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Trachtenwissen zu Kirchweih

Bunte Schürzen, Zopffrisuren und Gamsbarthüte: Zu Kirchweih in Tracht zum Gottesdienst zu gehen, gehört in Bayern zur heimatlichen Tradition. Auch wenn sich Kleider, Hosen und Hüte zwischen Königsee und Landshut von Pfarrei zu Pfarrei unterscheiden, gibt es doch ein paar Grundregeln, die fast überall gelten. Walter Weinzierl, Ehrenkassier des Bayerischen Trachtenverbands hat gemeinsam mit Fotograf Rainer Nitzsche im Juli 2018 den Bildband „Faszination Tracht“ veröffentlicht. Wir haben den Trachtenexperten gefragt, worauf Mann und Frau achten sollten, wenn sie am Sonntag in Tracht zur Kirche gehen.
Trachtenverein Gruppenbild
(Foto: Rainer Nitzsche)
Auch wenn Farben, Schnitte, Schürzen, Tücher und Hüte sich unterscheiden: Ledige Dirndl kann der Experte überall im Erzbistum München und Freising schon anhand der Kleidung von den verheirateten Frauen unterschieden. „Während die Mädchen farbenfrohe Mieder tragen, sind Frauen nach der Hochzeit mit Schalk oder Kassettl gut angezogen“, erklärt Walter Weinzierl den Unterschied. Das Kassettl ist vermutlich älter als der Schalk und die Garnier am Ausschnitt ist etwas weniger aufwendig gestaltet.  

München ist ein Schmelztiegel bayerischer Tracht

In der Stadt München sieht man an Kirchweih und anderen hohen Kirchenfesten die verschiedensten Trachtenkleider in der Kirche. Auch den Schalk. Während die Damen in den meisten Trachtenvereinen des bayerischen Oberlands die aufwendige Trachtenjacke in Schwarz tragen, sieht man sie hier auch farbig. „München ist ein Schmelztiegel für diverse bayerische Trachten, die die zuziehende Landbevölkerung mitgebracht hat“, erklärt Trachtenexperte Walter Weinzierl. So auch den Schalk, der ursprünglich auch auf dem Land farbig getragen wurde. Dort hat sich allerdings zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Modefarbe Schwarz durchgesetzt.

Im Norden herrscht reicher Bauerstand vor

Im Norden unseres Erzbistums sind die sogenannten Volkstrachten verbreitet. Bekannt sind die aufwendige Tracht aus Dachau, aber auch in Markt Schwaben tragen die Herrn statt kurzer Lederhosen wie im Oberland meist Stiefelhosen, Samtwesten und Gehröcke. Die aufwendige Kleidung weißt auf einen reichen Bauernstand hin. Ganz gleich ob im Süden oder Norden des Erzbistums, Trachtenexperte Walter Weinzierl gibt den Herrn vor allem eine Empfehlung für Fest- und Feiertage: „In der Kirche ist man sauber und ordentlich angezogen, mit weißem Hemd, hochgezogenen Strümpfen und einem Schmieserl, Kravattl oder Binder.“

Beim Hut gelten eigene Regeln

Besonders wichtig für alle Trachten: der Hut. Ob geschmückt mit Gamsbart und Adlerfeder, Münchner Bierkutscherhut oder Stopselhut: Trachtler setzen ihren Hut nicht ab. Das hat nicht nur praktische Gründe. Man legt die wertvollen Kopfbedeckungen nicht achtlos auf den Wirtshaustisch, wo sie schmutzig werden können. Trachtler demonstrieren damit auch ihren Stolz. Die Kirche ist der einzige Ort, an dem sie ihren Hut ziehen. Ein Zeichen des Respekts vor Gott. „Es gibt nur eine Ausnahme“, weiß Trachtenexperte Walter Weinzierl: „Fahnen- und Figurenträger dürfen den Hut aufbehalten. Aber nur bis zur Kommunion!“

Mädchen werden unter die Haube gebracht

Im Gegensatz zu den Männern behalten Frauen und Mädchen ihre Kopfbedeckung auch in der Kirche auf. In vielen Gegenden des Erzbistums tragen Mädchen ein sogenanntes „Kranl“. Nach der Hochzeit tauschen sie es gegen eine Riegelhaube. „Daher kommt der Spruch ‚unter die Haube bringen‘“, erklärt Weinzierl.

Man könnte sich noch ewig über die Faszination Tracht und ihre vielen kleinen Eigenheiten unterhalten, wenn nicht Kirchweih so nah wäre. Zeit die Zöpfe zu flechten und das Dirndl zu schnüren. Aber das richtige, bitte.
 
Text: Nicola Neubauer