Der Erzbischof ruft bei Verabschiedung von Pfarrer Mayer zu mehr Offenheit für andere auf
München / Erdweg, 6. Januar 2026. Kardinal Reinhard Marx hat davor gewarnt, aus der Heimat eine abgeschlossene, unveränderliche Wirklichkeit zu machen. „Alles soll so bleiben, wie es ist, und niemand Neues soll dazukommen? Das ist nicht Heimat, von der die Bibel spricht, sondern eine Ideologie, die sich um sich selbst dreht und die Herausforderungen der Wirklichkeit nicht wahrnehmen will“, sagte der Erzbischof von München und Freising bei einem Festgottesdienst am Dienstagvormittag, 6. Januar 2026, auf dem Petersberg in Erdweg zur Verabschiedung des Geistlichen Direktors der Katholischen Landvolkshochschule Petersberg, Pfarrer Josef Mayer. „Heimat ist ein Ort der Geborgenheit, der Überschaubarkeit und gemeinsamen Traditionen, aber kein abgeschlossener Ort, der nicht die Kraft hat, auch anderen eine Heimat zu sein und sie willkommen zu heißen.“
In seiner Predigt erinnerte Kardinal Marx daran, dass die Bibel eine Geschichte des Unterwegs-Seins und der Suche nach einer neuen Heimat sei. „Beides gehört zusammen. Wir sind Menschen, die nicht stehen bleiben können. Jeder Tag ist ein Schritt auf den Tod zu. Wir können nicht zurück, wir können nur nach vorn gehen, auf Christus zu.“ Alle Menschen würden aber auch einen Ort suchen, so Marx, wo sie anhalten und Geborgenheit finden können. „Ohne Liebe werden wir auf dem Weg unseres Lebens verhungern und verdursten.“ Zugleich betonte er, dass es die Aufgabe und auch der Auftrag der Kirche sei, die Heimat aus dem Geist des Evangeliums heraus zu gestalten. „Die Kirche soll ein Ort sein, wo über die Zukunft des Lebens nachgedacht wird. An dem wir nicht stehenbleiben und einfach alles nur bewahren wollen, sondern wo wir eine Heimat schaffen, die andere nicht ausschließt – eine offene Gemeinschaft, die unterwegs und daheim zugleich ist. Das ist das Geheimnis, das die Kirche den Menschen geben soll.“ Die Sehnsucht nach der Heimat sei zwar wichtig, so Marx. Sie solle aber nicht zum Stehenbleiben und zum Stillstand führen: „Die Heimat ist immer auch ein Ort, an dem ich Ausschau halte nach den Möglichkeiten des Lebens.“
Das Unterwegs-Sein und Ankommen sei im Übrigen auch die große Berufung Israels gewesen, hob Marx hervor – „durch die Wüste hindurch, ins Land der Verheißung, und dort ein Zeichen sein für alle Völker, die noch kommen werden. Kein abgeschlossenes Land, sondern eines, das auf dem Berg Zion alle Völker empfängt, damit alle Nationen den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs als den Gott aller Menschen erkennen.“ (hor)