinnern an Früher gaben ihnen die Therapeutinnen die Aufgabe mit auf den Weg, dem anderen in den kommenden Tagen etwas Gutes zu tun. Florian kaufte mal wieder Blumen für sie – aber immerhin! Er kümmerte sich auch wieder mehr um ihre Tochter und versuchte, Steffi dabei etwas zu entlasten, die sonst die ganze Last der Erziehung allein tragen muss und sich darüber auch schon mehr als einmal bitterlich beklagte. Auch sie bemühte sich wieder mehr als sonst um ihn. Sie kochten wieder gemeinsam und probierten endlich das thailändische Gericht aus, das beide früher so oft gegessen haben.

„Das gemeinsame Kochen, die Dauerkarte fürs Theater oder der Kuss zum Abschied sind wichtige Paar-Rituale, die gepflegt werden sollten, um die Beziehung wieder fest verankern zu können“, sagt Isabelle Überall. „Paare müssen sich im hektischen Alltag wieder mehr Zeit für sich nehmen und sich beispielsweise einen Babysitter suchen. Sonst kommt die Liebe im Alltag schnell zu kurz.“

Mit festen Ritualen und dem Eintauchen in die Gefühlswelt von früher soll die Liebe wiederbelebt werden. In den vielen Jahren als Therapeutin habe sie noch kein Paar erlebt, sagt Isabelle Überall, das nicht dankbar gewesen wäre für die schöne gemeinsame Zeit. „Nach meiner Erfahrung lässt sich immer etwas finden, mit dem sich die Beziehung wieder aufbauen und fester verankern lässt.“

Corona-Krise – eine neue Herausforderungen für die Liebe

Im Laufe der Therapie schafften es Steffi und Florian, das verlorengegangene Vertrauen und ihre Gefühle zueinander wiederzubeleben. Kurz vor Weihnachten hatten sie ihre letzte Sitzung. Seitdem haben sie das Erarbeitete bewusst in den Alltag eingebunden und sich Schritt für Schritt wieder angenähert. Die Frühlingsgefühle in ihrer Beziehung fühlten sich gut an – bis sie wie alle anderen auf der Welt die Corona-Pandemie im März mit geballter Wucht traf. Sie nutzten das Angebot der Beratungsstelle und tauschten sich mit ihren Therapeutinnen am Telefon aus. Denn auch für diese Ausnahmezeit in häuslicher Quarantäne können Anjeli Goldrian und Isabelle Überall ein paar gute Ratschläge geben, die helfen sollen, diese für alle schwierige Zeit gut zu überstehen.

So pflegen Steffi und Florian ihre gemeinsamen Interessen wie alte Filme schauen oder Kochen und spielen jetzt viel häufiger zu dritt mit ihrer Tochter. Nach den ersten Tagen erkannten sie auch, dass es sie beide nur noch nervöser macht, sich immer wieder Talk- und Sondersendungen im Fernsehen anzuschauen. Das haben sie jetzt deutlich zurückgefahren und bemühen sich viel lieber darum, sich und dem anderen etwas Gutes zu tun – mit einer kleinen Massage beispielsweise, Meditationen oder einem gemeinsamen Gebet.

Anjeli Goldrian hat ihnen geraten, diese erzwungene Entschleunigung des Alltags zu nutzen, um sich verstärkt darüber Gedanken zu machen, wo sie als Paar heute stehen und wohin sie noch wollen, wenn sie ihre Wohnung wieder verlassen und auch wieder andere Menschen treffen dürfen. Das eine oder andere ist ihnen schon eingefallen, was sie ändern wollen, wenn sie das normale Alltagsleben wieder im Griff hat. Sie haben ihre Gedanken aufgeschrieben und sich fest vorgenommen, das in den nächsten Monaten anzugehen.

So viel wie in den letzten Tagen haben sie jedenfalls schon lange nicht mehr miteinander geredet. Der allgemeine Stillstand tut ihnen gut, und sie sind froh, dass sie noch zusammen sind und diese Belastungsprobe bislang halbwegs überstanden haben. Sie spüren förmlich, wie ihre Gefühle zueinander aufblühen und wie viel Kraft sie auf einmal wieder haben, so schwer und ungewohnt das alles gerade auch sein mag. Auch ihrer Tochter tut die gemeinsame Zeit gut. Trotzdem hoffen sie natürlich, dass die Krise bald vorbei ist und sie wieder wie früher ohne Beschränkungen vor die Tür gehen können. Was auch immer kommen mag: Steffi und Florian sind noch zusammen. Sie lieben sich – immer noch! Diese Gewissheit hilft den beiden über manche Schwierigkeit hinweg. Sie sind bereit!     
Tulpenstrauß und Love-Schriftzug
Foto: Brigitte Tohm / unsplash

Wie sich Frühlingsgefühle auch nach vielen Beziehungsjahren wieder wecken lassen:

  • Überlegen Sie, was Sie an Ihrem Partner immer noch mögen, was ihn zu etwas Besonderem macht und was Sie im Falle einer Trennung am meisten vermissen würden. Schreiben Sie es auf und tragen Sie es sich gegenseitig vor.
  • Erinnern Sie sich an die Anfänge Ihrer Liebe. Wo haben Sie sich kennengelernt, was haben Sie gedacht, als Sie den anderen zum ersten Mal gesehen haben?
  • Schauen Sie sich Fotos und Filme von früher an. Rufen Sie sich die jeweilige Situation ins Gedächtnis und sprechen Sie darüber. Tauchen Sie in schöne Gefühle ein und genießen Sie es.
  • Verwöhnen Sie Ihren Partner im Alltag. Bringen Sie ihm Blumen mit, laden Sie ihn zum Essen oder ins Kino ein (wenn das wieder möglich ist).
  • Pflegen Sie ihre Rituale als Paar. Nehmen Sie sich Zeit füreinander, auch für Zärtlichkeiten. Küssen Sie sich zum Abschied, nehmen Sie sich wieder öfter in den Arm. Verankern Sie Ihre Liebe fest im Alltag.
Text: Christian Horwedel, freier Redakteur

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