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Kardinal Marx: An der Peripherie versteht man besser, worauf es ankommt

Umwelt- und Sozialethik als Leitmotiv der Ecuador-Reise des Münchner Erzbischofs
Guayaquil, 8. September 2017. Ganz im Zeichen der Umwelt- und Sozialenzyklika „Laudato Si‘“ von Papst Franziskus stand die Ecuador-Reise von Kardinal Reinhard Marx, die am Freitag, 8. September, mit einem Besuch der Stadt Guayaquil zu Ende gegangen ist. Der Erzbischof von München und Freising hielt mehrere Vorträge zur Papstenzyklika und nahm an Diskussionen zu sozialethischen Themen teil.
 
Thematischer Schwerpunkt der Reise war die Ausbeutung der Bodenschätze in Lateinamerika und deren Folgen für Bevölkerung und Umwelt. Im entlegenen Urwaldgebiet im Süden Ecuadors besuchte Marx am Dienstag, 5. September, eine Goldmine und tauschte sich mit Minenarbeitern, ihren Familien und dem Präfekten der Region Zamora über die prekäre Situation der Bevölkerung und die Verschmutzung der Umwelt durch den Abbau von Bodenschätzen aus. Er besuchte das Dorf Herradura, in dem 400 Minenarbeiter mit ihren Familien vom Goldabbau leben. Ihre wirtschaftliche Existenzgrundlage ist bedroht, weil der ecuadorianische Staat die Schürfrechte an einen internationalen Großkonzern vergeben hat und die Behörden ihre Arbeit deshalb als illegal betrachten. An der Universität von Azuay fand zu dem im ganzen Land virulenten Thema am Mittwoch, 6. September, eine Tagung statt, bei der Marx einen Vortrag hielt.
 
„Der Fortschritt muss den Menschen dienen. Er darf nicht nur Kapitalinteressen berücksichtigen. Nicht multinationale Konzerne, sondern die Menschen müssen die Entwicklung eines Landes bestimmen“, sagte der Kardinal den Minenarbeitern in Herradura. „Mir ist durch das, was Sie mir geschildert haben, klar geworden, dass man an der Peripherie, hier bei Ihnen, besser versteht, worauf es ankommt, als wenn man im Zentrum sitzt. Es ist ganz so, wie Papst Franziskus es gesagt hat.“
 
Kardinal Marx rief wiederholt dazu auf, die Globalisierung zu gestalten und eine ganzheitliche Fortschrittsidee zu verwirklichen, um mögliche neue kriegerische Konflikte zu verhindern. „Wir müssen etwas tun, das den Menschen dient, besonders den Armen und Schwachen, die es nicht so leicht haben“, sagte der Erzbischof von München und Freising am Samstag, 3. September, bei seiner Predigt in der Kathedrale der ecuadorianischen Hauptstadt Quito.
 
Er warnte ausdrücklich vor nationalen Egoismen und Populismus. „Im Augenblick erleben wir eine starke Bewegung  in der internationalen Politik, das verstärkte Eintreten der Großen für ihre eigenen nationalen Interessen. Das Weltgemeinwohl ist nicht mehr so stark im Blick.“ Bei einer akademischen Diskussion in der Päpstlichen Katholischen Universität in Quito erklärte der Erzbischof, das Ziel müsse der Aufbau einer weltweiten Rahmenordnung sein, um „den politischen, sozialen, ökonomischen und ökologischen Herausforderungen zu begegnen“. Die Tagung wurde von dem Sozialinstitut CEPES veranstaltet, das vor fünf Jahren auf Betreiben von Marx in der Stadt Guayaquil gegründet worden war, um die Ideen der Katholischen Soziallehre in der Gesellschaft Ecuadors zu verankern. Sie stand unter dem Titel „Die Kirche und die Verantwortung für das gemeinsame Haus“.
 
Die Delegation, der unter anderem der Vorsitzende des Diözesanrats der Katholiken der Erzdiözese München und Freising, Hans Tremmel, angehörte, reiste auch in die Region Ecuadors, die von dem Erdbeben im April 2016 am stärksten heimgesucht worden war. In der teilweise schwer zerstörten Kathedrale von Portoviejo, die mit finanzieller Hilfe des Erzbistums wiederaufgebaut wird, feierte der Kardinal am Donnerstag, 7. September, einen Gottesdienst. „Wir haben keine Antwort auf ein Erdbeben, das auch noch die Armen und Schwachen trifft, aber wir haben die Hoffnung auf einen Gott, der uns in allem, was uns bedrückt, nicht allein lässt“, sagte Marx den Gläubigen.
 
Die Reise war geprägt von der Verehrung der Gottesmutter Maria. Die Delegation besuchte die zwei bedeutendsten Wallfahrtsorte des Landes, die Marienheiligtümer von El Quinche und El Cisne. Gemeinsam mit zahlreichen ecuadorianischen Bischöfen und vielen Hunderten von Gläubigen feierte Marx dort Festgottesdienste. Als Geschenk brachte er eigens in einer bayerischen Trachtenschneiderei angefertigte Gewänder für die Gnadenbilder mit.
 
Zwischen dem Erzbistum München und Freising und der katholischen Kirche von Ecuador besteht  seit 55 Jahren eine lebendige Partnerschaft. Deshalb nahmen an weiten Teilen des Programmes auch führende Vertreter der ecuadorianischen Laienorganisation CELCA teil. Der Vorsitzende des Diözesanrats Hans Tremmel ist froh darüber, dass der Austausch in beide Richtungen geht: „Ich bin den Freunden von CELCA außerordentlich dankbar, weil sie uns immer wieder die Augen öffnen für die ökologische und soziale Situation. Wir lernen von ihnen.“
 
Außer Tremmel begleiteten Kardinal Marx bei dessen Ecuador-Reise der Leiter der Abteilung Weltkirche und Koordinator der Ecuador-Partnerschaft, Sebastian Bugl, Diözesanjugendpfarrer Richard Greul, der eine Partnerschaft mit der ecuadorianischen Jugendpastoral unterhält, Pfarrer Martin Schlachtbauer, Vertreter der Erzdiözese in Ecuador, und Alexander Sitter, Koordinator der Partnerschaft auf ecuadorianischer Seite. (kel)

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Bilder der Reise