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Märtyrer von Dachau waren „Lichtstrahlen in einer dunklen Zeit“

Weihbischof zu Stolberg feierte Messe anlässlich der Neuaufnahme des Gedenktags in Liturgischen Kalender
München, 13. Juni 2017. Als „Lichtstrahlen in einer dunklen Zeit“ hat Weihbischof Rupert Graf zu Stolberg die Seligen Märtyrer von Dachau gewürdigt, derer am Montag, 12. Juni, erstmals mit einem neu eingeführten Gedenktag im Erzbistum München und Freising gedacht wurde. Anlässlich der offiziellen Aufnahme des Gedenktags in den Liturgischen Kalender feierte Stolberg am Abend einen Gottesdienst im Münchner Liebfrauendom.
 
Die 56 bislang seliggesprochenen Märtyrer von Dachau stünden stellvertretend für viel mehr Menschen. Sie machten deutlich, dass es nicht nur eine Zeit der Barbarei gewesen sei, in der Deutschland in tiefste Abgründe versunken sei, sondern auch eine Zeit, in der es immer wieder Lichtstrahlen gab, die den Weg durch die dunklen Wolken des Nationalsozialismus gefunden hätten, so Stolberg. „Dafür stehen diese 56 Märtyrer. Ja, sie waren Lichtstrahlen in einer dunklen Zeit!“
   
„Das Konzentrationslager Dachau war in der Geschichte der Christenheit das größte Priestergefängnis, das es je gab. Wenn man so will auch der größte Priesterfriedhof, den es jemals gab“, sagte Stolberg. Etwa 1.000 katholische Priester und Ordensleute starben in Dachau. Stolberg erinnerte jedoch auch an die Geistlichen anderer Konfessionen, die in Dachau inhaftiert waren. Zudem erinnerte er an alle Opfer des nationalsozialistischen Regimes sowie des Zweiten Weltkriegs. „Wenn wir am heutigen Tag auf die 56 Seligen Märtyrer von Dachau schauen, dann tun wir das natürlich im Bewusstsein, dass viel mehr Menschen dem Terror des Nationalsozialismus zum Opfer gefallen sind“, so Weihbischof Stolberg in seiner Predigt.
 
„Angesichts der Konzentrationslager stellen Menschen immer wieder die Frage ‚Wo war Gott?‘“, so Stolberg. „Die Antwort lautet: Er war da“, bezeugte Stolberg. So habe es selbst in der „Hölle von Dachau“ eine Kapelle gegeben, auf dem Tabernakel war das Bibelwort geschrieben „Ich bin bei euch alle Tage“. Die 56 Seligen Märtyrer seien selbst Zeugnis der Gegenwart Gottes: „Sie zeigen uns, dass uns der Heilige Geist in der Bedrängnis dazu führt, über uns hinauszuwachsen.“
 
Im Konzentrationslager Dachau, das auf dem Gebiet der Erzdiözese München und Freising lag, waren zwischen 1933 und 1945 mehr als 200.000 Menschen inhaftiert, vor allem politische Gegner der Nationalsozialisten, Juden, Sinti und Roma sowie sogenannte Bibelforscher und Homosexuelle. Etwa 41.500 der Dachauer Inhaftierten wurden ermordet oder starben an den Folgen der Haft.
 
Vor allem von 1940 an waren zunehmend auch Geistliche der Verfolgung und Misshandlung ausgesetzt. In einem eigenen sogenannten „Priesterblock“ waren 2.579 römisch-katholische Geistliche inhaftiert, die meisten davon waren polnische Priester und Ordensleute. Auch 109 evangelische, 22 griechisch-orthodoxe, acht altkatholische und zwei muslimische Geistliche wurden dort gefangen gehalten. Unter den Klerikern aus ganz Europa – aus 138 Diözesen und 25 Orden – stammten mit 1.780 Geistlichen die meisten aus Polen. Fast die Hälfte davon überlebte das Lager nicht.
 
200 der Gefangenen gelten der Kirche als Märtyrer, 56 davon wurden bisher selig gesprochen, darunter Priester, Ordensleute und ein Laie. Ihrer wird nun immer am 12. Juni im Erzbistum gedacht. 47 dieser Männer kamen aus Polen, bis auf zwei gehören sie zu den 108 Seligen Märtyrern, an die auch die Kirche in Polen am 12. Juni erinnert. Weitere Seligsprechungsverfahren laufen noch. (glx)