Was schreiben die Sternsinger an die Tür? Vierte Folge unserer neuen Reihe "Kinderleicht erklärt"

Zahlen, Buchstaben, einen Stern und drei Kreuze stehen an den Türen – aber warum? Ein Blick in die Bibel hilft uns, sie zu enträtseln.
 
Sternsinger
Um den 6. Januar verkleiden sich Kinder als Königinnen und Könige und gehen als Sternsinger von Tür zu Tür.
Alles beginnt mit dem Stern: Das Matthäus-Evangelium erzählt von der Geburt von Jesus, doch bei ihm sind es nicht die Hirten, die das Jesus-Kind besuchen. Bei Matthäus sind es Sterndeuter aus dem Osten. Und was wären Sterndeuter ohne die Sterne! 

Als Jesus geboren wurde, war Herodes der König von Israel, er lebte in einem Palast in der Hauptstadt Jerusalem. Eines Tages kamen Sterndeuter aus dem Osten zu ihm in den Palast. Sie wurden bis zu Herodes vorgelassen. „Zeige uns bitte den neugeborenen König!”, verlangten die Sterndeuter. „Wir haben nachts am Himmel einen hellen Stern aufgehen sehen. Dieser Stern zeigt uns: Ein neuer König ist geboren. Wir wollen ihn begrüßen und ihm Geschenke bringen. Wir haben einen weiten Weg hinter uns. Wir sind dem Licht des Sterns bis hierher gefolgt.”
Da erschrak Herodes sehr, denn er hatte keine Ahnung von einem neuen König. Er wollte selbst König bleiben. Darum ließ er schnell all seine klugen Berater zusammenrufen. Sie sollten ihm sagen, was es mit dem neuen König auf sich haben könnte und wo der zu finden sei. Die Berater suchten und fanden einen Hinweis: In Bethlehem sollte der neue König geboren sein. Herodes ging zu den Sterndeutern und schickte sie nach Bethlehem. Doch zuvor bat er sie, sie sollten ihm auf dem Rückweg berichten, ob sie den König gefunden hätten. Die Sterndeuter reisten weiter nach Bethlehem und fanden im Licht des Sterns das richtige Haus und Maria und Jesus.
Die Sterndeuter freuten sich sehr und packten kostbare Geschenke aus: Myrrhe, Weihrauch und Gold. Eigentlich wollten die Sterndeuter Herodes von Jesus berichten, aber im Traum warnte ein Engel die Sterndeuter vor dem König. So reisten sie auf einem anderen Weg nach Hause zurück. (Nach Matthäus 2, 1-12)

Hier liest man also vom Stern, dessen Licht die Sterndeuter bis zu Jesus führt.
 

Sterndeuter oder Könige? Und wie viele?

Drei Geschenke bringen die Sterndeuter zur Krippe: Gold, Weihrauch und Myrrhe, das ist getrocknetes Baumharz zur Herstellung von Heilsalben. Da es drei Geschenke sind, dachten die Leserinnen und Lesers des Evangeliums schon früh, es müssten auch drei Sterndeuter gewesen sein. Wegen der kostbaren Geschenke und weil sie einen König suchten, wurden aus den Sterndeutern im Laufe der Zeit auf vielen Darstellungen selbst auch Könige.
 
Anfangs zeichnete man einen ganz jungen Mann, einen erwachsenen und einen alten Mann als Könige, um alle Lebenalter bei Jesus zu versammeln. Später zeigte man die drei Sterndeuter mit unterschiedlicher Hautfarbe als Vertreter der damals bekannten Erdteile Afrika, Europa und Asien. Sogar Namen bekamen die drei Männer, nämlich Caspar, Melchior und Balthasar.
 

Was steht da an der Tür?

Die drei Anfangsbuchstaben finden sich auch in der Aufschrift über der Türe. Und sie stehen wohl nicht für die erdachten Namen der Sterndeuter, sondern für den lateinischen Segenswunsch "Christus Mansionem Benedicat".

Übersetzt heißt das: "Christus segne dieses Haus". Segen für das Haus und alle seine Bewohnerinnen und Bewohner, Gesundheit und ein gutes Miteinander, das sind Wünsche, die wir gerne als Überschrift über die Haustüre und auch über ein neues Jahr schreiben können. Die Zahl, die den Segen einrahmt, ist die aktuelle Jahreszahl, und die drei Kreuze stehen für den Segen: "Christus segne dieses Haus und alle, die hier gehen ein und aus. Möge das Jahr 2026 unter einem guten Stern stehen!"
 
Sternsinger Segen an der Tür
Der Segen kann an die Tür geschrieben oder auch als Aufkleber angebracht werden.

Wieso verkleiden sich Kinder als Könige und schreiben den Segen?

Früher, als Lebensmittel knapp waren und die Winter lang und kalt, hatten viele Menschen Hunger. Deswegen verkleideten sich vor allem arme Kinder und Jugendliche als Könige und gingen von Haus zu Haus, um zum Fest der Heiligen Drei Könige am 6. Januar den Menschen in den Häusern den Segen zu wünschen. Dafür bekamen sie meist eine kleine Spende oder etwas zu essen. Heute sammeln die Kinder bei uns für arme und hilfsbedürftige Kinder auf der ganzen Welt. Die Hilfsprojekte werden ausgesucht und begleitet vom Kindermissionswerk (www.sternsinger.de). Die Kinder, die sich in ihrer Freizeit bei uns als Sterndeuter verkleiden, werden Sternsinger genannt, weil sie den Segen oft als Lied vortragen. Sie haben einen Stern aus Holz oder Pappe dabei, manchmal auch Weihrauch, und Kreide oder Aufkleber, um den Segensspruch an der Türe anzubringen.
 
Sternsinger bringen doppelt Segen. Sie wünschen den Menschen in den Häusern Gottes Segen und die gesammelten Spenden sind ein Segen für andere Kinder. Weltweit ist die Sternsingeraktion die größte Aktion, bei der Kinder Kinder unterstützen.

Die Sternsingergruppen werden über die Ortspfarreien organisiert. Falls du auch als Sternsingerin oder Sternsinger unterwegs sein möchtest, frag in deiner Pfarrei nach.
 
Und wenn es in den Tagen um den 6. Januar an der Türe klingelt, nach Weihrauch duftet und ein „Wir kommen daher aus dem Morgenland...” erklingt, dann lohnt es sich, die Türe zu öffnen für Gottes Segen!

Text: Veronika Bürker, Gemeindereferentin und Fachreferentin für Kinderpastoral
 

Kinderpastoral
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