Mehrere Kardinäle mit roten Gewändern und Pileolus gehen die Steintreppe des Petersdom hinunter, darunter Kardinal Marx.
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Kardinäle sind nach dem Papst die ranghöchsten Würdenträger in der Kirche.

Was ein Kardinal ist – und wie Reinhard Marx einer wurde

Im Mai 2025 blickt die Welt auf sie: 133 Kardinäle in leuchtend roten Soutanen ziehen zum Konklave in die Sixtinische Kapelle ein. Nur sie dürfen den neuen Papst wählen. Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising, ist einer von ihnen. Doch wie wird man Kardinal – und welche Bedeutung haben diese Würdenträger heute?

Nur die Kardinäle – und nur jene unter 80 Jahren – wählen beim Konklave, wer den Petrusdienst ausüben und die Kirche führen soll. Ihnen kommt somit eine besondere Verantwortung zu. Dabei ist „Kardinal“ an sich gar kein Amt, sondern ein Titel, den der Papst auf Lebenszeit verleiht. „Kardinal“ leitet sich vom lateinischen „cardo“ ab: „Türangel“, „Hauptpunkt“, „Angelpunkt“ und bedeutet im weiteren Sinn: Hauptsache, Hauptkirche. Der Ausdruck Kardinal bezieht sich also in seinem Ursprung auf die Geistlichen, die in einer solchen Hauptkirche Roms gewirkt haben.

Kardinäle sind in der katholischen Kirche nach dem Papst die ranghöchsten Würdenträger. Sie unterstützen den Heiligen Vater in der Leitung der Römischen Kurie, der zentralen Verwaltungsbehörde des Heiligen Stuhls, und in den Bistümern der Weltkirche. Erzbischof Reinhard Marx beschreibt es so:

Kardinal Marx predigt im Gottesdienst und trägt einen roten Pileolus, das kleine runde Scheitelkäppchen der Kardinäle.
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„Die Einheit mit dem Heiligen Vater gehört zur Substanz des katholischen Glaubens. Ein Kardinal hat das in besonderer Weise zu leben und zu bezeugen. “

Erzbischof Reinhard Marx

Während Bischöfe die Farbe Violett tragen, ist die Soutane eines Kardinals leuchtend rot: Das symbolisiert die Treue zu Papst und Kirche – und die Bereitschaft, den Glauben notfalls bis aufs Blut zu verteidigen. 

Es gibt drei Ränge: Kardinal-Diakone, Kardinal-Bischöfe und Kardinal-Priester. Kardinal Marx gehört zu den Kardinal-Priestern, denen traditionell eine Titelkirche in Rom zugeordnet ist. Als Papst Benedikt XVI. Erzbischof Reinhard Marx 2010 zum Kardinal erhebt, wird ihm die Titelkirche San Corbiniano in der Gemeinde Infernetto bei Rom zugewiesen – benannt nach dem Heiligen Korbinian, Freisinger Bistumspatron. Als Besucher der Kirche findet man deshalb dort neben dem päpstlichen auch das Wappen des Kardinals.

Erzbischof Reinhard Marx äußert sich damals voller Freude über seine Berufung ins Kardinalskollegium. Es sei für ihn selbst, für das Erzbistum München und Freising und für die katholische Kirche in Bayern eine große Ehre: „Damit unterstreicht Papst Benedikt XVI. auch seine Verbundenheit mit seinem Heimatbistum, dem er selbst fast fünf Jahre vorgestanden hat.“ Marx sieht die Ernennung auch als Auftrag und Herausforderung.

2010 – das Jahr, in dem Erzbischof Marx Kardinal wird

  • 20. OktoberErnennung: Papst Benedikt XVI. gibt die Namen der neuen Kardinäle bekannt, darunter Erzbischof Reinhard Marx.
  • 20. NovemberKardinalserhebung: Im Petersdom wird Marx im feierlichen Konsistorium offiziell in das Kardinalskollegium aufgenommen.
  • 21. November – Übergabe des Rings: Am Christkönigssonntag, 21. November 2010, überreicht Papst Benedikt XVI. den neuen Kardinälen im Rahmen einer Eucharistiefeier im Petersdom die Kardinalsringe. Hunderte aus Deutschland angereiste Pilger begrüßen und feiern Kardinal Marx im Anschluss auf dem Petersplatz.
  • 22. November – Sonderaudienz beim Papst: Kardinal Marx schenkt Benedikt XVI. im Anschluss an eine Audienz für die sog. Kardinalsfamilien ein aus Holz geschnitztes Münchner Kindl und ein Zinnmodell einer alpenländischen Seeprozession. Hunderte bayerische Pilger stimmen in der Audienzhalle die Bayernhymne „Gott mit dir, du Land der Bayern“ an.
  • 23. November – Rückkehr ins Erzbistum: Eine Delegation empfängt den neuen Kardinal am Flughafen, anschließend wird er am Freisinger Dom begrüßt.
  • 28. November – Erstes Pontifikalamt im Liebfrauendom in München: In seiner Predigt fordert Marx „Wachsamkeit, Lernen und Bedenken“, nur so könne Erneuerung gelingen, „die uns auch wirklich weiterführt in die Weite und Tiefe des Glaubens“.
  • 13. Februar 2011 – Erstes Pontifikalamt als Kardinal im Freisinger Mariendom, der Konkathedrale des Erzbistums.
  • 5. Juni 2011 – Inbesitznahme der Titelkirche: Im März war die Kirche fertiggestellt und durch Papst Benedikt XVI. geweiht worden, zweieinhalb Monate später nimmt Kardinal Marx sie mit einem feierlichen Gottesdienst als Kardinalskirche in Besitz. San Corbiniano in Infernetto im Südwesten Roms ist dem Heiligen Korbinian, Bistumspatron von München und Freising, geweiht.

„Damit Bayern den Glauben nie vergisst“

Wie Korbinian sei auch er nach Rom gereist und wieder nach Freising zurückgekehrt, um „das Evangelium hier in Altbayern in überzeugender Weise“ zu verkünden, sagt Marx, als er nach seiner Kardinalserhebung aus dem Vatikan in Freising ankommt. Er wolle seinen Beitrag dazu leisten, „damit Bayern den Glauben nie vergisst“.

In einer kurzen Ansprache vor dem Dom erinnert Marx an die Kontinuität im Zeichen des Hl. Korbinian: Zum Kardinal ernannt wurde er am 20. November, dem Fest des Diözesanpatrons, durch einen von Marx’ Vorgängern auf dem Stuhl des Hl. Korbinian, den ehemaligen Erzbischof Joseph Ratzinger. Und auch seine Titelkirche, San Corbiniano, wird dem Heiligen Korbinian geweiht.

In einem Gebet am Schrein des Hl. Korbinian im Freisinger Dom bittet Kardinal Marx um den Beistand des Heiligen: „Hilf mir auch ganz persönlich in meinem Dienst als Erzbischof dieses Erzbistums, in dem ich nun zu Hause bin, in dem ich bleiben will, dem ich mich neu widmen will, mit ganzem Herzen.“
 

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