„Ubi spiritus Domini ibi libertas"
„Wo der Geist des Herrn wirkt, da ist Freiheit“
(2 Kor 3,17)
Ein Wahlspruch soll einen Bischof durch seinen Dienst begleiten und ihn auch persönlich charakterisieren. Als Reinhard Marx 1996 zum Weihbischof von Paderborn geweiht wird, wählt er diesen Vers aus dem 2. Korintherbrief des Apostels Paulus: „Wo der Geist des Herrn wirkt, da ist Freiheit“. (2 Kor 3,17)
Dieser Vers drückt seine tiefe Überzeugung aus und ist ein Schlüssel zu seinem Denken. Freiheit steht für Kardinal Marx im Kern des Glaubens an einen menschenfreundlichen Gott, ist ein Mittelpunkt seiner Sozialethik und Titel eines seiner Bücher. Immer wieder thematisiert Kardinal Marx das Geschenk und die Herausforderung der Freiheit in seinen Begegnungen, Predigten, Ansprachen und Interviews.
Lade Bild...Kardinal Reinhard Marx„Der Blick auf die Freiheit vertieft meinen Glauben und erneuert immer wieder mein Staunen über Gott, das absolute Geheimnis.“
In eigenen Worten beschreibt Kardinal Marx, warum er diesen Wahlspruch wählte: „Als ich Weihbischof wurde, habe ich mir einen Wahlspruch gesucht, der mich durch meinen Dienst als Bischof begleiten soll und mich auch persönlich charakterisiert. Mir kam sofort dieses Wort aus dem Zweiten Korintherbrief in den Sinn. Freiheit ist einfach ein Teil meines Denkens und Wirkens geworden. Seitdem gehe ich dem nach in der Auseinandersetzung zwischen theologischen und gesellschaftlichen, politischen und philosophischen Fragestellungen. Wir stehen in unseren Tagen vielleicht an einem Wendepunkt der Freiheitsgeschichte. Es scheint mir nicht entschieden zu sein, ob wir eine Kultur der Freiheit bewahren und weiter entwickeln im Blick auf alle Menschen, oder ob wir einen Weg einschlagen, der in autoritäre, vielleicht sogar totalitäre Modelle zurückführt, die die Freiheit ideologisch unterhöhlen.
Ich bin überzeugt: Für Kirche und Gesellschaft entscheidet sich an dieser Frage vieles. Es geht darum, die Sprache des Glaubens und die Worte der Theologie im Kontext der Freiheit zu stärken, ohne dass die Substanz und Bedeutungsgeschichte des christlichen Glaubens eingebüßt werden. Der Blick auf die Freiheit vertieft meinen Glauben und erneuert immer wieder mein Staunen über Gott, das absolute Geheimnis.“
Bei seiner Amtseinführung im Münchner Liebfrauendom 2008 betont Reinhard Marx als neuer Erzbischof von München und Freising, welche Aufgabe sich daraus für die Kirche ergibt: das Evangelium in der Mitte der Gesellschaft zu verkünden – als befreiende Botschaft, die alle Menschen anspricht und alle Lebensbereiche betrifft. Deshalb müsse sich die Kirche auch „politisch und gesellschaftlich einmischen und zu Wort melden“, so Marx in seiner Predigt. „Der Mensch hat eine Würde, die nicht von Menschen abhängt, sondern von Gott selbst gegeben ist – der sich in seiner Menschwerdung mit jedem Menschen verbunden hat.“
Gott habe den Menschen erschaffen nach seinem Ebenbild – und in dieser Gottebenbildlichkeit gründe die menschliche Freiheit, wie Marx in seinem Buch „Freiheit“ schreibt: „Die Freiheit ist ein Geschenk und eine Aufgabe, eine Gabe und eine Sendung. Gott ist also nicht nur frei, sondern Gott macht frei. Er will freie Menschen.“ Diese Freiheit fordert den Menschen laut Marx heraus: Sie bringe Verantwortung mit sich – für sich selbst, für andere und für die Schöpfung. Und sie verlange zugleich den Mut zum Aufbruch und: „den Möglichkeiten Gottes zu vertrauen.“